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Stuttgarter Start-up will Wasserverschwendung mit einer App ein Ende bereiten

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Von: Franziska Schuster

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Das Team von Hydrop Water Systems (von links): Moritz Emberger, Katrin Kreidel, Fides Faber, Gibran Khoury und Ilya Shapiro
Das Team von Hydrop Water Systems (von links): Moritz Emberger, Katrin Kreidel, Fides Faber, Gibran Khoury und Ilya Shapiro. © Hydrop Water Systems/Katrin Kreidel

Das Team von Hydrop Water Systems aus Stuttgart will ein Bewusstsein für Wasserverschwendung schaffen. BW24 hat mit Gründerin Katrin Kreidel gesprochen.

Stuttgart - Der Schritt weg von einer sicheren Anstellung hinein in die Selbstständigkeit kann ein aufregender, aber auch beängstigender Weg sein. Und dennoch nehmen die Unternehmungsgründungen zu. Im Jahr 2021 wurden in Baden-Württemberg rund 77.700 Gewerbebetriebe neu gegründet. Einer davon ist das Start-up Hydrop Water Systems aus Stuttgart. Das kleine Team hat sich große Ziele gesetzt: Es will die Wasserverschwendung in Deutschland und der Welt bekämpfen - und zwar mithilfe Künstlicher Intelligenz. BW24 hat mit Gründerin und CEO Katrin Kreidel über die Vision und Idee hinter Hydrop Water Systems gesprochen.

Hydrop Water Systems aus Stuttgart: „Es gab zuerst das Team, dann die Idee“

Normalerweise werden aus Ideen Start-ups geboren. Bei Hydrop Water Systems war das genau andersherum. Noch während ihrem Studium haben Katrin Kreidel und ihre Mitstreiter ihr Start-up gegründet. Ihnen war klar: Sie wollten sich selbst etwas aufbauen. Womit, war anfangs jedoch noch unklar. „Es gab tatsächlich zuerst das Team und dann die Idee. Meine Mit-Gründer habe ich über das Studium an der Uni Stuttgart kennengelernt“, erzählt Katrin Kreidel. Gemeinsam mit Gibran Khoury, Fides Faber und Moritz Emberger reifte die Idee eines eigenen Unternehmens immer weiter aus. An der Universität Stuttgart nahm das Team am Programm „In sechs Wochen zum Start-up“ des Instituts für Entrepreneurship und Innovationsforschung teil, um sich klarer über ihre nächsten Schritte zu werden.

Damit sich etwas ändert, müssen die Menschen verstehen, warum sie so viel Wasser verbrauchen.

Katrin Kreidel, Gründerin und CEO von Hydrop Water Systems

„Wir haben uns zunächst gefragt, was für uns bei einem Start-up wichtig wäre. Und für uns war es wichtig, dass es sowohl etwas Technisches, als auch etwas Nachhaltiges ist. Am besten wäre es, wenn wir für ein umweltrelevantes Problem eine technische Lösung finden“, erklärt Katrin Kreidel. Die Idee zu Hydrop Water Systems kam den Studenten, als sie ihr Umfeld befragten. Was beschäftigt oder stört sie im Alltag? Eine Aussage beschäftigte das Team sehr: Ein Teilnehmer der Umfrage meinte, er wisse nie, ob er beim Duschen viel oder wenig Wasser verbraucht. Damit hat er bei den Gründern einen Punkt getroffen, denn auch sie hatten auf diese Frage keine Antwort.

Bei einer weiteren Umfrage wollten die Gründer herausfinden, wie viel die Menschen zum Thema Wasserverbrauch wissen. Wie viel Liter Wasser verbraucht ein Mensch in Deutschland am Tag? Dabei kamen Schätzungen von 50 bis 70 Liter zustande. Laut Statistik sind es allerdings 129 Liter. „Viele waren schockiert, wie viel es tatsächlich ist“, berichtet Katrin Kreidel. „Wir haben gemerkt, dass hier Wissen fehlt. Und hier setzen wir an: Wir wollen nicht erst in die Situation kommen, dass uns das Wasser ausgeht und wir erst dann darüber nachdenken, wie wir Wasser sparen könnten. Wir wollen jetzt schon etwas tun, um aktiv Wassermangel vorzubeugen.“

Start-up will mithilfe Künstlicher Intelligenz Wasserverschwendung bekämpfen

Und das will das Hydrop-Team mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI). Ein vernetzter Wasserzähler, beziehungsweise ein Add-on für bestehende Haushaltswasserzähler, überträgt hochfrequente Daten an das Backend, welches mithilfe einer KI Verbrauchsmuster erkennt und den Wasserverbrauch bestimmten Anwendungen zuordnet. Das Backend überträgt die Daten an die App des Nutzers, in welcher er seinen Verbrauch genau aufgeschlüsselt betrachten kann. „Wir wollen nicht nur, dass man den Verbrauch sehen kann, sondern auch, dass man die Möglichkeit hat, es zu vergleichen. Verbrauche ich viel oder wenig?“

Ihre Idee kommt genau zur richtigen Zeit: Extremes Wetter in Deutschland hatte in diesem Jahr Dürren und Waldbrände zur Folge. Aufgrund der Ukrainekrise steigen Energiepreise. Wasser sparen hilft da nicht nur der Umwelt, sondern schont auch den Geldbeutel. „Tatsächlich denken viele, es gäbe genug Wasser und die Probleme existierten nicht. Dieser Einstellung sind wir anfangs häufig begegnet. Doch nach diesem Sommer haben viele die Bilder der Auswirkungen, wie Trockenheit oder Waldbrände, gesehen. Mittlerweile bekommen wir eine ganz andere Resonanz“, sagt Katrin Kreidel.

Hydrop Water Systems Schaubild
Ein vernetzter Wasserzähler überträgt die Verbrauchsdaten an das Backend. Dieses erkennt Verbrauchsmuster und übermittelt diese an die App des Nutzers. © Hydrop Water Systems

Die Stuttgarter Gründer haben sich große Ziele gesetzt. „Unser erster Schritt ist auf jeden Fall, ein Bewusstsein für dieses Thema zu schaffen. Damit sich etwas ändert, müssen die Menschen verstehen, warum sie so viel Wasser verbrauchen, um dann etwas dafür zu tun, mehr Wasser einzusparen“, meint Katrin Kreidel. Aktuell befindet sich die App noch in der Entwicklung. Ein Pilotprojekt soll im Januar 2023 starten. „Im Laufe des nächsten Jahres planen wir dann ein sehr viel größeres Pilotprojekt, damit wir am Ende davon zu dem Stand kommen, dass wir an den Markt gehen können.“

Studenten gründen Start-up noch an der Uni: „Wir haben nichts zu verlieren“

Darauf konzentrieren sich die Gründer aktuell in Vollzeit. Denn seit September 2022 bekommt das kleine Team Unterstützung von EXIST, einem Gründerstipendium vom Bund. Auch das Land Baden-Württemberg fördert Gründungen. Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister Kraut wünscht sich mehr weiblich geführte Start-ups.

Auch wenn es noch ein weiter Weg zum endgültigen Produkt ist, Angst zu scheitern hatte und hat Katrin Kreidel nicht. „Wenn man sich direkt nach dem Studium für die Selbstständigkeit entscheidet, hat man meiner Meinung nach überhaupt keine Fallhöhe“, erklärt sie. „Wenn man vorher einen gut bezahlten Job hatte, muss man sich den Start in die Selbstständigkeit wahrscheinlich mehr überlegen“, führt Katrin Kreidel weiter aus. „Wir haben uns gesagt: Wir haben nichts zu verlieren. Und selbst wenn es nicht klappt: in dieser Zeit haben wir so viele Erfahrungen gesammelt, wie wir sie in einem Unternehmen in derselben Zeit nie hätten machen können. Es ist eine einmalige Chance und wir wollen sehen, wo uns der Weg hinführt.“

Künstliche Intelligenz setzt auch das Metzinger Start-up „Neura Robotics“ für seine Haushaltsroboter ein. Weitere News rund um Start-ups aus Baden-Württemberg gibt es auf der Ressortseite Wirtschaft von BW24.

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