Auch Metzgereien betroffen

Supermarkt-Fleisch: Wissenschaftler finden Hepatitis-E-Virus – ein Produkt besonders betroffen

  • Ann-Kathrin Metzger
    vonAnn-Kathrin Metzger
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Wissenschaftler haben Schweinefleisch aus Supermärkten und Metzgereien in Deutschland getestet. Mehr als zehn Prozent aller Testprodukte sind mit Hepatitis-E-Viren verunreinigt.

Forscher aus Tübingen haben in mehreren frei verkäuflichen Fleisch-Produkten Hepatitis-E-Viren nachgewiesen. Hepatitis-E ist eine virale, infektiöse Krankheit. Die Viren werden beispielsweise durch verunreinigtes Wasser oder durch rohes Fleisch übertragen. Eine Hepatitis-E-Infektion verläuft bei gesunden Menschen häufig harmlos, für Risikogruppen mit geschwächtem Immunsystem kann sie aber lebensbedrohlich sein. Das berichtet HEIDELBERG24*.

NameUniversitätsklinikum Tübingen
Befindet sich inEberhard Karls Universität Tübingen
MitarbeitetÜber 9.000 Voll- und Teilzeitbeschäftigte
Betten1577

Supermarkt-Fleisch: Hepatitis-E-Viren in Produkten gefunden – auch Metzgereien betroffen

Die Wissenschaftler des Instituts für Tropenmedizin am Universitätsklinikum Tübingen haben Produkte aus Supermärkten und Metzgereien in Tübingen, Reutlingen, Stuttgart und Dortmund untersucht. Sie haben für ihre Studie insgesamt 130 Proben entnommen. Darunter 41 Proben von Schweinelebern, 40 von streichfähigen Leberwürsten, 40 von Leberpasteten und zehn von Rohwürsten ohne Leber wie Mettwurst.

Die auf Hepatitis-E-Viren (HEV) getesteten Proben stammen überwiegend aus Deutschland, einige aus Polen, Österreich, Belgien und den Niederlanden. Die Studie zeigt, dass mehr als zehn Prozent aller getesteten Proben mit Hepatitis-E-Viren belastet sind, das geht aus einer Pressemeldung des Instituts für Tropenmedizin Tübingen hervor. Regionale Unterschiede konnten dabei nicht festgestellt werden.

Supermärkte und Metzgereien: Hepatitis-E-Viren – Leberwurst ist besonders betroffen

Die Untersuchung habe auch gezeigt, dass verarbeitete Schweinefleischprodukte wie Leberwurst deutlich stärker betroffen seien als Schweineleber, teilte das Instituts für Tropenmedizin mit. Bei den Leberproben haben die Wissenschaftler bei 5 Prozent der Proben den Erreger feststellen können, bei den Leberwürsten waren es überdurchschnittliche 13 Prozent.

Der hohe Anteil an Hepatitis-E-Viren bei Leberwurst liege wahrscheinlich daran, dass bei Leberwurst-Erzeugnissen mehrere Lebern verarbeitet würden und die Wahrscheinlichkeit dementsprechend höher sei, dass eine davon den Erreger enthalte. Das erklärt Forscherin Sonja Schembecker laut mdr.

Fleisch aus Supermarkt und Metzgerei: Hepatitis-E-Viren – wie gefährlich sind die Erreger?

In Deutschland werden die Hepatitis-E-Viren hauptsächlich über rohes Fleisch und verunreinigtes Wasser übertragen. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) nimmt die Krankheit einen häufig milden Verlauf mit Symptomen wie Dunkel­färbung des Urins, Ent­färbung des Stuhls, Fieber, Ober­bauch­be­schwerden, Müdigkeit und Verlust des Appetits. Bei Risikopatienten kann das Hepatitis-E-Virus jedoch Leberversagen bis hin zum Tode auslösen. Besonders Schwangere und Personen mit geschwächtem Immunsystem seien laut RKI gefährdet.

In Entwicklungsländern infizieren sich jährlich rund 20 Millionen Menschen mit dem Hepatitis-E-Virus. Etwa 70.000 sterben an den Folgen. In den vergangenen Jahren ist auch die Zahl in Deutschland deutlich gestiegen: Im Jahr 2011 sind nach Angaben des Instituts für Tropenmedizin 238 Fälle gemeldet worden, 2019 bereits über 3.700. Im August 2020 hatten sich für das laufende Jahr bereits 2.280 Menschen mit dem Hepatitis-E-Virus infiziert.

Hepatitis-E-Viren in Fleisch: Wie können sich Verbraucher schützen?

An der Untersuchung von Schweinefleisch auf Hepatitis-E-Viren waren außer dem Universitätsklinikum Tübingen auch das Robert Koch-Institut (RKI), das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) beteiligt. Wie infektiös die Viren in den Schweinefleischprodukten sind, haben die Wissenschaftler nicht untersucht. Verbrauchern, die Angst haben sich zu infizieren, wird geraten, das Schweinefleisch vollständig zu erhitzen.

Das RKI empfiehlt zum Infektionsschutz in Deutschland, Produkte von Schwein und Wild (z.B. Wildschwein, Reh und Hirsch), insbesondere Innereien, nur durchgegart zu verzehren. Das Durchgaren beziehungsweise das Erhitzen auf 71 Grad oder mehr über mindestens 20 Minuten inaktiviere das Virus. Ein Impfstoff gegen Hepatitis-E ist in China zugelassen und verfügbar, steht in Europa aber nicht zur Verfügung. Vor einer Zulassung müssen erst noch ausreichend Tests gemacht werden. (akm) *HEIDELBERG24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Oliver Berg/dpa

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