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Bosch, ZF, Mahle: So rüsten sich die schwäbischen Autozulieferer für das E-Auto-Zeitalter

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Von: Julian Baumann

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Eine Mitarbeiterin der ZF Friedrichshafen bei der Montage von Differential- und Zwischenwellen am Produktionsstandort Schweinfurt.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen will 2030 mehr Umsatz mit Komponenten für die E-Mobilität erwirtschaften als mit klassischen Antriebssystemen. © Karl-Josef Hildenbrand/ZF Friedrichshafen

Die Transformation zur E-Mobilität findet nicht nur bei den Autoherstellern statt. Auch die Zulieferer rüsten sich für das E-Auto-Zeitalter.

Stuttgart/Friedrichshafen - Mit dem EU-Beschluss, ab 2035 nur noch klimafreundliche Neuwagen zu erlauben, wird die Transformation zur E-Mobilität wohl noch weiter beschleunigt. Autohersteller Mercedes-Benz will ab 2030 nur noch batteriebetriebene Modelle herstellen und VW strebt an, den Branchenprimus Tesla noch in diesem Jahr zu überholen. Neben den Herstellern sind allerdings auch die Autozulieferer von der Transformation zur E-Mobilität betroffen und müssen ihre Prozesse entsprechend umstellen.

Von den fünf größten Autozulieferern Deutschlands haben gleich drei ihren Hauptsitz in Baden-Württemberg. Vor allem für traditionsreiche Unternehmen, die Jahrzehnte lang entweder Verbrenner-Modelle oder Komponenten für diese produziert haben, ist die Umstellung auf E-Autos eine große Aufgabe. Bosch und die ZF Friedrichshafen sind zwar gut auf den Wandel vorbereitet und auch Mahle hat bereits Elektromotoren im Portfolio, die Transformation verläuft aber auch bei den großen Unternehmen nicht ohne Hürden.

Bosch: Größter Autozulieferer der Welt will neben der E-Mobilität auch auf Wasserstoff setzen

Der weltweit größte Autozulieferer, Bosch aus Stuttgart, hat laut eigenen Angaben bereits mehr als fünf Milliarden Euro in die Transformation zur E-Mobilität investiert. Die zuvor Gasoline Systems und Diesel Systems genannten Geschäftsbereiche heißen seit 2018 Powertrain Solutions und setzen auf elektrische Antriebsstränge. Wie die WirtschaftsWoche berichtet, hängen bei Bosch aktuell aber noch immer rund 80.000 von insgesamt 200.000 Arbeitsplätzen am Verbrenner. Bosch-Chef Stefan Hartung sagte: „Autos mit Verbrenner wird es weiter geben“, und sprach sich deshalb für die Klausel im EU-Entscheid aus, Verbrenner, die mit synthetischen Kraftstoffen angetrieben werden, weiter zu erlauben.

Insgesamt ist Bosch für die Transformation zur klimaneutralen Wirtschaft gut aufgestellt und setzt auch in anderen Bereichen auf die Elektrifizierung. Im Zuge des Wandels im Mobilitätssektor verlagern die Stuttgarter aber auch Teile der Fertigung. So verkaufte Bosch das Werk in Göttingen nach China und machte wenig später auch das Werk in München dicht. Im vergangenen Jahr hat der Autozulieferer zwar eine Milliarde Euro Umsatz mit der E-Mobilität erwirtschaftet, will sich aber auch Alternativen offenhalten. Bosch investierte kürzlich eine hohe Summe in grünen Wasserstoff, um unabhängiger von der Autoindustrie zu werden.

ZF Friedrichshafen erwartet, dass klassische Getriebe in Zukunft ganz aussterben

Nach Bosch und Continental aus Hannover ist die ZF Friedrichshafen der drittgrößte Autozulieferer Deutschlands. Das Unternehmen aus der Kreisstadt des Bodenseekreises arbeitet seit einiger Zeit an der Transformation zur E-Mobilität und auch an autonom fahrenden Shuttlebussen. Die ZF Friedrichshafen startete bei der E-Mobilität den großen Angriff auf Bosch und ist im Bereich der Nutzfahrzeuge sogar am Technologiekonzern vorbeigezogen. Doch auch im Bereich des Automobilbaus ist bei der „Zahnradfabrik“ einiges im Wandel. Bislang werden Zahnräder beim Bau von E-Autos noch benötigt, erklärte ZF-Chef Wolf-Henning Schneider Anfang Juni. Auf lange Sicht könnten klassische Getriebe aber ganz aussterben. „Das neue Zahnrad ist der Chip und die Software“, so Schneider.

Der Stiftungskonzern vom Bodensee hatte im vergangenen Jahr rund 3,1 Milliarden Euro in den Umbau investiert, der neben der E-Mobilität auch Software und das autonome Fahren umschließt. Das angekündigte Ende der Plug-in-Hybride macht der ZF Friedrichshafen allerdings zu schaffen. Der WirtschaftsWoche zufolge hängen die 9.000 Arbeitsplätze des größten ZF-Getriebewerkes im Saarland derzeit noch an der Getriebeproduktion für Hybrid-Modelle. In Zukunft sollen dort aber Elektrokomponenten gefertigt werden. Die ZF Friedrichshafen strebt an, im Jahr 2030 mehr Umsatz mit Komponenten für die E-Mobilität zu erwirtschaften als mit klassischen Antriebstechnologien. Dafür will das Unternehmen insgesamt aber bis 2025 rund 15.000 Stellen abbauen.

Mahle will Sprung ins E-Auto-Zeitalter vor allem mit Kühlsystemen schaffen

Der Autozulieferer Mahle, der seinen Sitz wie Bosch ebenfalls in Stuttgart hat, ist von dem Wandel zur E-Mobilität besonders betroffen. Zu den Produkten des Unternehmens gehören traditionell vor allem Komponenten wie Kolben, Zylinder und Ventilsteuerungen für Verbrennungsmotoren. Mahle steckt seit einiger Zeit auch deshalb in einer Krise und schreibt rote Zahlen. Innerhalb von vier Jahren gab es bei dem Stuttgarter Unternehmen drei Wechsel an der Spitze. Der letzte Vorstandsvorsitzende, Matthias Arleth, nahm nach vier Monaten im Amt seinen Hut. Grund dafür war laut Unternehmensangabe Uneinigkeit in Bezug auf die künftige strategische Ausrichtung.

Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen, im Vordergrund steht eine Skulptur, die eine Kurbelwelle und Kolben eines Motors darstellt.
Autozulieferer Mahle will sich aus der Krise befreien und zum Vollsortimentsanbieter für die E-Mobilität werden. © Marijan Murat/dpa

Laut der WirtschaftsWoche will Mahle den Sprung ins Zeitalter der E-Mobilität vor allem mit Kühlsystemen schaffen und investiert nach eigenen Angaben bereits 60 Prozent des Umsatzes in Technologien außerhalb der Verbrenner-Produktion. Erst vor wenigen Tagen stellte Mahle zudem einen E-Motor mit Spitzenleistung vor und kündigte an, für das Ende der Verbrenner-Produktion 2035 gerüstet zu sein.

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