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EnBW regelt Temperatur in Büros runter, will Mitarbeiter aber „nicht ins Homeoffice zwingen“

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Von: Julian Baumann

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Außenaufnahme der Konzernzentrale der EnBW in Karlsruhe.
Der Energieversorger EnBW will im Winter 2022 den eigenen Energieverbrauch um zirka 20 Prozent senken. © imago stock&people

Auch die Energiekonzerne müssen in der aktuellen Krise Energie sparen. Die EnBW hat umfangreiche Maßnahmen eingeleitet, will die Mitarbeiter aber nicht ins Homeoffice zwingen.

Stuttgart/Karlsruhe - In der Energiekrise sind nicht nur die Privathaushalte, sondern auch die Unternehmen zum Sparen aufgerufen worden. Autohersteller Mercedes-Benz will den Gasverbrauch beispielsweise um 50 Prozent drücken. Die großen Energiekonzerne werden in der aktuellen Krise zwar oftmals als Buhmänner dargestellt, da sie gezwungen sind, Strom- und Gaspreise ihrer Kunden immer weiter zu erhöhen. Als Unternehmen müssen aber auch EnBW, Uniper und Co. in ihren Büroräumen und Standorten Energie sparen und sich bestmöglich auf den Winter vorbereiten.

Der größte Energieversorger im Südwesten, die EnBW mit Hauptsitz in Karlsruhe, hat als Reaktion auf die gedrosselten Gaslieferungen aus Russland die Flüssiggas-Käufe aus den USA um 0,5 Tonnen pro Jahr aufgestockt. Als Unternehmen mit über 26.000 Mitarbeitern folgt die EnBW aber auch dem Aufruf der Landes- und Bundesregierung, vor allem in Bezug auf den nahenden Winter, gezielt Energie zu sparen. Die Raumtemperatur in Büros und Meetingräumen habe man bereits auf 19 Grad abgesenkt, teilte die EnBW auf Anfrage von BW24 mit. Eine generelle Homeoffice-Pflicht will man von den Mitarbeitern aber nicht verlangen, da die Privathaushalte schließlich ebenfalls Energie sparen sollten.

EnBW will im Winter 2022 rund 20 Prozent an Energie einsparen

Da vor allem die Strom- und Gaspreise in den vergangenen Monaten extrem angestiegen sind, zielen die Sparmaßnahmen hauptsächlich auf diese beiden Energiearten ab. Die Händler in Stuttgart mussten bereits die Beleuchtung ausschalten, weitere Maßnahmen könnten folgen. Die EnBW teilte auf Anfrage mit, man habe bereits vor einigen Wochen eine Arbeitsgruppe gegründet, um entsprechende Vorschläge zum Energiesparen in den Gebäuden des Unternehmens zu machen. „So sind etwa die Durchlauferhitzer an Handwaschbecken außer Betrieb genommen“, erklärte Konzernsprecher Christof Hafkemeyer gegenüber BW24. „Und die Logobeleuchtungen an und in den EnBW-Gebäuden sind ebenso abgeschaltet wie nicht sicherheitsrelevante oder arbeitsnotwendige Beleuchtungen.“

Die Personalvorständin der EnBW, Colette Rücker-Hennen, habe gemeinsam mit dem Betriebsrat Anfang Oktober festgelegt, dass der Konzern im Winter 2022 zirka 20 Prozent Energie einsparen wolle. „Ein wesentlicher Baustein ist die Absenkung der Raumtemperatur in den Büros und Meetingräumen auf 19 Grad“, führte Hafkemeyer aus. In der anstehenden Heizperiode gehe es aber in erster Linie um das Einsparen von Energie, vor allem Erdgas, um möglichen Mangelsituationen entgegenzuwirken und Speichermengen zu schonen. „Dass dabei auch Kosten vermieden werden, ist ein sinnvoller Nebeneffekt.“

Wirtschaftsexperten sehen zwar ein großes „Energiesparpotenzial“, wenn mehr Menschen im Homeoffice arbeiten, dieses Ersparnis kommt dann aber in erster Linie nur den Unternehmen zugute. Die EnBW hat aufgrund der Corona-Pandemie viel Erfahrung mit Homeoffice in den Verwaltungsbereichen sammeln können. „Wir wollen die Mitarbeitenden mit einer Absenkung der Temperatur in unseren Gebäuden aber nicht ins Homeoffice zwingen – auch in Privathaushalten soll ja Energie gespart werden“, machte Christof Hafkemeyer deutlich. „Sondern setzen die Maßnahmen mit Augenmaß und gezielt ein, um zwar Energie zu sparen, aber eine weiter vertretbare Arbeitsumgebung zu bieten.“

EnBW, Uniper, Eon: Energiekonzerne treffen Vorbereitungen für den Winter

Neben der Absenkung der Raumtemperaturen prüft die EnBW aber auch, welche Auswirkungen es hat, wenn die Temperaturen ganzer Gebäudeteile von Bereichen, die im Homeoffice arbeiten können, noch deutlich stärker heruntergefahren werden können. „Oder wenn über verlängerte Wochenenden (Beispiel: 29.10. bis 2.11.) ganze Gebäude im Absenkmodus betrieben werden.“ Neben der EnBW wollen auch die beiden anderen großen deutschen Energieversorger, Uniper und Eon, im nahenden Winter Energie sparen.

Uniper werde rund die Hälfte seiner Büroflächen in der Düsseldorfer Konzernzentrale ab Anfang November „in den Winterschlaf schicken“, sagte ein Unternehmenssprecher am Montag laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Diese Räume sollen dann nicht mehr genutzt und nur noch auf 14 Grad geheizt werden. Auch Eon will komplette Gebäudeteile für die gesamte Heizperiode bis Mitte April herunterfahren. Die Räume sollen dann nur noch so beheizt werden, dass die Gebäude und die Infrastruktur keinen Schaden nehmen. Eon will wie die EnBW den Energieverbrauch um 20 Prozent senken und dafür wie der Konzern aus Karlsruhe alle nicht unbedingt notwendigen Lichtquellen wie Logos und Außenbeleuchtungen reduzieren oder vollständig abschalten.

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