Hitzige Twitter-Debatte

Ende einer Würth-Tradition: Erotische Kalender werden eingestellt

Würth Kalender Rückseite 2022
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2022 ist der letzte Würth-Kalender erschienen. Es soll kein weiterer mehr produziert werden.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Aufreizende Fotos im Kalender von Würth waren über 30 Jahre ein Blickfang in vielen Werkstätten. Nun wird das Traditionsprodukt eingestampft. Auf Twitter sorgt das für Diskussionen.

Künzelsau - Leicht bekleidet und in aufreizenden Posen räkeln sich die Models vor der Kamera. Kalender mit solchen Bildern gehören in vielen Werkstätten und Betrieben zur Einrichtung, wie bei anderen der Kaffeetisch. Über 30 Jahre lang produzierte auch der Weltmarktführer in Montage- und Befestigungstechnik, die Würth-Gruppe, solche Kalender und verteilte sie kostenlos an Firmen. 2022 erschien allerdings die letzte Auflage, sowohl der Frauen- als auch der Männerausgabe.

Das Unternehmen aus Baden-Württemberg stampft die Kalender ein. Kritik an den Fotos mit erotischen Models gab es schon lange. Vor allem die Ausgabe mit leicht bekleideten Frauen geriet des Öfteren ins Kreuzfeuer. Auf Twitter reagiert die Community dennoch gespalten auf das Kalender-Aus.

Erotik-Kalender von Würth schockt ARD-Journalistin Natalie Amiri: „Dachte, sind Relikte aus den 80‘s“

Gegenüber bild.de begründete Alexandra Schneid, Sprecherin bei Würth, das Ende der Kalender so: „Die klassische Rollenverteilung hebt sich auf. Berufsbilder werden immer weniger nach klassischen Rollenmodellen besetzt. Das unterstützen auch wir“, sagte sie der Zeitung. Chancengleichheit von Menschen, unabhängig von sexueller Identität, Hautfarbe, ethnischer Herkunft, Behinderung, Alter oder Religion, seien Würth sehr wichtig. „Dies ist auch verbunden mit der konsequenten Entscheidung, den Model-Kalender nicht mehr zu produzieren.“ Ein Schritt, den sicher auch Würth-Chef Reinhold Würth unterstützt. Der Milliardär predigt schon lange Bodenständigkeit, meinte in einem Interview: „Arroganz ist die ekelhafteste Eigenschaft, die ein Unternehmer haben kann.“

Die Entscheidung, den Kalender einzustellen, fiel bei Würth schon 2021 und dennoch ist die Debatte aktueller denn je. Auslöser ist ein Post im Netz: Die ARD-Journalistin Natalie Amiri hatte mit einem Tweet zum Würth-Kalender eine hitzige Diskussion ausgelöst. Bei einem Besuch in einer Firma entdeckte sie den Kalender, schoss Fotos davon und teilte diese auf ihrem privaten Account. Sie schrieb empört dazu: „What the f…... Gerade in einer Firma hängen gesehen. Dachte, sind Relikte aus den 80‘s. Aber die sind ernsthaft von 2021 und 2022! Dass sowas noch von Firmen verschickt wird…“

Völlig in Ordnung oder sexistisch? Hitzige Debatte über Würth-Kalender

Damit scheint die Journalistin einen wunden Punkt getroffen zu haben. Denn sowohl Gegner als auch Befürworter liefern sich einen hitzigen Austausch unter dem Tweet. „Hieran erkennt man, Frauen werden noch immer zu Sexobjekten degradiert und in diese Rolle gepresst, mithin benachteiligt dadurch“, regt sich eine Nutzerin auf. „Es geht nicht um die abgelichteten Menschen. Es geht darum, dass Firmen diese Darstellungen für Werbezwecke verwenden“, kommentiert ein weiterer User.

Die Gegenseite versteht die Aufregung über die Bilder nicht. „Die sind doch nicht mal nackt“, kommentiert ein User. „Ist es ein Problem, dass die Frauen hübsch sind?“, will er weiter wissen. „Nichts, worüber man sich aufregen könnte“, meint auch ein anderer. Oder: „Das „progressiv“-konservative Prüderie-Hufeisen kickt wieder hart.“

Andere weisen darauf hin, dass solch eine Selbstdarstellung in den Sozialen Medien für viele als normal gilt. „Instagram ist heute voll mit Millionen von Frauen, die für Likes und etwas Öffentlichkeit ihre Körper zur Schau stellen und damit kommerziell unterwegs sind. Warum darf dann eine Firma keinen Kalender verschicken?“, will er von Alexandra Schneid wissen.

Mittlerweile wurde der Tweet der Journalistin knapp 2.865 Mal kommentiert, über 380 Mal geteilt und hat rund 1.400 Likes (Stand: 6. Juli 2022). Stündlich kommen neue Reaktionen dazu. Auch wenn das Aus des Würth-Kalenders bereits besiegelt ist – die Kalender-Sexismus-Debatte scheint noch lange nicht am Ende zu sein.

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