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Start-up-Chef hadert mit eigenem Mehrwert für sein Team - „Als CEO bin ich überflüssig“

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Von: Julian Baumann

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Ein Mann spricht bei einem Geschäftsmeeting zum Publikum.
Der Chef eines Start-ups stellte sich die Frage, wie die Rolle eines CEO definiert werden könne. Nach langem Hadern fand er für sich eine Lösung (Symbolbild). © matej kastelic/Imago

Der „Chief Executive Officer“, kurz CEO, steht an der Spitze eines Unternehmens. Doch bedeutet das auch, dass er mehr wissen und mehr können muss, als die Mitarbeiter?

Stuttgart - Der „Chief Executive Officer“, kurz CEO, ist in den meisten Fällen nicht nur für die Geschicke eines Unternehmens verantwortlich, sondern auch das Gesicht, das Aushängeschild für die Öffentlichkeit. Mercedes-CEO Ola Källenius führt den ältesten Autobauer der Welt beispielsweise aktuell in das E-Auto-Zeitalter, und Porsche-CEO Oliver Blume leitet seit September sogar den ganzen VW-Konzern. Während bei Mercedes-Benz, Porsche oder auch Bosch neben dem Chef an der Spitze auch die Mitglieder des Vorstands bekannt sind, verhält sich das beim E-Auto-Primus Tesla anders. CEO Elon Musk ist bei dem US-Hersteller nahezu der einzige, der wirklich in der Öffentlichkeit steht.

Wer an die genannten Manager denkt, oder auch an Apple-CEO Tim Cook oder Meta-CEO Mark Zuckerberg, kommt schnell auf den Gedanken, dass die jeweiligen Unternehmen ohne diese Aushängeschilder schlichtweg nicht funktionieren könnten. Doch muss ein CEO im Bereich Personal so viel Wissen und Können haben, wie der Personalvorstand? Oder im Bereich der Finanzen wie der CFO oder auf dem technischen Level wie der CTO? Dieser Frage ist der CEO eines Start-ups aus Bayern auf LinkedIn nachgegangen und hat für sich eine eindeutige Antwort gefunden.

„Was macht ein CEO und wann ist er ein guter CEO?“: Start-up-Chef hadert mit Führungsrolle

„Als CEO bin ich überflüssig“, schreibt Patrick Leibold, Chef des Start-ups Celebrate Company, als Einleitung in seinen Post im Karrierenetzwerk LinkedIn. Seine Unsicherheit und sein Wunsch auf Anerkennung hätten dazu geführt, dass er nach eigener Ansicht zu einem schlechten Chef wurde. „Ich habe einen CMO, der Marketingkanäle besser steuert als ich. Ich habe einen CFO, der die Finanzen schneller versteht als ich. Kurzum: Das Team, das mich umgibt, kann vieles besser als ich“, führt er seine Gedanken aus. Das habe wiederum dazu geführt, dass er den eigenen Mehrwert für sein Team infrage gestellt habe.

„Was macht ein CEO und wann ist er ein guter CEO?“, waren laut Patrick Leibold die Fragen, die sich der Chef von Celebrate Company stellte. „Ich habe lange Zeit gedacht, ich müsste als CEO in allen Bereichen (inhaltlich) der Beste sein, um einen ‚würdigen‘ Chef abzugeben, anerkannt zu werden und unverzichtbar zu sein.“ Grund dafür sei seine persönliche Unsicherheit, da er zuvor CFO und COO war und in diesen Positionen für seine „greifbaren“ Leistungen Anerkennung bekam. Mittlerweile sei ihm aber bewusst, dass er als CEO nicht in allen Bereichen besser sein müsse, als sein Team. „Ich bin nicht da, um Themen zu lösen, sondern um diejenigen zu unterstützen und bestmöglich zu fördern, die das am besten können.“

Funktionen als CEO sind „weniger greifbar“, haben aber „trotzdem einen Wert“

Für seine CEO-Rolle hat Patrick Leibold laut dem LinkedIn-Eintrag eine klarere Definition gefunden. „Ich liefere Wert dadurch, dass ich das große Ganze im Blick habe und auf Basis davon eine Strategie entwickle, die unsere Stärken bestmöglich einsetzt und Chancen nutzt“, schreibt er. Das bedeute auch, dass er dafür verantwortlich sei, dass jede Person im Unternehmen ihr volles Potenzial ausschöpfen könne. „Anzuerkennen, dass diese Dinge zwar weniger greifbar sind, aber trotzdem auch einen Wert haben, war und ist für mich eine große Herausforderung.“

Porsche-CEO Oliver Blume, Mercedes-CEO Ola Källenius, Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut und Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (von links nach rechts).
Wie seine Rolle definiert, hängt von mehreren verschiedenen Faktoren ab (Symbolbild). © Bernd Weißbrod/dpa

Wie ein CEO seine Rolle definiert, hängt wahrscheinlich von mehreren verschiedenen Faktoren wie beispielsweise dem Führungsstil, aber auch von der persönlichen Sicht auf die Rolle ab. Mercedes-Chef Ola Källenius steht im Vergleich zu seinem Vorgänger Dieter Zetsche deutlicher weniger in der Öffentlichkeit und setzt auf Rationalität und Analytik, statt auf große Auftritte. Interessant zu wissen ist, dass die Bezeichnung CEO sowohl in Deutschland, als auch in Österreich und der Schweiz de facto keinen rechtlichen Wert hat, sondern lediglich eine Zusatzbezeichnung darstellt. In den deutschsprachigen Ländern bezeichnet CEO in den meisten Fällen aber den Geschäftsführer oder den Vorsitzenden des Vorstands.

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