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GFT-Gründer bezeichnet Deutschland als „Scheißegal-Nation“ und fordert Deckel für Gaspreise

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Von: Julian Baumann

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Ulrich Dietz, Gründer des IT-Unternehmens GFT und der aus dem Mercedes-Benz Innovationsbereich hervorgegangenen 1886 Ventures GmbH sitzt auf einem Sofa.
GFT- und 1886 Ventures-Gründer Ulrich Dietz will sich von den anhaltenden Schreckensnachrichten nicht verrückt machen lassen. © Mercedes-Benz AG - Global Communications

Aktuell erreicht die Bürger eine Schreckensnachricht nach der anderen. Laut dem GFT-Gründer ist Deutschland aber in vielen Bereichen zu sehr abgestumpft.

Stuttgart - Für Verbraucher und die Wirtschaft ist die aktuelle Zeit alles andere als einfach. Die extremen Benzinpreise haben sich inzwischen zwar wieder beruhigt, dafür fürchten sich die deutschen Bürger angesichts der stark gestiegenen Energiepreise vor dem nahenden Winter. Zudem macht sich auch die Inflation immer noch deutlich bemerkbar - beispielsweise bei den hohen Preisen für Lebensmittel und Rohstoffe. Laut dem Gründer des Stuttgarter IT-Unternehmens GFT sind die Deutschen angesichts der ständigen Schreckensnachrichten aber bereits abgestumpft und regen sich auch über andere Situationen nicht mehr auf, die eigentlich untragbar sind.

Der Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine am 24. Februar 2022 hat verheerende Folgen für die ganze Welt. Nach den Sanktionen des Westens gegen den Aggressor hat Russland die Gaslieferungen nach Deutschland nahezu vollständig gedrosselt. Das wirkt sich auch bereits auf die Wirtschaft aus. Mercedes will den Gasverbrauch deshalb um 50 Prozent drücken. „Deutschland befindet sich durch den Ukraine-Krieg und seine Folgen in einer mentalen Dauerdepression“, sagte GFT-Gründer und Verwaltungsratschef Ulrich Dietz im Gespräch mit dem Handelsblatt. Laut ihm gehen andere Nationen deutlich besser mit den derzeitigen Problemen um.

GFT-Gründer Ulrich Dietz lässt sich nicht verrückt machen - „müssen wieder positiv in die Zukunft blicken“

Seit 2020 befindet sich Deutschland im Krisenmodus. Auf die Corona-Pandemie, die ebenfalls fatale Folgen für die Wirtschaft hatte und vereinzelt noch immer hat, schloss sich nahezu nahtlos die Inflation durch den Ukraine-Krieg an. Ulrich Dietz sieht in dem Chaos aber auch Chancen. „Gerade deshalb ist es ja so wichtig, dass wir in Deutschland aus diesem permanenten Krisenmodus rauskommen“, sagte der Gründer von GFT, der bis 2017 auch CEO des Stuttgarter Unternehmens war, dem Handelsblatt. „Wir müssen wieder positiv in die Zukunft blicken.“ Die Gaskrise müsse zwar ernst genommen werden und gehe auch an GFT nicht vorbei, er lasse sich von den Schreckensnachrichten aber nicht verrückt machen, so Dietz.

Das im Jahr 1987 in Stuttgart gegründete IT-Unternehmen GFT Technologies ist in sechzehn Ländern vertreten. Deshalb hat Gründer Ulrich Dietz als Verwaltungsratsvorsitzender auch einen Überblick über die Auswirkungen der aktuellen Krise auf verschiedene Staaten. „Die Märkte in Asien-Pazifik oder den Amerikas sind viel optimistischer“, sagte er, und Israel würde beispielsweise oftmals als Start-up-Nation bezeichnet. „Im Vergleich dazu ist Deutschland eine ‚Scheißegal-Nation‘ geworden“, machte er deutlich.

Gaskrise „notfalls mit Gaspreisdeckelung durch den Staat“ in den Griff bekommen

Diesen doch drastischen Begriff für die Bundesrepublik erklärte Ulrich Dietz auf Handelsblatt-Nachfrage damit, dass viele Situationen, die eigentlich nicht tragbar sind, inzwischen ohne Widerstand akzeptiert werden. „Ob man im Flugzeug sitzt und zwei Stunden lang keine Informationen bekommt, warum man auf der Landebahn steht“, nannte er als Beispiel. „Ob Züge einfach ausfallen oder es auf den Straßen Dauerbaustellen gibt, an denen wochenlang nicht gearbeitet wird: Irgendwie funktioniert nichts mehr so richtig in diesem Land.“ Sogar der DB-Chef sagte kürzlich, die „Qualität und Zuverlässigkeit“ der Bahn sei nicht akzeptabel.

Eben eine solche Einstellung ist aber angesichts der drohenden Gaskrise fatal. Ulrich Dietz sagte deshalb, dass die Gaspreise notfalls auch durch eine Intervention in den Griff bekommen werden müssten. „Notfalls mit einer Gaspreisdeckelung durch den Staat“, so der GFT-Gründer, der auch Gründer der aus dem Mercedes-Benz Innovationsbereich hervorgegangenen 1886 Ventures GmbH ist. Das sei die einzige Möglichkeit, die in dieser Sondersituation vernünftig sei. „Denn ein Preisdeckel würde den meisten helfen, vor allem den Menschen mit geringen Einkommen und den mittelständischen Unternehmen.“

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