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Erdogan grätscht Volkswagen ab: So rächt sich der Türkei-Präsident für eine Plan-Änderung der Wolfsburger

Recep Tayyip Erdogan: Der türkische Präsident ist von VW enttäuscht - und holt jetzt zum Gegenschlag aus.
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Recep Tayyip Erdogan: Der türkische Präsident ist von VW enttäuscht - und holt jetzt zum Gegenschlag aus.
  • Philipp Fischer
    vonPhilipp Fischer
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Volkswagen ist von seinen Bauplänen für ein neues Fertigungswerk in der Türkei zurückgetreten. Nun scheint es die ersten Reaktionen von Erdogan auf diese Entscheidung zu geben.

  • Volkswagen* hatte geplant, ein Fertigungswerk an der Westküste der Türkei in Manisa zu bauen.
  • Das Werk sollte vor allem die VW-Modelle Passat und Superb produzieren und war für eine Jahreskapazität von 300.000 Einheiten ausgelegt.
  • Doch dann haben es sich die Wolfsburger anders überlegt.
  • Der machtbewusste türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will das nicht hinnehmen und holt jetzt zum Gegenschlag aus.

Ankara - Zwischen Volkswagen und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan* scheint es dicke Luft zu geben. Bereits vergangenen Juli hatte der Autohersteller angekündigt, den geplanten Bau eines neuen Fertigungswerks im türkischen Manisa aufgrund der aggressiven Außenpolitik Erdogans einzustellen. Wie die regierungskritische Zeitung Sözcü erfahren haben will, plant Erdogan jetzt einen Vergeltungsschlag. Dem Bericht zufolge will der türkische Präsident zukünftig auf VW-Dienstwagen verzichten.

VW-Werk in Türkei: Ist der Baustopp Anlass für Erdogans VW-Dienstagwagen-Boykott?

Der Bau des VW-Werks in Manisa war schon seit Längerem umstritten. Bereits im Oktober 2019 wurden die Pläne für die Fertigstellung des VW-Werks aufgrund der expansiven Außenpolitik von Erdogan* verschoben. Damals kündigte die Türkei* eine Militäroffensive in Syrien an, um den Einfluss der kurdischen Milizen (YPG) in Nordsyrien einzudämmen. Wenige Monate später, im Juli 2020, teilte der Autohersteller mit, dass der geplante Bau abgesagt sei. VW begründete den Baustopp mit der geringen Nachfrage aufgrund der Corona*-Pandemie. „Der Aufbau zusätzlicher Kapazitäten ist aus heutiger Sicht nicht notwendig“, hieß es in einem Statement des Konzerns.

Die türkische Regierung vermutete jedoch, dass der Baustopp politisch motiviert sei. Im Januar erklärte Industrie- und Technologie Minister, Mustafa Varank, auf einer Pressekonferenz. „Wir wussten, dass es einige Leute gab, die [diese Investition in der Türkei] politisch nicht wollten“, erklärte Varank. „Wenn ein Unternehmen an der Börse ist, dann ist es ein Betrug am Investor, wenn Entscheidungen aufgrund politischen Drucks getroffen werden.“ Berichten zufolge sollen neben den wirtschaftlichen Aspekten auch politische Bedenken von Belegschaftsvertreten im VW-Aufsichtsrat eine Rolle gespielt haben.

VW Baustopp in Türkei: Erdogan mustert VW-Dienstwagen aus

Die Entscheidung von Volkswagen dürfte Erdogan empfindlich getroffen haben. Bereits seit mehreren Monaten schwächelt die türkische Wirtschaft. Zwar konnte Erdogan vergangenen Herbst den seit zwei Jahren anhaltenden Währungsverfall der türkischen Lira mit einer Zinserhöhung bremsen, doch Finanzexperten sehen darin nur eine temporäre Trendwende. Die VW-Investition wäre deswegen ein gelungener Coup für das wirtschaftlich gebeutelte Land gewesen.

Der 1,4 Milliarden Euro teure Bau sollte bis 2022 fertiggestellt werden und eine jährliche Fertigungskapazität von 300.000 Einheiten haben. Mit dem Werk sollten circa 4000 Arbeitsplätze in Manisa in der Westtürkei entstehen. Für den Bau wurde bereits eine türkische Tochtergesellschaft von VW mit einem Kapital von 164 Millionen Dollar gegründet.

Erdogan dürfte die Entscheidung von Volkswagen direkt getroffen haben. Berichten der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge war der türkische Präsident höchstpersönlich an den Verhandlungen mit VW beteiligt. So soll er etwa im Oktober 2019 die Führungsriege der AKP* angewiesen haben, auf den VW Passat umzusteigen.

Viele Beobachter sehen deswegen Erdogans Pläne, zukünftig Volkswagen und Audi* aus seinem Regierungsfuhrpark zu streichen als eine Reaktion auf den Baustopp. Noch ist nicht bekannt, wie viele VW-Dienstwagen der türkische Staat ausmustern will. Den Recherchen der türkischen Zeitung Sözcü zufolge ist jedoch bekannt, dass türkische Regierungsinstitution im Jahr 2018 115.000 Autos benutzt haben. Dem Bericht zufolge soll die Regierung bis zu 537 Millionen Lira, umgerechnet 94 Millionen Dollar, für die Miete von Dienstwagen ausgegeben haben. (phf) Merkur.de ist Teil zum Ippen Digital Netzwerk.

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