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Chipmangel drückt VW-Verkäufe 2021 - E-Modelle im Plus

Volkswagen
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Die Chipkrise macht Volkswagen schwer zu schaffen.

Die direkten Corona-Folgen flauen ab - dafür hat die Autoindustrie das Problem fehlender Elektronik noch nicht im Griff. Ein Trend stimmt die Wolfsburger dennoch zuversichtlich.

Wolfsburg - Die Chipkrise und weitere Zulieferprobleme haben die Verkäufe von Volkswagen im zweiten Corona-Jahr 2021 noch einmal spürbar abrutschen lassen. Wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte, sanken die Auslieferungen der Kernmarke VW Pkw um 8,1 Prozent.

Auch für die gesamte Gruppe ging es erneut abwärts (minus 4,5 Prozent). Die Wolfsburger wurden knapp 4,9 Millionen Fahrzeuge aus ihrer Hauptsparte los, konzernweit waren es rund 8,9 Millionen.

Verglichen mit dem pandemiebedingt schon schwachen Jahr 2020 gelang immerhin eine Stabilisierung, damals war das Geschäft jeweils um gut 15 Prozent eingebrochen. Schwierigkeiten gab es zuletzt vor allem in China, während Nordamerika in der Absatzstatistik besser abschnitt.

Mittlerweile sind mangelnde Mikrochips sowie teils knappe und teure Rohstoffe das größte Problem der Branche. Viele Autos können - bei gleichzeitig gut gefüllten Auftragsbüchern - nicht in der üblichen Zeit fertiggestellt werden. „Die massiven halbleiterbedingten Auswirkungen auf die Produktion waren im Jahresverlauf nicht vollumfänglich zu kompensieren“, erklärte VW-Vertriebsvorstand Klaus Zellmer. Angesichts dieser „außerordentlich herausfordernden Bedingungen“ sei das Abschneiden insgesamt noch zufriedenstellend.

Volkswagen muss in China kämpfen

Deutlich besser lief es, wenn man anstatt aller Antriebsarten nur hybride und elektrische Wagen berücksichtigt. Dann zeigte sich bei VW Pkw 2021 gegenüber 2020 ein hohes Auslieferungsplus von 73 Prozent auf über 369 000 verkaufte Exemplare. Darunter waren 263.000 reine Stromer - hier kam es fast zur Verdoppelung, bei Plug-in-Hybriden zu einer Steigerung um ein Drittel. Bezogen auf den Gesamtkonzern wurden etwa 96 Prozent mehr vollelektrische Fahrzeuge (BEV) abgesetzt, in der Summe waren es in dieser Kategorie rund 453.000 Stück.

Auf dem besonders wichtigen und größten Automarkt China hatte indes auch Volkswagen zu kämpfen. Dort verschärfte sich der Chipmangel unter anderem wegen neuer Einschränkungen bei asiatischen Zulieferern weiter. Eine Folge: Die Verkäufe des Konzerns sackten um rund 14 Prozent ab, bei der Kernmarke sogar um fast 15 Prozent. „Es war ein ziemlich schwieriges Jahr“, sagte der scheidende VW-Regionalchef Stephan Wöllenstein. Der Marktanteil der Gruppe in China, der lange bei 14 oder 15 Prozent gelegen hatte, fiel auf 11 Prozent. Bei den BEV-Modellen schaffte der Konzern aber auch hier klare Zuwächse.

Ob 2022 wieder größere Steigerungen in der Volksrepublik möglich sind, ist ungewiss. 2021 stieg der Gesamtabsatz aller Hersteller an die Händler laut Branchenverband CAAM noch leicht um 3,8 Prozent.

„Volatile“ Lage

In Nordamerika mit den USA konnte VW im abgelaufenen Jahr Boden gutmachen, trotz eines Dämpfers im Schlussquartal. Die Auslieferungen lagen am Ende um 15,6 Prozent über dem Niveau von 2020, die Kernmarke meldete 13 Prozent. Westeuropa schnitt mit einem Verkaufsminus von 2,7 Prozent in der Gruppe und 5,3 Prozent für VW Pkw schlechter ab.

Das Unternehmen nimmt an, dass die Lage zumindest noch in der ersten Jahreshälfte 2022 wegen der Chipknappheit „volatil und anspruchsvoll“ bleibt. Auch mehrere Töchter verbuchten in den letzten zwölf Monaten Absatzeinbußen. So stand bei Skoda ein Minus von 12,6 Prozent.

Bei den leichten Nutzfahrzeugen, die im März mit dem Elektro-Bus ID.Buzz ein zentrales neues Modell vorstellen, betrug der Rückgang 3,2 Prozent. Audi kam mit minus 0,7 Prozent glimpflicher davon. Bei Porsche gab es sogar ein Plus von 10,9 Prozent. „Im vergangenen Jahr haben wir die Fertigung unserer Fahrzeugmodelle planerisch so optimiert und gesteuert, dass der Versorgungsengpass geringe Auswirkungen auf unsere Produktion hat“, sagte eine Porsche-Sprecherin. Auch Seat (plus 10,3 Prozent) sowie die schweren Nutzfahrzeuge von MAN/Scania und die Luxusmarken Bentley, Bugatti und Lamborghini behaupteten sich gegen den Trend. dpa

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