Grüner Wasserstoff

Bosch investiert halbe Milliarde in Technologie, um unabhängiger von der Autoindustrie zu werden

Ein Mitarbeiter von Bosch hält im Werk ein Tablet in der Hand.
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Bosch will eine halbe Milliarde Euro in die Entwicklung von Komponenten für die Wasserstoff-Elektrolyse investieren (Symbolbild).
  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
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Der Technologiekonzern Bosch sieht die Zukunft in grünem Wasserstoff und hat angekündigt, eine halbe Milliarde Euro zu investieren - auch, um unabhängiger zu werden.

Stuttgart - Anfang Mai hat der Autozulieferer Bosch seine Jahreszahlen vorgestellt und bekannt gegeben, dass der Umsatz des Unternehmens 2021 auf 78,7 Milliarden Euro gestiegen ist. Nach Einbußen im Corona-Jahr 2020 läuft es für Bosch mittlerweile wieder besser. Auch der Ukraine-Krieg und damit verbundene Lieferengpässe sowie gestiegene Rohstoffpreise lassen den Autozulieferer kalt. Bosch-Chef Stefan Hartung hat in der Situation sogar ein neues Geschäftsfeld ausgemacht.

Bosch setzt auf grünen Wasserstoff und will unabhängiger von der Autoindustrie werden

Im Zuge der Vorstellung der Jahresbilanz kündigte Stefan Hartung an, dass der Technologiekonzern in den kommenden acht Jahren eine halbe Milliarde Euro in die Entwicklung von Komponenten für die Wasserstoff-Elektrolyse investieren werde. „Wir wollen den raschen Aufbau einer Produktion von Wasserstoff in Europa mit Bosch-Technik unterstützen“, sagte Hartung. Durch den Vorstoß versuche man „die Zukunft zu entschlüsseln“.

Mit der Investition in Wasserstoff macht Bosch nun einen ersten Schritt und treibt die Bemühungen voran, das Unternehmen aus Baden-Württemberg unabhängiger vom Autogeschäft zu machen. Laut Experten sei grüner Wasserstoff ein wichtiger Baustein für das Gelingen der Energiewende. Ähnlich sieht das auch Bosch-Chef Hartung. Es gibt allerdings auch kritische Stimmen, die keine Zukunft für Wasserstoffantriebe als Alternative zu E-Autos sehen.

Nachhaltiger Wasserstoff rechnet sich durch Ukraine-Krieg und Gaspreise schneller als gedacht

Hergestellt wird der grüne Wasserstoff mithilfe des Elektrolyseverfahrens aus erneuerbarem Strom, zum Beispiel aus Wind und Sonne. Dabei wird Wasser mithilfe von Strom in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff zerlegt.

Gerade in Zeiten, in denen der Einsatz einer Batterie teurer oder nur schwer realisierbar ist, wird das Thema in vielen Branchen immer wichtiger. Den größten Bedarf an grünem Wasserstoff gebe es derzeit in der Industrie, Luftfahrt und beim Schiffsverkehr. Durch den Ukraine-Krieg und die dadurch gestiegenen Gaspreise rechne sich nachhaltiger Wasserstoff jetzt deutlich schneller als gedacht, wie das Handelsblatt berichtet. Bosch hat durch die Investition diese Entwicklung nun rasch aufgegriffen.

Geschäfte mit Autoindustrie bereiten Bosch sorgen

Trotz erfolgreicher Umsatzzahlen von Bosch, bereiten dem Konzern die Geschäfte mit der Autoindustrie weiterhin Sorgen. Während der Konkurrent aus Friedrichshafen, Autozulieferer ZF, rund fünf Prozent Rendite im vergangenen Jahr erreichte, schaffte es Bosch auf lediglich 0,7 Prozent in ihrer Sparte Mobility. Grund dafür sei unter anderem die sinkende Nachfrage nach Dieseltechnik - eine der Hauptertragsquellen des Konzerns.

Die Folge: Bosch müsse die nochmals erheblich gestiegenen Rohstoff-, Halbleiter- und Logistikkosten an seine Kunden weitergeben, wie Spartenchef Markus Heyn sagte. „Nur dann können wir unser Zuliefergeschäft für die Autoindustrie weiterhin profitabel betreiben.“ In der Automobilbranche könnte es nun zu harten Auseinandersetzungen kommen.

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