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Größter deutscher Zementhersteller warnt: Wenn Energiepreise nicht sinken, müssen Werke geschlossen werden

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Von: Julian Baumann

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Zementsäcke mit der Aufschrift „Heidelberger Zement“ stapeln sich in einer Lagerhalle im Heidelberger Zementwerk.
Wenn die Energiepreise weiterhin auf einem derart hohen Niveau bleiben, müsse Heidelberg Materials ganze Werke schließen, sagte der Konzernchef. (Archivfoto) © Ronald Wittek/dpa

Aufgrund der extremen Energiepreise fürchtet der größte deutsche Zementhersteller um die Zukunft. Sollten die Preise nicht sinken, müssten Werke geschlossen werden, warnte der Konzernchef.

Heidelberg - Die stark gestiegenen Preise für Strom, Gas und Wasser belasten nicht nur die Bürger in Deutschland zunehmend, sondern auch die Wirtschaft. Aufgrund der explodierenden Energiepreise fürchten Kfz-Betriebe um ihre Existenz und auch die Bäcker im Südwesten kämpfen mit den extremen Preisen. Selbst an Weltkonzernen wie Mercedes-Benz geht die aktuelle Situation nicht spurlos vorbei. Der Konzern will deshalb den Gasverbrauch um 50 Prozent drücken. Für den Baustoffkonzern HeidelbergCement, der künftig Heidelberg Materials heißen soll, spitzt sich die Lage ebenfalls immer weiter zu.

Das Unternehmen mit Sitz in Heidelberg ist nach eigenen Angaben einer der größten Zementhersteller der Welt und der größte in Deutschland. Die Herstellung des anorganischen Baustoffes ist allerdings sehr energieintensiv, weswegen Heidelberg Materials befürchtet, die Produktion aufgrund der hohen Preise bald nicht mehr aufrechterhalten zu können. Sollten die Energiepreise nicht schnellstmöglich sinken, müsse der Konzern Werke schließen, sagte CEO Dominik von Achten der Nachrichtenagentur Reuters am Firmensitz.

Heidelberg Materials muss Werke schließen, wenn Energiepreise nicht sinken

Bereits vor dem anhaltenden Ukraine-Krieg waren die Energiepreise in Deutschland hoch. Stromanbieter kündigten den Kunden ohne Verwarnung die Verträge, da die Kosten nicht mehr tragbar waren und ein Energieunternehmen in Brandenburg meldete Insolvenz an. Durch die Folgen des Krieges sind die Preise in den vergangenen Monaten allerdings noch weiter gestiegen, was sowohl kleinere Unternehmen, als auch große zunehmend vor Probleme stellt. „Wenn der Strompreis nachhaltig nicht runterkommt, dann ist es schon so, dass wir auch in Deutschland das eine oder andere Werk komplett vom Netz nehmen würden“, sagte Heidelberg Materials-Konzernchef Dominik von Achten. „Darauf haben wir uns vorbereitet.“

Der Baukonzern verlagere die Produktion bereits auf Tage, an denen die Energiepreise niedriger sind, einschließlich auf das Wochenende, so von Achten weiter. Diese Produktionsverlagerung bedeutet aber auch, dass Teile der Belegschaft von Heidelberg Materials an manchen Wochentagen nicht im Werk sein dürfen. An den europäischen Standorten des Konzerns erfordere dies jedoch fortlaufende Gespräche mit den Gewerkschaften. Heidelberg Materials rechne im laufenden Jahr mit Mehrkosten von rund einer Milliarde Euro, sagte Finanzchef Rene Aldach am Dienstag.

Heidelberg Materials: Baustoffkonzern fordert Preisdeckel für Gaspreise

Der baden-württembergische Baustoffkonzern Heidelberg Materials ist laut dem Finanzchef bis zu einem gewissen Grad gegen sehr hohe Strompreise wie 300 oder 500 Euro pro Kilowattstunde abgesichert. Doch auch wenn die Energiekosten den Konzern zumindest in den kommenden Jahresquartalen nicht mit voller Wucht treffen werden, sind die Mehrkosten für das Unternehmen gewaltig. Um das zumindest abzufedern, fordert das Unternehmen Reuters zufolge einen Gaspreisdeckel, um Arbeitsstellen in Deutschland zu sichern. Auch der Gründer des IT-Unternehmen GFT forderte bereits einen Preisdeckel für Gaspreise.

Die Preise für Strom und Wasser sind aktuell zwar extrem hoch, besondere Sorgen bereitet allerdings die Versorgung mit Gas im Winter. Trigema stellt als „Notfalllösung“ bereits zeitweise auf Öl um und auch andere Unternehmen prüfen alternative Energieträger. Auf alternative Energien angesprochen sagte der Finanzminister von Heidelberg Materials, dass die Werke des Konzerns bereits jetzt zu 80 oder 90 Prozent mit Alternativen wie beispielsweise Holzpellets versorgt werden könnten.

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