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Besser „als ein Doktor ohne Firma“: Grupp brach Doktorarbeit ab, um für Trigema da zu sein

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Von: Sina Alonso Garcia

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Wolfgang Grupp brach Doktorarbeit ab, um für Trigema da zu sein
Der junge Wolfgang Grupp traf 1969 eine folgenschwere Entscheidung: Er brach seine Doktorarbeit ab und widmete sich komplett Trigema. © Imago/Jan Zawadil/Trigema Archiv (Fotomontage BW24)

Als er die Firma Trigema mit 27 Jahren übernahm, war Wolfgang Grupp gerade dabei, eine Doktorarbeit zu schreiben. Aus Pflichtbewusstsein gegenüber der Firma brach er diese ab und verlagerte seinen Lebensmittelpunkt wieder nach Burladingen.

Burladingen - Wer an Wolfgang Grupp denkt, denkt automatisch an Trigema. Mit seiner starken Medienpräsenz bringt der Unternehmer aus Burladingen das Textilunternehmen immer wieder ins Gespräch und zeigt, wie man heutzutage noch vollständig in Deutschland produzieren kann. Seit mehr als 50 Jahren wacht der inzwischen 80-Jährige mit Argusaugen über die Firma und überlässt keine Entscheidung dem Zufall. Von seinem Wohnhaus aus sind es nur ein paar Schritte bis zu den Trigema-Toren. Die Entscheidung, Burladingen zu seinem endgültigen Lebensmittelpunkt zu machen, fällte Grupp bereits mit 27 Jahren.

Wie Grupp gegenüber dem OMR Podcast erklärt, habe er Trigema 1969 von seinem Großvater und dessen Bruder übernommen. Grupp hatte damals gerade sein BWL-Studium abgeschlossen und arbeitete in Köln an einer Doktorarbeit. „Die Mitarbeiter raunten, der solle doch auch mal etwas tun und nicht nur High-Life in Köln machen“, so Grupp. „Die Firma hatte zehn Millionen Bankschulden.“ Dem jungen Unternehmer war bewusst, dass er eine Entscheidung treffen musste. „Dann habe ich die Doktorarbeit abgebrochen und meinem Professor gesagt: Mir ist eine Firma ohne Doktorarbeit lieber als ein Doktor ohne Firma.“

Wolfgang Grupp: Auch seine Frau Elisabeth opferte ihre akademische Laufbahn für Trigema

Nicht nur Grupp selbst brachte für seine Firma Opfer. Auch seine Frau Elisabeth, die er 1986 kennenlernte, brach als 22-Jährige ihr Medizinstudium in Graz ab, um bei ihrem Mann in Burladingen zu leben. Heute leitet die inzwischen 56-Jährige die 42 Testgeschäfte von Trigema in Deutschland.

Dass er sich von akademischen Abschlüssen nicht beeindrucken lässt, sagte Grupp bereits in mehreren Interviews. So erklärte er es gar zum „Problem, dass in Deutschland viele Abitur machen und studieren“. Der Unternehmer hält es für problematisch, dass es auf dem Arbeitsmarkt einen Überschuss an Akademikern gibt und immer weniger praktisch veranlagte Menschen. Bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter setzt Grupp auf Facharbeiter - „statt Studierte, die alles durcheinanderbringen“.

Wolfgang Grupp: Für nichts in der Welt würde er Trigema verlassen

Für nichts in der Welt würde Wolfgang Grupp mit Trigema nach Tübingen oder Stuttgart gehen oder gar Baden-Württemberg verlassen, sagte er in einem Video der Stadt Burladingen. Besonders schätze er an seinem Heimatort die Überschaubarkeit, den familiären Kontakt zu seinen Angestellten sowie die kurzen Wege zur Arbeit. Stolz sei er auch, dass er inzwischen Mitarbeiter aus 20 Nationen beschäftige - etwa Iraner, Pakistani, Syrer sowie Menschen aus der Ukraine. 

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