Zulieferer baut Produktion aus

8.000 „Arbeitsplätze sichern“ - Bosch investiert Viertelmilliarde Euro in wichtigen Standort

Die Halbleiterfabrik von Bosch in Reutlingen.
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Die Chipfabrik von Bosch in Reutlingen wird mit weiteren 250 Millionen Euro vom Konzern aufgerüstet.
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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Bosch produziert als Autozulieferer auch Halbleiter. Um gegen Krisen gewappnet zu sein, investiert der Konzern weitere Millionen in den Standort Reutlingen.

Reutlingen - Bosch ist nicht nur für die Wirtschaft in Baden-Württemberg von zentraler Bedeutung. Weltweit ist der Konzern aus Stuttgart als Zulieferer für die Automobilindustrie bekannt. Die wenigsten wissen aber wohl, was genau Bosch eigentlich für die Fahrzeugindustrie produziert.

Zu den Produkten von Bosch gehören beispielsweise auch Halbleiter, die besonders für moderne Fahrzeuge und E-Autos wichtig sind. Das machte sich zuletzt durch globale Lieferschwierigkeiten bemerkbar. Der Bosch-Chef warnt selbst 2022 noch vor einer Krise, durch die „ganze Autos nicht gebaut werden“ könnten. Anstatt sich deshalb auf Partner zu verlassen, nimmt Bosch die Produktion von Halbleitern direkt selbst in die Hand. 400 Millionen Euro hat Bosch bereits in die Zukunftstechnologie investiert - auch am Standort Reutlingen. Dorthin soll jetzt ein weiterer Millionenbetrag fließen.

Halbleiter von Bosch: Zulieferer setzt seit geraumer Zeit auf Standort Reutlingen

In Reutlingen produziert Bosch bereits seit einem halben Jahrhundert Chips für diverse Anwendungsbereiche. Der Standort in Baden-Württemberg hatte bereits vom letzten großen Investitionspaket des Konzerns profitiert. Von den 400 Millionen Euro flossen rund 50 Millionen in das Halbleiterwerk in Reutlingen. Der Rest des Geldes kam den Werken in Dresden und im malaysischen Penang zugute.

Die Investitionen für den Standort Reutlingen fließen unter anderem in weitere Reinraumfläche. Dort werden unter hermetischen Bedingungen Halbleiter hergestellt, zum Beispiel aus Siliziumkarbid.

Wie bedeutend der Standort Reutlingen ist, zeigen die weiteren Pläne von Bosch. Zwischen 2021 und 2023 sind weitere 150 Millionen Euro für zusätzliche Reinraumflächen bereits beschlossen. Jetzt hat Bosch nochmals 250 Millionen Euro bis 2025 obendrauf bekannt gegeben. „Damit stärken wir unsere Wettbewerbsfähigkeit. Wir investieren für unsere Kunden und gegen die globale Halbleiter-Lieferkrise“, so Bosch-Chef Stefan Hartung.

Bosch investiert in Standort Reutlingen: Ausbau der Chipprodukton hilft auch Mitarbeitern

Die angekündigten Investitionen sollen in Reutlingen für einen neuen Gebäudeteil genutzt werden. Auf 3.600 Quadratmetern wird eine weitere Reinraumfläche für die Halbleiterproduktion entstehen. Schon jetzt werden in Reutlingen bei Bosch revolutionäre Chips für E-Autos gefertigt, die die Reichweite massiv steigern.

Neben den Reinraumflächen wird die vorhandene Energieversorgungszentrale erweitert, zudem ist ein weiteres Gebäude „für die Medienversorgung“ geplant. Bosch gibt an, damit „die Zukunft des Standortes und somit Arbeitsplätze“ zu sichern. Derzeit hat der Standort Reutlingen 8.000 Mitarbeiter.

Obwohl Bosch als bisher einziger großer Autozulieferer selbst Chips fertigt, bezeichnet das Handelsblatt die Investitionen als „winzig im Vergleich“ zu großen Playern wie Intel, Samsung oder TSMC. „Wenn Bosch sich stark fühlt, um in der Autochipindustrie mitzuspielen, muss die Frage erlaubt sein, warum die Schwaben dann nicht noch viel stärker einsteigen?“, fragt sich deshalb ein Experte dem Handelsblatt gegenüber.

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