Böhmermann-Recherche

„Naive Person“: Wolfgang Grupp kontert Fynn Kliemann im Masken-Skandal

Trigema-Chef Wolfgang Grupp und Fynn Kliemann (Montage).
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Trigema-Chef Wolfgang Grupp (links) lässt sich von Fynn Kliemann nicht provozieren.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Obwohl er selbst profitorientierte Geschäfte machte, stichelte Sänger und Unternehmer Fynn Kliemann 2020 gegen Trigema. Damals warf er der Textilfirma von Wolfgang Grupp Habgier vor. Jetzt schießt Grupp zurück.

Burladingen - Fynn Kliemann fühlte sich offenbar vollkommen sicher, als er vor zwei Jahren, als die Pandemie ihren Lauf nahm, ins Masken-Geschäft einstieg. Überall, wo er konnte, predigte er von fairer Produktion in Europa, erhielt sogar einen Nachhaltigkeitspreis. Das Narrativ ganz klar: Er, der Tausendsassa, ist nicht nur Webdesigner, Musiker, Autor, Schauspieler und Youtuber, sondern auch noch ein Unternehmer, der das Herz am rechten Fleck hat. Staunend verfolgten seine mehr als 800.000 Follower auf Instagram, wie der vielseitig begabte Kliemann die Welt auch während der Corona-Pandemie ein Stückchen besser zu machen versuchte.

Fynn Kliemann verhöhnte Masken-Produktion von Trigema: „Wir kriegen das deutlich günstiger hin“

In der Folge des ZDF Magazin Royale (6. Mai) von Jan Böhmermann lernten Kliemann-Fans plötzlich eine ganz andere Seite ihres Idols kennen. Fein aufgedröselt, zeigte Böhmermann eine Chronologie auf, wie Kliemann die Masken mit seinem Partner „Global Tactics“ ganz bewusst nicht in Europa produzierte - sondern es nur nach außen hin so darstellte. Wie die Recherche des ZDF Magazin Royale herausfand, produzierten Kliemann und Partner nicht etwa in Portugal und Serbien, wie sie behaupteten, sondern in Bangladesch und im Vietnam. Die Herkunft ihrer Ware vertuschten sie säuberlich. Als in der Produktion etwas schiefging und sie 100.000 beschädigte Masken erhielten, spendeten sie diese kurzerhand an Flüchtlinge.

Absurd sind nicht nur die privaten Nachrichten von Kliemann und seinen Mitarbeitern, die im Zuge der Recherche des ZDF Magazin Royale zutage traten. Auch Aussagen von Kliemann aus dem Jahr 2020 über den Textilhersteller Trigema wirken angesichts der neuen Erkenntnisse umso selbstgerechter und unverschämter. Das Unternehmen hatte während der Corona-Pandemie ebenfalls auf die Produktion von Masken umgestellt. Kliemann brüstete sich damals damit, billiger als Trigema und „trotzdem fair“ zu produzieren.

Gegenüber Focus sagte Kliemann: „Ich habe ja nichts gegen Trigema. Die Firma scheint ja eine super Wertschöpfungskette zu haben. Ich finde nur einfach, man sollte sich an einer solchen Krise nicht bereichern.“ Er schon hinterher: „Klar kann man die Produktion in Deutschland als Argument dafür anführen, aber wir produzieren auch in Europa zu fairen Löhnen.“ Selbstgerecht verhöhnte er Trigema damals regelrecht und behauptete: „Wir kriegen das auf jeden Fall deutlich günstiger hin.“

Fynn Kliemann: Netz spottet über Tweet von 2020 - „wie dreist kann ein Mensch sein?“

Auch auf Twitter hatte Kliemann damals gegen Trigema ausgeteilt, wie ein Tweet von 2020 zeigt. Darin stellt er sich und sein Team als „n Haufen Wilder“ dar, von denen „Umsatz irgendwer keiner so richtig im Blick hat“. Trigema hingegen wird in seinem Beitrag als das rein Profit-orientierte Unternehmen dargestellt. Heute kann das Netz darüber nur müde lachen:

In den sozialen Medien zeigt sich, dass Kliemanns selbstgerechtes Verhalten kaum jemanden kalt lässt. Der Hashtag #Fynnkliemann trendete regelmäßig auf Twitter - zahlreiche Menschen äußern ihr Entsetzen, viele Fans wenden sich ab. Auch sein Seitenhieb gegen Trigema blieb vielen nicht verborgen. „Wie dreist kann ein Mensch sein?“, ärgert sich eine Twitter-Nutzerin. „Sich so asozial über Trigema zu äußern, die schon immer fair und öko produzieren, aber trotzdem nicht verschleiern, dass sie Gewinn machen.“ Kliemanns Vorgehen sei „Greenwashing in Reinform“. Ein anderer schreibt: „Wenn der Trigema-Chef Herr Grupp nicht andere Sorgen hätte, würde ihm das jetzt hier runtergehen wie Öl.“

Wolfgang Grupp stichelt gegen Fynn Kliemann: „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen“

Inzwischen hat sich Trigema-Chef Wolfgang Grupp zur Causa Fynn Kliemann geäußert. Wie er gegenüber dem Schwarzwälder Bote erklärte, wolle er dem 34-jährigen Influencer nicht zu viel Beachtung schenken. „Es wundert mich, dass wir über eine solch naive, um Aufmerksamkeit heischende Person überhaupt sprechen oder berichten. Es bewahrheitet sich hier wieder der Satz: ‚Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.‘“

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