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Gewerkschaft macht Druck bei Lieferando

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Ein Lieferando-Fahrer in Leipzig.

Es ist bequem und gehört in der Pandemie für immer mehr Menschen zum Alltag: sich Essen liefern zu lassen. Die, die es bringen, haben es auf ihren Rädern nicht so bequem.

Berlin - Im Kampf um höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen bei Essenslieferdiensten erhöht die zuständige Gewerkschaft den Druck.

Nach Stundenlohn-Erhöhungen beim Anbieter Lieferando dringt sie auf weitere Zugeständnisse für die Kuriere. Ziel ist es, das Bonus-System für Kuriere zu kippen und ein höheres Festgehalt zu verankern. Lieferando gewinne immer mehr Marktanteile, erklärte Christoph Schink, der Gastro-Experte der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten. „Der Boom darf aber nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden.“

Ihre Forderungen will die Gewerkschaft mit einer Protestkundgebung an diesem Freitag (12 Uhr) vor der Zentrale des Mutterkonzerns Just Eat Takeaway in Berlin unterstreichen. Verlangt werden etwa Zuschläge für Arbeit an Wochenenden und Feiertagen. Zum Protest angekündigt sind auch Berlins Arbeitssenatorin Katja Kipping (Linke) und die Bezirksleiterin des Deutschen Gewerkschaftsbundes für Berlin-Brandenburg, Katja Karger.

„Sichere Anstellung“

Ein Unternehmenssprecher betonte: „Lieferando-Fahrer verdienen durchschnittlich mehr als 13 Euro pro Stunde in einer sicheren Anstellung mit Urlaubsentgelt, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und einer umfassenden Versicherung.“ Die meisten erhielten daneben Boni. Fahrer in nachfragestarken Großstädten kämen auf bis zu 18 Euro pro Stunde im Monatsdurchschnitt. Dabei schreibe das Unternehmen mit der Auslieferung noch immer Verluste.

Die Gewerkschaft geht davon aus, dass viele Fahrer im günstigsten Fall nur 14 Euro erreichen könnten. Lieferando hatte den Grundlohn zu Jahresbeginn um einen Euro auf elf Euro je Stunde erhöht. Fahrern werden seitdem ein Dienst-Fahrrad und ein Dienst-Smartphone angeboten. Die Gewerkschaft will das Bonussystem kippen. Aus ihrer Sicht führt es zu gefährlicher Hetze, zudem seien Teilzeitkräfte benachteiligt.

Das Unternehmen weist dies die Kritik zurück. „Lohnerhöhungen und die fast 20-teilige Ausstattung erlauben einen sicheren Verdienst bei sicheren Fahrweisen“. Boni gebe es schon ab der 26. Lieferung im Monat. Ab durchschnittlich 11,6 Wochenstunden gebe es erhöhte Boni. Solche Zahlungen seien in der Branche üblich. dpa

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