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Gekündigter Bosch-Ingenieur in Betriebsrat gewählt - „wird Abfindung ordentlich nach oben treiben“

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Von: Julian Baumann

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Links: Das Logo von Bosch am Stuttgarter Flughafen. Rechts: Ein Mitarbeiter in einer Autoproduktion.
Trotz laufendem Kündigungsschutzverfahren wurde ein ehemaliger Ingenieur von Bosch erneut in den Betriebsrat des Konzerns gewählt. © Marijan Murat/dpa & BMW/dpa (Fotomontage: BW24)

Ein ehemaliger Bosch-Ingenieur wurde zwei Mal gekündigt und klagt seit Jahren dagegen. Nun wurde er in Feuerbach in den Betriebsrat gewählt, seine Zukunft wird am Freitag weiter verhandelt.

Stuttgart - Zweifache Entlassung und trotzdem Mitglied des Bosch-Betriebsrates: Der ehemalige Entwicklungsingenieur Karsten vom Bruch liefert sich seit knapp vier Jahren eine gerichtliche Auseinandersetzung mit dem Weltkonzern aus Stuttgart. Hintergrund ist, dass er bereits zwei Mal eine Entlassung erhielt, diese aber nicht akzeptieren will. Der gekündigte Bosch-Ingenieur wehrt sich und erklärte, er sei „wegen Kritik unter Druck gesetzt“ worden. Ende vergangenen Jahres kündigte Karsten von Bruch zum massivem Unmut der Personalabteilung an, trotz der Kündigungen erneut für einen Betriebsratsposten bei Bosch kandidieren zu wollen.

Nach aktuellem Stand (22. März 2022) ist der gerichtliche Streit zwischen Bosch und dem ehemaligen Entwicklungsingenieur Karsten von Bruch noch immer nicht beendet. Dennoch wurde von Bruch bei den Betriebsratswahlen am Standort Feuerbach mit 630 Stimmen erneut in den Betriebsrat des weltgrößten Autozulieferers gewählt, berichten die Stuttgarter Nachrichten. Am Freitag, 25. März, soll vor dem Landgericht Stuttgart weiter verhandelt werden, ob das neu gewählte Betriebsratsmitglied auch weiterhin Mitarbeiter bei Bosch bleiben wird.

Bosch: Gekündigter Ingenieur setzt sich bei Betriebsratswahl in Feuerbach durch

Da der Rechtsstreit zwischen Bosch und Karsten von Bruch noch nicht abgeschlossen ist, ist der Entwicklungsingenieur und neu gewählte Betriebsrat trotz zweier formeller Kündigungen noch immer bei Bosch angestellt. Deshalb war er auch berechtigt, bei den Betriebsratswahlen des Konzerns anzutreten. Seine erneute Kandidatur für den Standort Feuerbach gab er Ende 2021 über das Karrierenetzwerk Linkedin bekannt. Bei der Wahl trat von Bruch als einziger Kandidat seiner Liste „Team Fairplay“ an und erhielt insgesamt 630 Stimmen. Damit kam der ehemalige Ingenieur, der bereits zuvor Betriebsratsmitglied bei Bosch war, auf den achten Platz von 39, berichten die Stuttgarter Nachrichten.

Damit wurde Karsten von Bruch trotz zweier Kündigungen und dem andauernden Rechtsstreit mit Bosch erneut in den Betriebsrat des Konzerns gewählt. Gemäß den Wahlregeln musste er als einziger Kandidat seiner Liste jedoch zwei der drei ihm zustehenden Sitze an die Gewerkschaft IG Metall abgeben. Um für sich und seine Kandidatur zu werben, erhielt von Bruch einen begrenzten Zugang zum Bosch-Werksgelände in Feuerbach, zu einem Büro und zu internen Kommunikationskanälen.

Bosch gegen Karsten von Bruch: Gerichtsstreit geht am Freitag in eine neue Runde

Der Ursprung des Gerichtsstreits zwischen Bosch und Karsten von Bruch geht bereits auf das Jahr 2018 zurück. Der damalige Entwicklungsingenieur soll damals eine Personalleiterin am Standort Feuerbach bedroht und eine Kantinen-Frau belästigt haben. Daraufhin wurde er fristlos gekündigt. Von Bruch bestreitet diese Vorwürfe allerdings. Im Dezember 2018 soll Karsten vom Bruch dann Teile von Prozessakten aus seinem ersten Verfahren verbreitet und an sieben bis acht Personen weitergeleitet haben - was ihm die zweite Kündigung einbrachte.

Am kommenden Freitag geht der Gerichtsstreit am Landgericht in Stuttgart in eine neue Runde. Dabei soll es um eine außerordentliche Kündigung vom 18. Januar 2019 gehen. Karsten von Bruch, der die Vorwürfe weiterhin bestreitet, sieht in dem Erfolg bei den Betriebsratswahlen in Feuerbach ein „schönes Signal, unabhängig davon, ob ich meinen Arbeitsgerichtsprozess am Ende gewinne.“ Laut ihm zeige die Wahl, dass sich die Leute, für die er angetreten sei, bereits entschieden hätten. Im Netz sind Nutzer der Meinung, dass der Betriebsratsposten im Falle einer Niederlage zumindest Vorteile bringe. „Das wird die Abfindung ordentlich nach oben treiben“, schreibt ein User auf Facebook.

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