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Inflationsprämie: Warum sie zum Nachteil für Arbeitnehmer werden könnte

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Von: Lisa Mayerhofer

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Die IG Metall fordert in einem bundesweiten Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie mehr Lohn, die Arbeitgeberseite möchte stattdessen lieber die Inflationsprämie zahlen. Ein Dilemma.

Berlin – Bis zu 3000 Euro – so viel Geld dürfen Arbeitgeber ihren Beschäftigten steuer- und abgabenfrei als Inflationsprämie zahlen. Durch die zulässige Sonderzahlung sollen laut Regierung Arbeitnehmer entlastet werden, die mit stark gestiegenen Energie- und Nahrungsmittelpreisen zu kämpfen haben. Doch für Mitarbeiter kann sich die Prämie als zweischneidiges Schwert erweisen, wie eine aktuelle Debatte zeigt.

IG Metall und Arbeitgeber: Inflationsprämie statt Tariferhöhungen

Diese betrifft die aktuellen Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie – die bisher ohne Einigung war. Die IG Metall fordert in dem bundesweiten Tarifkonflikt acht Prozent mehr Lohn bei einer Vertragslaufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber haben bei 30 Monaten Laufzeit einmalig 3000 Euro netto sowie eine nicht bezifferte Erhöhung der Lohntabellen angeboten. Also im Endeffekt: die für die Arbeitgeber steuerfreie Inflationsprämie. Deren Auszahlung ist bis zum 24. Dezember 2024 möglich.

Doch die IG Metall will lieber eine dauerhafte Gehaltserhöhung erstreiten und sich nicht mit der angebotenen Inflationsprämie zufriedengeben. „Dem Angebot fehlt der Wumms“, sagte der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Daniel Friedrich, nach der gescheiterten dritten Tarifrunde mit spöttischem Hinweis auf die Worte des Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD). Das Angebot sei lediglich ein „Almosen“, erklärte IG-Verhandlungsführer Jörg Köhlinger. 

Inflationsprämie: Bonus oder Ersatz für Gehaltserhöhung?

Darin zeigt sich auch, wie unterschiedlich Gewerkschaften und Arbeitgeber die Inflationsprämie definieren. Die einen begreifen sie als zusätzlichen Bonus, die anderen als Ersatz für eine Gehaltserhöhung. Hagen Lesch, Tarifpolitik-Experte beim arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft, erklärt dazu im Business Insider: „Die Inflationsausgleichsprämie soll sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber entlasten. Sie ist aber kein Angebot, das zusätzlich zu den Tarifrunden verhandelt werden soll. Es ist nicht so gedacht, dass ein Unternehmen höhere Gehälter zahlt und dann auch noch die Prämie ausschüttet. Die Idee der Bundesregierung war, keine dauerhafte Kostenbelastung bei den Unternehmen zu generieren, die dann eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzt.“

Eine Lohn-Preis-Spirale bezeichnet das Risiko, dass steigende Löhne als Reaktion auf hohe Inflation die Preise dauerhaft weiter nach oben treiben könnte. Diese Befürchtung ist allerdings umstritten. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht beispielsweise dafür nur ein geringes Risiko. Für Arbeitnehmer könnte es aber bedeuten, dass viele Unternehmen versuchen werden, höhere Lohnforderungen mit Angeboten von Einmalzahlungen zu begegnen – oder diese gleich ganz abzuschmettern. (lma/dpa)

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