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„Es gibt nie ein Zurück in die Vergangenheit“: Bosch-Chef über die Folgen von Corona, Krieg und Inflation

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Von: Julian Baumann

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Bosch-Chef Stefan Hartung (links im Bild) neben einem Sportwagen von Porsche.
Laut Bosch-Chef Stefan Hartung (rechts im Bild) werden die derzeitigen Probleme der Wirtschaft auch langfristig Spuren hinterlassen. © dpa/Collage

Corona-Pandemie, Chipkrise und die Folgen des Ukraine-Krieges setzen auch Bosch zu. CEO Stefan Hartung glaubt nicht an eine Rückkehr zur Normalität.

Stuttgart - Die vergangenen Monate und Jahre waren für die Wirtschaft in Baden-Württemberg alles andere als einfach. Die noch immer anhaltende Corona-Pandemie löste in der Autobranche einen Mangel an Halbleiterkomponenten aus, die zu erheblichen Problemen und Verzögerungen bei der Produktion führten. Auch der Technologiekonzern Bosch aus Stuttgart, der zudem der weltweit größte Autozulieferer ist, hatte mit den Problemen zu kämpfen. Vor etwas mehr als zwei Monaten kamen dann noch die Folgen des Ukraine-Krieges hinzu.

Im Rahmen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine geriet auch Bosch in die Kritik. Der ukrainische Außenminister warf Bosch vor, Komponenten für russische Panzer geliefert zu haben. Der Stuttgarter Konzern wies diese Vorwürfe entschieden zurück, von den Folgen der unterbrochenen Lieferketten bleibt aber auch Bosch nicht verschont. Im Interview mit dem Tagesspiegel reflektiert Bosch-Chef Stefan Hartung, der diesen Posten inmitten der Corona-Pandemie von Vorgänger Volkmar Denner übernommen hatte, die vergangenen Monate. Eine Rückkehr zur Normalität sei nach einer Pandemie und eines Krieges nicht ohne weiteres möglich.

Bosch muss mit mehreren Problemen gleichzeitig kämpfen - „für uns alle eine große Belastung“

Seit dem Beginn des Ukraine-Krieges ist die deutsche Autoindustrie in Sorge um die Mitarbeiter in dem noch immer stark umkämpften Land. Neben diesen Sorgen bereiten jedoch auch die wirtschaftlichen Folgen noch immer massive Probleme, zumal auch die Corona-Pandemie noch nicht überstanden ist. „Es ist für uns alle eine große Belastung“, sagte Bosch-Chef Stefan Hartung dem Tagesspiegel. „Wir können die Probleme nicht nacheinander abarbeiten, sondern müssen uns dem gleichzeitig stellen.“

Der Bosch-Chef hatte zuvor bereits vor den fatalen Folgen eines Gasembargos gewarnt, doch auch die aktuellen Krisen bergen große Risiken. „Jedes einzelne Thema birgt Risiken: Corona, der Krieg, Lieferengpässe, Inflation“, machte Stefan Hartung deutlich. „Die größte Herausforderung liegt derzeit in der Gleichzeitigkeit und besonders schwer einzuschätzen ist derzeit, wie China mit der Bekämpfung von Covid vorankommt.“ Die chinesische Wirtschaftsmetropole Shanghai hatte aufgrund steigender Infektionszahlen mehrere Lockdowns verhängt.

Das hatte beispielsweise auch Auswirkungen auf die Fabrik des E-Autobauers Tesla in der Stadt. Die Tesla-Mitarbeiter mussten wegen des Lockdowns auf dem Boden der Fabrik schlafen. „Wir kennen zeitweise Lockdowns und haben das alles auch in Europa durchgemacht“, erinnerte Bosch-Chef Stefan Hartung an die inzwischen weitgehend aufgehobenen Corona-Maßnahmen in Europa. Nun stünden aber Teile des größten und wichtigsten Markes still und es sei nicht abzusehen, wie lange. „Das treibt mich sehr um.“

Bosch-Chef: Globalisierung wird durch durch Pandemie und Krieg nicht zurückgedreht

Die Corona-Pandemie war für Deutschland, das lange Zeit ohne Inflation oder Lebensmittelknappheit ausgekommen war, ein herber Schlag - sowohl für die Unternehmen, als auch die Verbraucher. „Corona hat uns gezeigt, dass sich die Nachfrage in kurzer Zeit massiv ändern kann und dass nicht immer alles so verfügbar ist, wie wir das gerne hätten oder über Jahre gewohnt waren“, erklärte auch Stefan Hartung dem Tagesspiegel. „Versorgungsengpässe kannten wir eigentlich nicht mehr, weder als Unternehmen noch als Privatpersonen.“ Die Weltwirtschaft stehe zwar ohne Frage vor großen Herausforderungen, er sei aber davon überzeugt, dass die Globalisierung dadurch nicht zurückgedreht werde.

Eine Rückkehr zum Zustand der Weltwirtschaft, wie er vor Corona und dem Krieg war, sieht der Bosch-Chef nach eigenen Angaben aber nicht. „Es gibt nie ein Zurück in die Vergangenheit“, sagte er. „Und schon gar nicht nach Ereignissen wie Pandemie und Krieg.“ In der Pandemie hätten Mitarbeiter durch das Virus ihr Leben verloren und der Krieg sei eine humanitäre Katastrophe, in der Menschen sterben und leiden. „Und die Rahmenbedingungen sind und bleiben schwierig, auch bei der Rohstoffversorgung, bei den Energiekosten“, so Stefan Hartung. „Aber wir müssen den Blick auch nach vorne richten.“

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