Kritik am Aufsichtsrat

Daimler besetzt wichtigen Chefposten neu: Investoren fassungslos -„aus der Not geborene Personalie“

  • Valentin Betz
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Die Daimler AG richtet den Konzern auf E-Mobilität aus, vielen Investoren gefällt das. Doch vor der Hauptversammlung zeigen sich manche verärgert - wegen einer Personalie.

Stuttgart - Die Daimler AG trägt mit ihrer Ausrichtung auf E-Mobilität nicht nur Verantwortung für die eigenen Mitarbeiter. Die Zukunftspläne des Fahrzeugherstellers werden auch von Investoren und Anlegern genau beobachtet.

Doch zuletzt gab es von deren Seite nur wenig Anlass zu Kritik. Die Aktie der Daimler AG zeigt derzeit steil nach oben. Was den Wert an der Börse angeht, steht trotzdem Konkurrent Tesla gegenüber Daimler deutlich besser da. Die Aktien sind allerdings nicht der Grund, weshalb es auf der Hauptversammlung von den Investoren Kritik hagelt.

Hauptversammlung der Daimler AG: Konzern bekommt für mehrere Entscheidungen Kritik

Allerdings hängt ein Kritikpunkt auf der Hauptversammlung der Daimler AG durchaus mit den Aktien zusammen, nur wurde er wohl eher weniger von den Investoren auf die Agenda gebracht. Denn Daimler erhöht trotz millionenschwerer Coronahilfen die Dividenden für seine Aktionäre.

Für die Daimler AG läuft es momentan nicht schlecht, auch an der Börse. Doch die Investoren haben auf der Hauptversammlung trotzdem viel zu kritisieren.

Angesichts massenhafter Entlassungen kommt diese Entscheidung außerhalb des Konzerns nicht gerade gut an. Die Aktionäre und Investoren stören sich bei der Hauptversammlung laut Wirtschaftswoche aber an einem ganz anderen Punkt. Denn am Ende der Veranstaltung soll der Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden neu vergeben werden - an eine Person, die vielen überhaupt nicht passt.

Aufsichtsrat der Daimler AG: Chefposten sorgt bei Investoren für gewaltigen Unmut

Wie die Wirtschaftswoche schreibt, kritisiert Daimler-Aktionär Deka Investment unter anderem die „unbefriedigende Nachfolgeplanung des Aufsichtsratsvorsitzenden.“ Denn neuer Chef des Gremiums soll Bernd Pischetsrieder werden, der bereits seit 2014 Mitglied des Aufsichtsrats ist.

Laut Geschäftsordnung darf aber für die volle Amtszeit nur ein Kandidat vorgeschlagen werden, der bei der Wahl nicht älter als 72 Jahre ist, so die Wirtschaftswoche. Bernd Pischetsrieder ist aber bereits 73. Investoren sehen allerdings eher ein Problem in der Symbolik dieser Personalentscheidung.

„So gut es im Vorstand läuft, so holprig gestaltet es sich im Aufsichtsrat. Dort ist die Chance auf einen Generationenwechsel und einen Neuanfang leider vertan worden“, erklärt Ingo Speich von Deka Investment gegenüber der Wirtschaftswoche. Die „aus der Not geborene Personalie“ stehe für die „alte Verbrennerwelt und nicht für Internationalität, Elektromobilität und Digitalisierung“, so Speich.

Investoren der Daimler AG halten Aufsichtsrat für nicht unabhängig

Die Investoren der Daimler AG haben aber nicht nur an Bernd Pischetsrieder als neuen Aufsichtsratschef etwas auszusetzen. Auch Mitglied Clemens Börsig sehen die Aktionäre laut Wirtschaftswoche äußerst kritisch. Denn der ehemalige Chefaufseher der Deutschen Bank sitzt seit dem Jahr 2007 im Aufsichtsrat der Daimler AG - also seit 14 Jahren.

Das widerspricht aber der Geschäftsordnung von Daimler. Denn zur Wahl für eine volle Amtszeit als Aufsichtsratsmitglied sollen „nur Kandidaten vorgeschlagen werden, die dem Aufsichtsrat zum Zeitpunkt ihrer Wahl nicht bereits 12 Jahre angehört haben“.

Daher könne Clemens Börsig „nicht mehr als unabhängig angesehen werden“, so Janne Werning von Union Investment gegenüber der Wirtschaftswoche. Dem stimmt auch Aktionär Deka Investment zu: „Gerade im Hinblick auf die offenen Rechtsverfahren wünschen wir uns mehr Unabhängigkeit und Reformwillen im Aufsichtsrat.“

Rubriklistenbild: © Simon Sachseder/dpa

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