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„Eine Revolution wartet auf die Welt“: Heilbronner Start-up „uready“ im Interview

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Von: Franziska Vystrcil

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„Die Höhle der Löwen“ (VOX) – „uready“ e-Bike mit drei Rädern zum Abnehmen soll die Gelenke beim Joggen entlasten.
Erfinder und Industriemechaniker Oguzhan Albayrak präsentierte sein E-Trike in der VOX-Sendung „Die Höhle der Löwen“. Im August soll das Produkt auf den Markt kommen. © Bernd-Michael Maurer/RTL

Der Heilbronner Gründer Oguzhan Albayrak präsentierte sein „uready“-E-Trike in der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“. BW24 hat mit dem Tüftler gesprochen, wie es ihm seither ergangen ist.

Heilbronn - Es ist gar nicht so einfach, Oguzhan Albayrak zu erwischen. Der Tüftler aus Heilbronn ist sehr gefragt. Interviews, TV-Drehs und Geschäftstelefonate halten den Unternehmer aktuell auf Trab. Vieles hat sich verändert, seit er mit seinem Lauf-E-Trike „uready“ in der VOX-Sendung „Die Höhle der Löwen“ aufgetreten ist.

Mittlerweile hat Oguzhan Albayrak seinen Prototypen ausgereift. Im August soll das Bike auf den Markt kommen. BW24 hat mit dem Start-up-Gründer gesprochen und nachgehakt, wie es ihm seit der Sendung ergangen ist. So viel sei schon mal verraten: Oguzhan Albayrak hat mit seinen Ideen und Visionen noch viel vor.

„uready“-Gründer Oguzhan Albayrak ist stolz auf sein Produkt: „Es macht einen Heidenspaß“

Oguzhan Albayraks Terminkalender ist aktuell voll. Am 7. Juni stand er mehrere Stunden vor der Kamera. Der MDR plant einen Bericht über ihn und sein Start-up. „Es ist alles sehr aufregend“, sagt er im Gespräch mit BW24. Doch langsam sei er die Kameras fast schon gewöhnt. „Es ist nicht mehr so beschämend, wenn eine Kamera läuft“, sagt er lachend.

Bei seinem Auftritt in Folge sechs der elften Staffel von „Die Höhle der Löwen“ war das noch etwas anders. Mit seinem Prototyp, einem E-Trike, stellte er sich den kritischen Augen der Investoren. Das Besondere an seiner Erfindung? „Die Neigetechnik und der Fahrspaß sind ein Vorteil im Vergleich zu einem normalen E-Scooter. Das Fahrfeeling unterscheidet sich stark. Durch den breitbeinigen Stand ist es ein ähnliches Gefühl wie auf einem Jetski. Allein das Körpergefühl ist schon einmal deutlich anders“, erklärt er BW24. Das „Die Höhle der Löwen“-Start-up „Freibeik“ sorgte dank eines beweglichen Sattelgelenks ebenfalls für mehr Fahrkomfort.

E-Trike von „uready“
Mit dem E-Trike seiner Marke „uready“ will Oguzhan Albayrak die Fortbewegung revolutionieren. © uready

Auch wenn es nicht für einen Deal mit den Löwen gereicht hat - er ist stolz auf sein Produkt. Was in der Gründer-Sendung noch nicht ausgereift war, hat der gelernte Industriemechaniker nun zur Serienreife gebracht. Die Rückmeldungen, die Oguzhan Albayrak bislang erhalten hat, sind durchweg positiv. „Wir haben auch nichts anderes erwartet“, sagt er selbstbewusst. Im vergangenen Jahr war Oguzhan Albayrak mit seinem Bike auf der Eurobike-Messe in Friedrichshafen. Auch dort erhielt er von Testfahrern positives Feedback. „Jeder, der es getestet hat, hatte ein Grinsen im Gesicht“, erzählt er. Viele seien zuerst skeptisch, was das Bike betrifft. „Das legt sich aber, sobald sie fahren. Es macht einen Heidenspaß.“

„uready“ aus Heilbronn: „Es gibt immer etwas, das man verbessern kann“

Dass es bei VOX nicht für einen Deal gereicht hat, ist für Oguzhan Albayrak keine Enttäuschung. Er gibt aber zu: „Wenn jemand wie Nico Rosberg in das Unternehmen investiert, wird das Start-up und Produkt ganz anders gepushed. Auch Investoren wie Carsten Maschmeyer oder Georg Kofler haben ein riesiges Netzwerk.“ Für solche Verbindungen wäre der Schwabe auch bereit gewesen, den Löwen mehr Prozente an „uready“ zu geben. „Das Netzwerk, das die Investoren zur Verfügung stellen, kann man mit Geld nicht aufwiegen. Die Löwen öffnen Türen. Ich habe keinen Zweifel daran, dass sie eine große Hilfe gewesen wären.“

Dass die Investoren bei „Die Höhle der Löwen“ nicht in sein Geschäft einsteigen wollten, hat Oguzhan Albayraks Motivation und Unternehmerdrang keinen Abbruch getan. Stattdessen hat er es zum Anlass genommen, immer weiter am E-Trike zu feilen. „Ich komme aus der Automobilbranche. In der Lehre wurde uns schon eingetrichtert: Es ist immer ein KVP - ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess.“ Und als genau solch einen betrachtet Oguzhan Albayrak seine bisherige Reise als selbstständiger Unternehmer. „Es gibt immer etwas, das man verbessern kann. Von meiner Seite aus wird sich das nie ändern. Jeder Produktentwickler oder Ingenieur kann das sicher bestätigen“, sagt er.

Oguzhan Albayrak hatte zuvor mit E-Scootern oder E-Bikes überhaupt nichts am Hut. Es hat viel Zeit, Recherche und Fortbildungen gebraucht, bis der Tüftler aus Baden-Württemberg auf dem Wissensstand war, auf dem er heute ist. Was viele nicht bedenken: Um das E-Trike auf den Markt bringen zu dürfen, benötigt „uready“ Zulassungen und muss zuvor viele Tests durchlaufen - ein Aspekt, über den sich der Unternehmer auch ärgert. Denn ähnliche Produkte aus dem Ausland, etwa aus der Schweiz oder China, dürfen von den Firmen auch ohne diese Prüfungen auf den Markt gebracht werden.

Wir müssen hier vor Ort einfach besser netzwerken.

Oguzhan Albayrak, Gründer von „uready“

Vielen Käufern sei aber nicht bewusst, dass die meisten der Produkte aus dem Ausland gar keine Straßenzulassung besitzen. „Wenn da etwas passieren sollte, sich ein Käufer zum Beispiel einen Arm bricht, würde niemand den chinesischen Verkäufer vor Gericht ziehen“, ist sich Oguzhan Albayrak sicher. „Und wir als Start-up und Produzent in Deutschland müssen so viele Richtlinien einhalten, damit wir auf den Markt kommen. Da bin ich teilweise schon echt sauer.“ Diese Zulassungen und Prüfverfahren seien jedoch wichtig, besonders beim Sicherheitsaspekt. Aber seiner Meinung nach müsste der Staat mehr reglementieren. „Auf dem Markt sollten nur zugelassene E-Scooter verkauft werden“, fordert er.

Gemeinsam durch die Krise: Heilbronner Unternehmer halten zusammen

Trotz vieler Hindernisse - mit seinen E-Trikes hat Oguzhan Albayrak noch viel vor. Mit der Stadt Heilbronn hat „uready“ für kommendes Jahr ein Pilotprojekt geplant: geführte City-Touren auf den E-Trikes. „Das ist einen Tick sicherer als etwa auf Segways und macht mehr Spaß in den Kurven. Ich denke, das kommt sicher sehr gut an“, erzählt der Gründer.

So oder so sei das E-Trike aber ein Gefährt für jedermann. „Den Preis mal außen vor gelassen: Jeder kann mit dem uready-E-Trike fahren“, sagt Oguzhan Albayrak. Wie viel genau das Bike kosten wird, behält er allerdings für sich. Der Geschäftsmann könnte sich auch durchaus vorstellen, die E-Trikes künftig zu vermieten, etwa in größeren Städten. „Wir merken gerade erst, was für ein großes Feld sich hier auftut“, sagt er. „Wir wollen die E-Scooter nicht aus dem Markt drängen. Wir sind auch keine Konkurrenz. Wir bieten einfach etwas Neues an.“

Einen Investor hat Oguzhan Albayrak letzten Endes außerhalb der Sendung gefunden. Und auch aus der Region Heilbronn hat er mittlerweile zahlreiche Kooperationspartner. „Wir möchten uns hier im Raum Heilbronn gegenseitig unterstützen“, erklärt er. „Die Leute haben mittlerweile gemerkt, dass wir uns in der Krise gegenseitig helfen müssen. China macht dicht, durch den Ukraine-Krieg bleiben Lieferungen aus, Corona hat noch immer Auswirkungen. Wir müssen hier vor Ort einfach besser netzwerken.“

Mit seinen Plänen ist Oguzhan Albayrak noch lange nicht am Ende angelangt. Er steckt voller Tatendrang. „Ich habe noch viele Ideen, die darauf warten, entwickelt zu werden“, sagt er begeistert. Momentan konzentriert er sich ganz auf den Release seines E-Trikes. Aber: „Eine Revolution wartet auf die Welt“, kündigt er an. Einen Prototyp hat er bereits. „Ich möchte der Welt zeigen, dass man ohne Motor 40 Kilometer pro Stunde mit niedrigem Puls fahren kann. Rein mechanisch und ohne Elektrik“, verrät er. Wer weiß: Vielleicht fahren wir bald mit der Erfindung von Oguzhan Albayrak durch die Straßen.

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