Von Sanktionen nicht betroffen

Daimler Truck will trotz Ukraine-Kriegs mehr Lastwagen verkaufen

Martin Daum, Vorstandsvorsitzender der Daimler Truck AG
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Martin Daum, Vorstandsvorsitzender der Daimler Truck AG

Der früheren Lkw-Sparte von Daimler macht immer noch der Engpass bei Halbleitern zu schaffen. Das Russland-Geschäft ist zwar zum Erliegen gekommen, hat aber weltweit nur einen geringen Anteil.

Leinfelden-Echterdingen (dpa) - Ungeachtet des Ukraine-Kriegs will der Lastwagenhersteller Daimler Truck sein Geschäft im laufenden Jahr erheblich ausweiten. Im Gegensatz zu anderen Herstellern sei der aus dem früheren Daimler-Konzern herausgelöste Lkw-Bauer nicht von Zulieferproblemen wegen des Kriegs oder der Sanktionen betroffen. Das sagte Finanzvorstand Jochen Goetz am Donnerstag bei einer Online-Konferenz anlässlich der ersten Bilanz des nunmehr selbstständigen Unternehmens. Der inzwischen unbenannte Autobauer Mercedes-Benz musste dagegen bereits die Produktion in Sindelfingen drosseln.

«Im Moment kann ich nur sagen, dass die Kunden eher nach mehr Lkw fragen als nach weniger», resümierte Vorstandschef Martin Daum. Die Nachfrage übersteige das Angebot. Der Hersteller mit rund 100 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist aus eigener Sicht der weltweit größte Hersteller von Lastwagen und Bussen.

Daimler Truck-Chef Daum: „Haben uns komplett rausgezogen aus dem Russland-Geschäft

Das Dax-Unternehmen will im laufenden Jahr den Umsatz um mindestens 14 Prozent auf 45,5 bis 47,5 Milliarden Euro ausbauen und auch beim Absatz zweistellig zulegen. Die Halbleiterknappheit wird aber vor allem in den ersten Monaten des Jahres noch belastend wirken. An der Börse ging die Aktie zunächst deutlich nach oben. «Wir haben uns komplett rausgezogen aus dem Russland-Geschäft», sagte Daum. Daimler Truck hatte lange mit dem russischen Hersteller Kamaz kooperiert und Teile für zivile Fahrzeuge geliefert. Daum machte deutlich, dass für ein Verschieben von Unternehmensanteilen in Russland die Genehmigung der dortigen Regierung nötig sei.

In früheren Verträgen sei festgelegt worden, dass die Fahrzeuge nur für eine zivile Nutzung bestimmt seien. Es gebe «Null Lkw», die für das Militär gebaut wurden, sagte Daum. Im Zusammenhang mit Kamaz plant Daimler Truck im laufenden Jahr Abschreibungen in Höhe von rund 220 Millionen Euro.

Daum sagte, es gebe ein gemeinsames Werk mit Kamaz, wo bisher Kabinen für Kamaz-Lkw und für importierte Lkw der Schwaben hergestellt wurden. Die Produktion sei erst einmal stillgelegt. Das Engagement von Daimler Truck in Russland und in der Ukraine sei vergleichsweise gering - es habe bisher nur rund ein Prozent des weltweiten Umsatzes ausgemacht. Eine Prognose zur Zukunft des Russlandgeschäfts machte Daum nicht. «Wir bewerten das jeden Tag neu.» Das Schwesterunternehmen Mercedes-Benz ist laut Geschäftsbericht mit 15 Prozent an Kamaz PAO beteiligt.

Daimler Truck seit Beginn der Woche im Leitindex Dax gelistet

Im Dezember hatte der ehemalige Daimler-Konzern, der nun unter Mercedes-Benz firmiert, das Geschäft mit Lkw und Bussen abgespalten und die Anteile an Daimler Truck Großteils an die eigenen Aktionäre verteilt. Seit Anfang dieser Woche ist Daimler Truck im Leitindex Dax gelistet .Im vergangenen Jahr steigerte Daimler Truck den Absatz gegenüber dem sehr schwachen Corona-Jahr 2020 um ein Fünftel auf 455 400 Lkw und Busse. Gerade im zweiten Halbjahr gab es aber spürbare Probleme mit Lieferengpässen in der Halbleiterversorgung. Der Hersteller produzierte deswegen auch auf Halde. Der Umsatz kletterte um zehn Prozent auf 39,8 Milliarden Euro.

Unter dem Strich machte das Unternehmen mit 2,35 Milliarden Euro wieder Gewinn. Im Jahr davor hatte der Hersteller noch einen Verlust von 143 Millionen Euro eingefahren - beim Ausbruch der Corona-Pandemie konnte wochenlang nicht produziert werden, die Kunden hatten ihre Bestellungen zeitweise drastisch reduziert.

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