Überraschende Ergebnisse

Daimler, BMW & Co.: E-Autos sind laut ADAC günstiger als Verbrenner

  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Viele vermuten, dass der Umstieg aufs Elektroauto ins Geld geht. Ein aktueller Kostenvergleich des ADAC zeigt jedoch: E-Autos sind häufig sogar erschwinglicher als Verbrenner.

München - Um den Umstieg aufs E-Auto für Verbraucher zu erleichtern, hat die Bundesregierung eine Kaufprämie für Elektroautos und Hybride ins Leben gerufen. Je nach Modell gibt es bis zu 9.000 Euro teils vom Staat, teils vom Hersteller geschenkt. Das Konjunkturpaket, das bis Ende 2025 verlängert wurde, lässt Automobilkonzernen kaum eine Wahl. So wollen die Daimler AG und BMW bis 2030 bereits die Hälfte aller Fahrzeuge elektrisieren, und auch Porsche schafft den Verbrenner früher ab als gedacht. Für Verbraucher könnte die Kaufprämie nicht der einzige Anreiz sein, sich ein E-Auto anzuschaffen.

Wer mit dem Gedanken spielt, sich ein Elektroauto oder einen Hybrid zuzulegen, will in der Regel, dass sich das Ganze nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich lohnt. Wie der aktuelle ADAC-Kostenvergleich ergeben hat, sind viele Elektroautos deutlich günstiger als Verbrenner. Auf den ersten Blick mag das überraschen. Entscheidend seien laut ADAC die Kilometerkosten sowie geringere Wartungs- und Energiekosten von E-Autos. „Rechnet man alle Kosten eines Autos zusammen, vom Kaufpreis über sämtliche Betriebs- und Wartungsaufwände bis zum Wertverlust schneiden Elektroautos immer häufiger besser ab als Verbrenner“, so die Spezialisten des ADAC.

E-Auto vs. Verbrenner: Wertverlust macht einen „Löwenanteil“ im Vergleich aus

Innerhalb einer Vollkosten-Berechnung haben die Experten alle auf dem deutschen Markt erhältlichen Elektroautos sowie Plug-in-Hybride mit Benzinern oder Diesel-Fahrzeugen mit ähnlicher Motorleistung und Ausstattung verglichen. Grundlage der Berechnungen war eine durchschnittliche Haltedauer von fünf Jahren mit einer Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometern. Folgende Aspekte hat der ADAC in seine Kostenanalyse mit einbezogen:

  • Versicherung
  • KfZ-Steuer
  • Ausgaben für Wartung und Reparaturen
  • Reifenverschleiß
  • Kraftstoff/Stromkosten
  • Pauschale für Wagenwäsche / Wagenpflege
  • Wertverlust des Fahrzeugs

Gerade der Werteverlust des Fahrzeugs mache laut ADAC einen „Löwenanteil“ aus. Der Grund: Wegen der E-Auto-Prämie liegt der Wert eines Fahrzeugs nach Gebrauch, anders als beim Verbrenner, oft nur knapp unter und teilweise sogar über dem faktischen Neupreis. Für Händler und Leasingfirmen kann dies jedoch große Nachteile haben. Sie warnten bereits, dass durch die Elektro-Kaufprämie das „System kollabiert“.

E-Auto vs. Verbrenner: Umweltbonus für E-Auto-Käufer fällt ins Gewicht

In allen Berechnungen des ADAC wurde der Umweltbonus berücksichtigt. Bezuschusst werden der Kauf oder das Leasing der meisten Stromer, von Wasserstoffautos sowie von Plug-in-Hybriden. Diese müssen gewisse Fördervoraussetzungen erfüllen. So hoch fällt die Umweltprämie für Autokäufer, je nach Fahrzeug und Netto-Listenpreis, aus:

Fahrzeugtyp/KostenZuschuss von Bund und Hersteller Gesamt
Elektroauto bis 40.000 Euro9.000 Euro
Elektroauto über 40.000 bis 65.000 Euro7.500 Euro
Plug-in-Hybrid bis 40.000 Euro6.750 Euro
Plug-In-Hybrid über 40.000 Euro bis 65.000 Euro5.625 Euro

Quelle: Bafa.de

Die Kaufprämie gilt rückwirkend für alle Elektroautos, die ab dem 5. November 2019 zugelassen wurden sowie für alle neu zugelassenen E-Autos bis zum 31. Dezember 2025. Wegen der Corona-Krise wurde der Bundesanteil am Umweltbonus für Zulassungen nach dem 3. Juni 2020 nochmals verdoppelt.

Elektroauto vs. Verbrenner: E-Auto besticht mit niedrigeren Kraftstoffkosten und Steuervergünstigungen

Vorteile des E-Autos laut der Analyse im Überblick:

  • Steuervergünstigungen
  • Kaufprämien
  • Versicherung mit Öko-Bonus (eventuell)
  • Niedrigere Kraftstoff-/Stromkosten
  • Teilweise Emissionsfreiheit

Und die Nachteile:

  • Meist höherer Anschaffungspreis
  • Stellplatz mit Lademöglichkeit
  • Reichweite geringer (elektrisch)
  • Ladestationen noch nicht flächendeckend
  • Tarifvielfalt öffentlicher Ladestationen

Ergebnisse aus dem Vergleich bestimmter Elektroautos und Hybride mit Verbrennern ergaben: Immer häufiger schlagen die E-Autos die Verbrenner im Kostenvergleich. Alle Ergebnisse beziehen sich auf eine Haltedauer von fünf Jahren mit einer Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometern. Beispielsweise bei Mercedes fährt man in der Hybridausführung des B 250 e mit 59 Cent pro Kilometer deutlich besser als mit der Verbrenner-Version (70,8 Cent pro Kilometer). Auch der EQC 400 schneidet mit 85,9 Cent pro Kilometern besser ab als sein Verbrenner-Pendant GLC 400 mit 96 Cent pro Kilometern.

Ein ähnliches Bild zeigt sich mit Blick auf BMW-Fahrzeuge. So ist der elektrische i3 mit einem Wert von 48,6 Cent pro Kilometer günstiger als der entsprechende Verbrenner 118d (64,3 Cent pro Kilometer). Auch der 225xe steht mit einem Kostenpunkt von 57,4 Cent pro Kilometer besser da als der 220d mit 70,2 Cent pro Kilometer.

Elektroauto vs. Verbrenner: „E-Fahrzeuge mit höheren Reichweiten zunehmend auch für Vielfahrer“

Fairerweise räumte der ADAC ein: „Auch für einen Verbrenner zahlt man nur selten den Listenpreis, der den Berechnungen zugrunde liegt. Wer gut im Verhandeln ist, kann oft noch Rabatte herausschlagen.“ Daher habe man einen Nachlass von 15 Prozent bei den Verbrennern in einem zweiten Schritt mit einkalkuliert. Bei manchen Modellen drehe sich durch diesen Schritt das Blatt zugunsten der Verbrenner - jedoch nicht bei allen. Beim Mercedes B250 würde man auch mit einem 15 Prozent billigeren Verbrenner (61,7 Cent pro Kilometer) teurer als mit dem Hybrid (59 Cent pro Kilometer) fahren. Der EQC 400 wäre jedoch etwas teurer (85,9 Cent pro Kilometer) als der GLC 400 mit 82 Cent pro Kilometer.

Abschließend kommt die Analyse des ADAC zu dem Fazit: „Während sich Elektro- und Plug-in-Hybride ideal für Pendler und Fahrten im urbanen Umfeld eignen, sind diese für Langstreckenfahrer weniger geeignet. Dagegen eignen sich E-Fahrzeuge mit höhreren Reichweiten zunehmend auch für Vielfahrer.“

Rubriklistenbild: © Mercedes-Benz AG - Global Communications

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