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Kündigung von Bosch-Ingenieur rechtens: Kollegen entsetzt - „da bleibt einem echt die Spucke weg“

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Von: Julian Baumann

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Links: Das Logo von Bosch am Stuttgarter Flughafen. Rechts: Ein Mitarbeiter in einer Autoproduktion.
Die Kündigung ist wirksam: Das Landesarbeitsgericht Stuttgart entschied sich gegen einen ehemaligen Ingenieur von Bosch. © Marijan Murat/dpa & BMW/dpa (Fotomontage: BW24)

Ein Bosch-Ingenieur kämpfte mehrere Jahre gegen ein Kündigungsverfahren. Das Gericht gab dem Konzern nun recht: Die Kündigung ist demnach wirksam.

Stuttgart - Der ehemalige Entwicklungsingenieur Karsten vom Bruch lieferte sich knapp vier Jahre lang eine gerichtliche Auseinandersetzung mit dem Technologiekonzern Bosch aus Stuttgart. Hintergrund war, dass er zweimal eine Entlassung erhielt, diese aber nicht akzeptieren wollte und dagegen vorging. Der gekündigte Bosch-Ingenieur wehrte sich und erklärte, er sei „wegen Kritik unter Druck gesetzt“ worden (BW24* berichtete). Am 25. März ging die Verhandlung am Landesarbeitsgericht in Stuttgart in eine neue Runde, die mit einer Niederlage für den ehemaligen Bosch-Ingenieur endete.

Bereits Ende des vergangenen Jahres kündigte Karsten vom Bruch trotz laufendem Kündigungsverfahren an, sich erneut für die Betriebsratswahl von Bosch am Standort in Feuerbach aufstellen lassen zu wollen. Vor wenigen Tagen wurde der gekündigte Bosch-Ingenieur in den Betriebsrat gewählt* und schöpfte dadurch auch neue Zuversicht für die nächste Runde der Gerichtsverhandlung. Das Landesarbeitsgericht entschied dennoch zu Ungunsten des ehemaligen Ingenieurs und bestätigte die Kündigung als rechtens, wie es in einer Medienmitteilung heißt. Im beruflichen Netzwerk LinkedIn äußerten Bosch-Mitarbeiter ihr Entsetzen über das Gerichtsurteil.

Bosch gewinnt vor Gericht: Kündigung eines ehemaligen Ingenieurs ist wirksam

Der Ursprung des Gerichtsstreits zwischen Bosch und Karsten vom Bruch geht bereits auf das Jahr 2018 zurück. Der ehemalige Entwicklungsingenieur soll damals eine Personalleiterin am Standort Feuerbach bedroht und eine Kantinen-Mitarbeiterin belästigt haben. Daraufhin wurde er fristlos gekündigt. In einem Beitrag auf LinkedIn vom 6. August 2019 bezeichnete Karsten vom Bruch die Vorwürfe als „erfunden“. Diese Kündigung wurde im Januar 2020 vom Landesarbeitsgericht Stuttgart als rechtswidrig bestätigt. Der Ingenieur, der bereits seit 1997 bei Bosch angestellt war, konnte demnach weiter beim Konzern arbeiten.

Nur knapp ein Jahr nach der ersten Kündigung wurde der Ingenieur allerdings erneut von Bosch gekündigt. Diesmal lautete der Vorwurf, Karsten vom Bruch habe Prozessakten entgegen des Datenschutzrechtes einem Kreis von Kollegen in der Betriebsöffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Landesarbeitsgericht Stuttgart sah darin eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte, da Informationen für am Prozess Interessierte auch anderweitig hätten zugänglich gemacht werden können. Zudem hätte vom Bruch als Mitglied des Betriebsrates von Bosch die Datenschutzrichtlinien kennen müssen und könne sich demnach nicht auf Unwissenheit berufen.

Bosch-Ingenieur bekommt vor Gericht keine Anerkennung - „finde das alles sehr bedauerlich“

Nach dem Gerichtsentscheid über die wirksame Kündigung des ehemaligen Bosch-Ingenieurs Karsten vom Bruch meldete sich dieser auf LinkedIn zu Wort. Es sei offenbar nicht möglich gewesen, vom Gericht Anerkennung dafür zu bekommen, dass das Vorgehen von Bosch vor allem seine Persönlichkeitsrechte durch üble Nachrede verletzt habe. „Ich finde das alles sehr bedauerlich, auch wenn es leider nicht völlig überraschend kam“, schreibt er. „Jetzt muss ich auf das schriftliche Urteil warten und dann prüfen, ob ich vor dem Bundesarbeitsgericht eine Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision einlegen werde“, so vom Bruch weiter. „Eventuell werde ich auch noch andere Maßnahmen einleiten.“

In dem beruflichen Netzwerk zeigen sich andere Nutzer vom Gerichtsurteil gegen den ehemaligen Bosch-Ingenieur entsetzt. „Unfassbar“, schreibt einer. „Da bleibt einem echt die Spucke weg.“ Die fristlose Kündigung vom 18. Januar 2019 ist mit dem Gerichtsurteil vom 25. März 2022 wirksam. Karsten vom Bruch kündigte auf LinkedIn an, sich neuen Tätigkeitsfeldern zuwenden zu wollen. „Ich glaube dennoch, dass ich bereits einiges erreicht und bewegt habe, und dass ich mich nun vorrangig auf andere Betätigungsfelder konzentrieren werde“, schreibt er. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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