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Heckler & Koch: Aufschwung durch Ukraine-Krieg - „wir sind systemrelevant“

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Von: Julian Baumann

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In der Produktionshalle des Waffenherstellers Heckler & Koch in Oberndorf stehen fertige Sturmgewehre vom Typ HK416 aufgereiht.
Durch den Ukraine-Krieg steigen die Investitionen in die Rüstungsindustrie. Davon profitiert auch Heckler & Koch. © Bernd Weißbrod/dpa

Durch den Ukraine-Krieg wird derzeit in die Rüstungsindustrie investiert. Davon profitiert auch Waffenhersteller Heckler & Koch aus Oberndorf am Neckar.

Oberndorf am Neckar - Die Invasion Russlands in die Ukraine und der anhaltende Krieg in dem osteuropäischen Land haben fatale Folgen für die Bevölkerung und auch für die Wirtschaft in ganz Europa. Die deutsche Autoindustrie ist in Sorge um ihre Mitarbeiter. Während Autobauer wie Mercedes-Benz oder Porsche mit Lieferengpässen zu kämpfen haben, profitieren die Rüstungsunternehmen von dem Ukraine-Krieg. Heckler & Koch steigerte den Gewinn im vergangenen Jahr deutlich, der Krieg wird die Nachfrage nach Handfeuerwaffen des Unternehmens aus Baden-Württemberg noch weiter steigern.

Waffenhersteller wie Heckler & Koch haben seit jeher einen schweren Stand in Deutschland, da sie nach Ansicht von Kritikern durch ihre Produkte zu Konflikten mit Waffeneinsatz beitragen. Nach der verheerenden Flutkatastrophe im vergangenen Jahr wollte Heckler & Koch 15.000 Euro für Flutopfer spenden, eine Organisation lehnte aufgrund von „ethischen Bedenken“ ab. Jens Bodo Koch, der Chef des Rüstungskonzerns aus Oberndorf am Neckar (Kreis Rottweil), sieht die Waffen aber als Beitrag für die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, wie er im Interview mit der Zeit sagte.

Heckler & Koch verspricht sich keinen großen Gewinn von Sondervermögen der Bundeswehr

Durch den Ukraine-Krieg bereiten sich auch die Mitgliedsstaaten der Nato entsprechend vor und investieren in die Rüstungsindustrie. Der Bundeswehr soll nach Angaben der Zeit ein Sondervermögen über 100 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden. Nach einem Sturmgewehr-Debakel bei der Bundeswehr soll Heckler & Koch wieder liefern. Das Unternehmen beliefert die deutschen Streitkräfte traditionell mit dem Standardgewehr G36. Von dem Sondervermögen verspricht sich Heckler & Koch aber keinen großen Gewinn. „Das ist eine gigantisch klingende Zahl, aber die Adressaten sind andere: Da geht es um Hubschrauber, Panzer, Flugzeuge und Schiffe“, erklärte Jens Bodo Koch.

In den vergangenen Jahren haben die Anfragen von anderen Nato-Staaten laut dem Chef von Heckler & Koch erheblich zugenommen. „Mit unseren kleinen Aufträgen passen wir auch gut in den ganz normalen Verteidigungshaushalt“, so Jens Bodo Koch gegenüber der Zeit. „Wenn wir unseren freiheitlich-demokratischen Wertekanon verteidigen wollen, dann brauchen wir Soldaten und Polizisten.“ Um eben diesen Wertekanon zu sichern, brauche es eine Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. „Insofern sind wir systemrelevant“, sagte der Heckler & Koch-CEO.

Heckler & Koch-Chef: „In den richtigen Händen sind Waffen ein Beitrag zur Sicherheit“

Die inzwischen zu einem Krieg eskalierte Ukraine-Krise dauert bereits seit mehreren Jahren an. Heckler & Koch belieferte beispielsweise bereits Anrainerstaaten wie Litauen, Lettland oder Norwegen, erklärte Jens Bodo Koch. Durch die Eskalation zwischen Russland und der Ukraine könnte es zudem zu einer schnelleren Auftragsvergabe kommen. „Durch diesen Krieg gab es eine echte Zeitenwende in den vergangenen 14 Tagen hin in den Krisenmodus“, so der Heckler & Koch-Chef.

Der Abteilungsleiter Ausrüstung im Verteidigungsministerium habe bereits die Sicherheitsindustrie zusammengerufen und die Frage gestellt, wie man künftig enger zusammenstehen und die Bedarfe decken könne. „Wenn nun die Bundeswehr schneller beschaffen möchte, sind wir vorbereitet zu liefern“, so Jens Bodo Koch gegenüber der Zeit. Trotz eines Krieges mitten in Europa, hat der Heckler & Koch-Chef keine Bedenken, weiterhin Waffen zu verkaufen. „Wir rüsten Sicherheitskräfte in freiheitlichen Demokratien aus“, machte er deutlich. Als Chef des Rüstungsunternehmens könne er selbst entscheiden, an welche Kunden man sich richte. „In den richtigen Händen sind Waffen ein Beitrag zur Sicherheit.“

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