Verkehrsunternehmen in der Krise

Hoher Dieselpreis bringt Busunternehmen an seine Grenze - „gleiche Einnahmen, höhere Kosten“

Ein Bus des Unternehmens Spillmann steht am Stuttgarter Hauptbahnhof.
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Aufgrund des derzeitigen Dieselpreises steigen beim Busunternehmen Spillmann die Ausgaben, die Einnahmen bleiben gleich.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Die Benzin- und Dieselpreise steigen auf ein Allzeithoch. Das Busunternehmen Spillmann aus Bietigheim-Bissingen gerät zunehmend an seine Grenze.

Bietigheim-Bissingen - Die Stadtbahnen des Verkehrsverbundes Stuttgart (VVS) fahren bereits seit langer Zeit vollelektrisch. Viele angeschlossene Busunternehmen setzen allerdings noch immer auf Dieselmodelle, die aktuell immer mehr zum Problem werden. Die Benzin- und Dieselpreise liegen mit über 2 Euro pro Liter derzeit auf einem Allzeithoch und steigen immer weiter. Das führt bei den Verkehrsunternehmen in der Region Stuttgart zu erheblichen Mehrkosten, die stellenweise nicht gedeckt werden können.

Das Busunternehmen Spillmann aus Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg) gerät durch die extrem gestiegenen Dieselpreise immer mehr an seine Grenzen. Wenn die Kosten für einen Anbieter steigen, schlägt sich das normalerweise auf die Kosten für den Kunden aus. Das Unternehmen aus Baden-Württemberg kann seine Preise aber nicht erhöhen, da es an die Tarifverträge der VVS gebunden ist, berichtet die Bietigheimer Zeitung.

Busunternehmen Spillmann aus Bietigheim-Bissingen leidet unter Rekordhoch beim Dieselpreis

Das Busunternehmen Spillmann hat mit mehreren speziell gefertigten Citaro-Designbussen der Daimler Truck AG zwar auch Hybrid-Modelle in der Fahrzeugflotte, die zumindest zeitweise vollelektrisch fahren können; die meisten Busmodelle sind aber noch immer dieselbetrieben. Zusammen mit dem Reiseunternehmen Spillmann-Reisen liege der Dieselverbrauch des Unternehmens bei rund einer Million Liter pro Jahr, sagte Geschäftsführer Bülent Menekse. Durch die extrem gestiegenen Preise machen die Energiekosten laut dem Spillmann-Chef derzeit rund 25 Prozent der Gesamtkosten aus.

Im Gegensatz zu anderen städtischen Busunternehmen könne Spillmann als Teil des VVS die Preise aber nicht selbstständig erhöhen. „Wir haben gleiche Einnahmen, aber höhere Kosten“, sagte Meneske der Bietigheimer Zeitung. Erst in einem Jahr gebe es einen Ausgleich, der aber nicht alles abdecke. Er rechne damit, dass etwa 500.000 bis 750.000 Euro nicht gedeckt werden.

Forderung an den VVS: Ausgleich zeitnah - „am besten jetzt“

Das Problem mit dem Ausgleich nach einem Jahr ist nicht neu, fällt bei den aktuellen Dieselpreisen aber besonders stark ins Gewicht. Vor zehn Jahren hätten Busunternehmen noch einen Vorschuss erhalten, am Ende des Jahres sei dann abgerechnet worden, erklärte Spillmann-Chef Bülent Menekse. Er fordert deshalb vom VVS, dass der Ausgleich möglich zeitnah erfolgen solle, „am besten jetzt.“ Zumal die derzeitigen Benzin- und Dieselpreise in der kommenden Zeit wohl noch weiter steigen werden. „Ich denke, dass wir da noch nicht am Ende angekommen sind.“

Obwohl es aktuell wichtigere Probleme als hohe Spritpreise gibt, wie unsere Autorin kommentiert, ist der Preisanstieg der zweite massive wirtschaftliche Rückschlag für Busunternehmen innerhalb kürzester Zeit. Durch die anhaltende Corona-Pandemie und die deutlichen Kontaktbeschränkungen hatten die Verkehrsunternehmen mit Umsatzeinbußen zu kämpfen. Bülent Menekse hofft durch die extremen Benzinpreise nun auf einen gegenteiligen Effekt: Dass mehr Menschen vom Auto auf den Nahverkehr umsteigen. Dort seien die Preise derzeit nämlich noch nicht gestiegen.

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