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Bonita Grupp über Trigema: Qualität und zeitlose Kleidung statt modischer Fast Fashion

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Von: Sina Alonso Garcia

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Bonita Grupp
Die 33-Jährige Bonita Grupp leitet bei Trigema die Bereiche Onlinehandel und Personal. © Bernd Weißbrod/dpa

Bei der Firma Trigema aus Burladingen steht die nachhaltige Produktion im Mittelpunkt. Bonita Grupp erklärt, wieso man die Kleidung der Schwaben in puncto Optik nicht mit Fast Fashion vergleichen darf.

Burladingen - „100 Prozent Made in Germany“ - ihrem Leitspruch bleibt die Textilfirma Trigema aus dem schwäbischen Burladingen seit jeher treu. Neben Geschäftsführer Wolfgang Grupp leben auch seine Kinder Bonita (33) und Wolfgang Junior (30) den Trigema-Spirit. Wer von ihnen einmal den Vater als Geschäftsführer beerbt, ist zwar noch nicht sicher. Wo die Firma steht, wie sie sich von der Konkurrenz abhebt und wie sie es schafft, noch in Deutschland zu produzieren - das wissen die Grupp-Kinder allerdings genau. Das Selbstverständnis der Marke haben sie fest verankert und tragen es sichtbar nach außen.

„Bei uns heißt es vielleicht häufig, wir sind so ein bisschen langweilig mit unserer Mode“, sagt Bonita Grupp im Gespräch mit dem Podcast Female in Retail. „Wir sagen: Die komplett modischen Teile, diese Fast-Fashion, das sind wir einfach nicht. So ein komplett modisches Crop-Top mit krassem Druck drauf, das zieht man ein bis zwei mal an - und dann sagt man: Jetzt kann ich es nicht mehr sehen.“ Trigema hingegen setze im Sinne der Nachhaltigkeit auf Teile, „die Basic sind, die man immer wieder kombinieren kann, die nicht aus der Mode kommen - und die dann natürlich auch sehr lange halten.“

Bonita Grupp: Kunden müssen ihr Konsumverhalten überdenken

Laut Bonita Grupp, die bei Trigema die Bereiche Personal und Onlinehandel leitet, trage der Fokus auf Qualität Früchte: „ Wir haben viele Kunden, die uns schreiben: Ich habe vor fünf Jahren das T-Shirt gekauft, sieht immer noch gut aus, ist immer noch wie neu.“ Wer bei Trigema einkaufe, würde kurzfristig etwas mehr für Kleidung investieren als im Durchschnitt, profitiere jedoch langfristig davon und unterstütze zudem den Nachhaltigkeits-Gedanken. Aufgrund von Umwelt-Phänomenen wie dem Klimawandel müsse jeder Kunde ohnehin selbst sein Konsumverhalten überdenken.

Nicht nur, weil es bei Trigema um Nachhaltigkeit geht, wird es für die Firma zunehmend wichtiger, neben der älteren Stammkundschaft auch jüngere Zielgruppen zu erreichen. Noch sind die Burladinger im Bereich Influencer-Marketing und Social Media zwar noch nicht so breit vertreten, wollen sich hier jedoch „weiter herantasten“, wie Bonita Grupp betont. „Wir hatten diverse Influencer-Produkte in der Vergangenheit, die unsere Erwartungen aber noch nicht ganz getroffen haben.“ Dadurch, dass Trigema jedoch ein eigenes Marketing-Team habe, könne man „die Themen, die uns betreffen, die uns auch als Firma umtreiben, mit unseren Kunden und Fans teilen.“ Neben Facebook, Instagram und einem firmeneigenen Blog besitze Trigema seit Kurzem auch einen TikTok-Kanal.

Wir haben Mode, die wir verkaufen, aber wir haben auch Werte, die dahinterstehen.

Bonita Grupp im Podcast „Female in Retail“

Durch ein eigenes Video-Team sowie Unternehmens-interne Fotografen sei Trigema bestens gewappnet für Social-Media-Projekte. „Ich weiß, wir sind jetzt nicht die High-End-Fashion-Marke, die sich jetzt mit extrem modischen Bildern präsentiert“, sagt Bonita Grupp. „Wir sagen: Wir haben Mode, die wir verkaufen, aber wir haben auch die Werte, die dahinterstehen - und die können wir eben, gerade über Social-Media, sehr gut bespielen. Wir können den Kunden eben vor allem zeigen: Wo kommt das Produkt her, wie wird es produziert - all das, was man sonst bei H&M, Zara und so weiter nicht sehen kann.“ Bei Trigema sei der gesamte Produktionsprozess transparent, weil man „alles zeigen und alles nachverfolgen“ könne.

Trigema-Nachfolge noch nicht geklärt: „Mein Bruder und ich sehen das sehr entspannt“

Gemeinsam mit ihrem Bruder Wolfgang Junior sowie ihrer Mutter Esliabeth ist Bonita Grupp Teil der Trigema-Geschäftsführung. Wer die Nachfolge des Vaters an der Trigema-Spitze antritt, ist bislang noch nicht abschließend geklärt. Bonita sieht es gelassen: „Mein Vater ist eingetragener Kaufmann. Mein Bruder und ich können uns langfristig vorstellen, gemeinsam mit meiner Mutter in der Geschäftsführung zu bleiben. Die einzige Frage, die eben nicht geklärt ist, ist, wem das Unternehmen eben langfristig gehören sollte. Mein Bruder und ich sehen das aber sehr entspannt. Wir sehen uns als Team und sehen dem Ganzen eigentlich gelassen entgegen, weil wir sagen: Was für uns zählt, ist, dass die Firma in die nächste Generation kommt - dass wir einfach sagen, okay, jeder weiß, warum nur ein Kind die Firma langfristig besitzen sollte.“

In der Familie kenne man durchaus „langfristige Streitigkeiten aus dem Gesellschafterkreis“, so Bonita. „Und da war es meinem Vater einfach wichtig, dass er sagt, die Inhaberschaft sollte bei einem Kind liegen. Und da haben wir uns einfach noch nicht festgelegt.“ Grupp Senior hat derweil bereits Kriterien für seine Nachfolge genannt: Wie er erklärte, spiele für ihn etwa die Partnerwahl seiner Kinder eine Rolle.

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