Revanche für Waffenlieferungen?

Cyberangriffe auf Rüstungsunternehmen: „Die Gefahr ist hoch“, sagt Heckler & Koch-Chef

Links: Logo und ein Gewehr von Heckler & Koch. Rechts: Ein Mann sitzt am Rechner und tippt auf einer Tastatur.
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Der Rüstungskonzern Heckler & Koch aus Oberndorf am Neckar ist laut dem Chef gut auf mögliche Cyberangriffe vorbereitet.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Weil Deutschland Waffen an die Ukraine geliefert hat, nimmt Russland auch deutsche Rüstungsunternehmen ins Visier. Heckler & Koch ist jedoch gut vorbereitet.

Stuttgart/Oberndorf - Nach dem unrechtmäßigen Einmarsch der russischen Streitkräfte in die Ukraine leistet die dortige Bevölkerung erbitterten Widerstand. Nach anfänglichem Zögern hat auch die Bundesregierung Waffenlieferungen an die Ukraine genehmigt. Das Putin-Regime plant aufgrund der Waffenlieferungen offenbar eine Revanche und nimmt auch deutsche Rüstungsunternehmen ins Visier, berichtete der Tagesspiegel Anfang März. Demnach bestätigten Sicherheitskreise, dass es Hinweise gebe, dass russische Hacker gezielt deutsche und westeuropäische Rüstungskonzerne angreife.

Der bedeutendste deutsche Hersteller von Handfeuer- und Infanteriewaffen ist das Unternehmen Heckler & Koch aus Oberndorf am Neckar (Kreis Rottweil). Der Rüstungskonzern steigerte den Gewinn im vergangenen Jahr deutlich, der Krieg wird die Nachfrage nach Handfeuerwaffen des Unternehmens aus Baden-Württemberg noch weiter steigern. Heckler & Koch profitiert demnach vom Ukraine-Krieg. Die Zahl der Cyberangriffe auf das Unternehmen sei in den letzten Jahren schon hoch gewesen, sagte Heckler & Koch-Chef Jens Bodo Koch im Interview mit der Zeit. Man sei aber gut darauf vorbereitet.

Heckler & Koch: Gefahr von Cyberangriffen ist sehr hoch - „wir sind aber gut geschützt“

In Bezug auf den Ukraine-Krieg geriet der Rüstungskonzern aus Baden-Württemberg vor einigen Tagen in die Kritik. Heckler & Koch versetzte Mitarbeiter mit russischem Hintergrund in andere Abteilungen. „Wir haben das aus Fürsorgepflicht gemacht“, erklärte Jens Bodo Koch. „Alle Diskriminierungsvorwürfe weise ich aufs Schärfste zurück, das würde ich hier nicht dulden.“ Demnach seien die Mitarbeiter aufgrund von Warnhinweisen der Sicherheitsdienste aus einer wichtigen, aber sensiblen Arbeit herausgenommen worden. „Es war eine sehr kurzfristige und temporäre Maßnahme unter vielen, um unser Unternehmen und unsere Mitarbeiter zu schützen“, so Koch gegenüber der Zeit.

Die Maßnahme hätte weder etwas mit den Mitarbeitern noch mit einer Angst vor Spionage zu tun, führt der Heckler & Koch-Chef weiter aus. Die Gefahr vor Cyberangriffen gebe es aber. „Die Gefahr ist hoch“, so Koch. „Wir sind aber gut geschützt.“ Solche Angriffe seien zudem auch kein Phänomen, das unmittelbar mit dem Ukraine-Krieg zusammenhänge. „Die Zahl der Angriffe war in den letzten Jahren schon hoch.“ Obwohl die IP-Adressen der Angreifer zu identifizieren seien, wollte Koch gegenüber der Zeit nicht bestätigen, dass es sich um Angriffe aus Russland handelte. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat Anfang März allerdings eine neue Welle an Cyberangriffen der Hackergruppe „Ghostwriter“ beobachtet, die mutmaßlich vom russischen Geheimdienst gesteuert wird.

„Unsere Waffen sollen Menschen und die Grundrechte schützen“, sagt der Heckler & Koch-Chef

Nach der Invasion Russlands in die Ukraine hatte die Bundesregierung zunächst gezögert, Waffen an die Verteidiger zu liefern. Inzwischen wurden Waffensysteme aus Restbeständen der Bundeswehr geliefert und einem Artikel des Spiegel zufolge sollen weitere Waffen in die Ukraine geliefert werden. Laut dem Heckler & Koch-Chef hätte man bestimmtes Material bereits früher ausliefern können. „Beispiele wären Schutzwesten, Helme, Nachtsicht- oder Minenräumgeräte“, sagte Jens Bodo Koch. „Aber die Frage ‚Was liefere ich?‘ braucht eine politische Abwägung.“

Der Waffenhersteller Heckler & Koch hat sich nach Angaben von Jens Bodo Koch bereits vor sechs Jahren die „Grüne-Länder-Strategie“ gegeben. „Wir liefern nur an EU-, Nato- und der Nato gleichgestellte Staaten“, erklärt er. Er verurteile jeglichen kriminellen Einsatz von Waffen. „Unsere Waffen sollen Menschen und die Grundrechte schützen, das ist meine Überzeugung von einem verantwortungsvollen Geschäft.“

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