Daimler-Truck-Chef Martin Daum

Nur elektrisch „zu riskant“: Daimler verhilft alternativem Antrieb zum Comeback

Ein Mitarbeiter von Mercedes-Benz befestigt ein Mercedes Stern an einer S-Klasse.
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Die Daimler AG will nicht allein auf E-Batterie-Technologie setzen.
  • Berkan Cakir
    VonBerkan Cakir
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Die Daimler AG will nicht nur auf die Elektrifizierung der Flotte setzen. Truck-Chef Martin Daum will bei der Produktion von Lkw auf Wasserstoff setzen.

Stuttgart - „Bitte auf die Wissenschaft hören“, schrieb kürzlich VW-Chef Herbert Diess in einem Tweet. Wasserstoff sei nicht die Klimalösung, im Verkehr hätte sich die Elektrifizierung durchgesetzt. Kurze Zeit später meldete sich Elon Musk, ebenfalls per Tweet. Diess hätte recht, verkündete der Tesla-Chef. Wasserstoff sei eine „unglaublich dumme“ Form, um als Energiespeicher in Autos zu dienen. Beide Manager zeigten damit unverhohlen, dass sie nichts von Wasserstoff-Lösungen im Verkehr halten.

Weniger strikt sieht man das bei der Daimler AG. Zumindest für die Truck-Sparte kommt sie für den Autobauer aus der Landeshauptstadt Stuttgart durchaus infrage - und ist in naher Zukunft auch nicht wegzudenken, wenn es darum geht, die Klimaziele zu erreichen. Lkw-Chef Martin Daum sieht im Vergleich zu Herbert Diess und Elon Musik weitaus mehr Potenzial in der Antriebstechnologie.

Im Gespräch mit Bloomberg sagte er, dass Wasserstoff eine wichtige Rolle bei der Emissionsminderung spielen werde. Sich allein auf batteriebetriebene Fahrzeuge zu fokussieren, sei zu riskant. „Wir können es uns nicht leisten, uns bei der Erreichung der Klimaziele nur auf eine Technologie zu verlassen“, so Daum.

Daimler-Truck-Chef Martin Daum rechnet mit mehr Brenstoffzellenfahrzeugen ab 2025

Der Fokus werde bis 2025 vorerst zu hundert Prozent auf E-Autos und anderen elektrisch betriebenen Fahrzeugen liegen. Zwischen 2025 und 2035 aber würde man zusätzlich noch Brennstoffzellen benötigen, um den Anforderungen der massiv wachsenden Infrastruktur gerecht zu werden, so Martin Daum weiter.

Die Zukunftstechnologie könnte Daimler einen wahren Geldsegen bescheren. Gemeinsam mit Volvo hat der Stuttgarter Konzern sich zum Gemeinschaftsunternehmen Cellcentric zusammengeschlossen, um Brennstoffzellen für Lkw zu produzieren. Berichten zufolge ist der Bau einer riesigen Brennstoffzellenfabrik bereits beantragt - für rund 602 Millionen Euro. Zudem steht eine Förderung in Höhe von 403 Millionen Euro für 100 Brennstoffzellen-Lkw im Raum. Die Politik hat für diese Megaprojekte bereits eine Förderung in Aussicht gestellt.

Daimler will das Tankstellen-Netz für Wasserfahrzeuge ausbauen

Auch Andreas Scheuer (CSU) hatte sich im Mai in die Debatte, die Herbert Diess angestoßen und Elon Musk fortgesetzt hatte, zwischenzeitlich eingeklinkt. Der Verkehrsminister vermeldete - ebenfalls per Tweet - dass es beim Wasserstoff für moderne Mobilität Innovationen geben werde. Mit dem Energieträger soll ein globaler Markt entstehen. „Die Automobilhersteller müssen bei H2 dranbleiben“, so Scheuer, der sich auch sonst technologieoffen gibt.

Einen entscheidenden Vorteil hat Wasserstoff gegenüber Batterien: Das Tanken läuft deutlich schneller und ist fast so einfach wie bei Benzin oder Diesel. Allerdings ist die Infrastruktur in Deutschland noch nicht ausgereift. Auch deshalb plant Daimler ein großes Tankstellen-Netz für Wasserstoffantriebe. Ein bedeutender Nachteil ist zudem, dass die Technologie noch zu teuer ist.

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