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Tankrabatt soll Verbraucher entlasten, Ölkonzerne profitieren von den hohen Spritpreisen

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Von: Julian Baumann

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Eine Frau hält an einer Tankstelle an einer Zapfsäule eine Zapfpistole in der Hand und betankt ein Auto.
Der Tankrabatt soll ab 1. Juni die Verbraucher entlasten. Die Ölkonzerne profitieren dagegen von den hohen Spritpreisen. © Sven Hoppe/dpa

Im Zuge des Ukraine Krieges sind die Benzinpreise extrem gestiegen. Der Tankstellenrabatt soll Verbraucher entlasten, davon profitieren aber auch die Ölkonzerne.

Stuttgart/Berlin - Die Benzinpreise sind bereits im vergangenen Jahr deutlich angestiegen. Aufgrund des Benzin-Dramas wurde sogar befürchtet, dass den Tankstellen in Baden-Württemberg der Sprit ausgehen könnte. Der am 24. Februar gestartete Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine hat die Lieferprobleme und Versorgungsengpässe noch weiter verstärkt und auch die Benzin- und Dieselpreise noch weiter in die Höhe getrieben. Stellenweise kostete ein Liter über zwei Euro. Am Mittwoch, 1. Juni, tritt der sogenannte Tankrabatt in Kraft, der die Verbraucher um 30 Cent bei Super und 14 Cent bei Diesel entlasten soll.

Eine beispielhafte Zusammenstellung des Verbraucher-Portals Vergleich.org hat allerdings ergeben, dass die Gewinne derzeit deutlich stärker steigen, als die Ölpreise. Das bedeutet konkret, dass die Ölkonzerne zwar auch mehr für das Rohöl verlangen, die Kosten für Vertrieb, Verwaltung und Transport aber ebenfalls stark erhöht wurden.

Tankrabatt ab 1. Juni: Rechenbeispiel zeigt Zusammensetzung der Dieselpreise

Die extreme Steigerung der Benzin- und Dieselpreise ist den stark gestiegenen Preisen für Öl zu verdanken. Die Zusammenstellung von Vergleich.org zeigt allerdings, dass die Ölkonzerne von den stark gestiegenen Preisen auch deutlicher profitieren. Im Oktober 2021 lag der Tankstellenpreis für einen Liter Diesel laut der beispielhaften Zusammenstellung bei ungefähr 1,50 Euro. Dieser Preis setzte sich aus dem Einkaufspreis für Rohöl (44 Cent), dem Deckungsbeitrag für Vertrieb, Verwaltung, Transport und Tankstellen-Pacht (28 Cent), den CO2-Zertifikatkosten (8 Cent), der Energiesteuer (47 Cent) und der Mehrwertsteuer (24 Cent) zusammen. Der prozentuale Anteil an Steuern lag bei 47,20, der der Handelskosten bei 52,80.

Grafiken zeigen Zusammensetzung der Dieselpreise.
Die Grafiken zeigen die Entwicklung der Zusammensetzung der Dieselpreise von Oktober 2021 bis Ende März 2022. © Vergleich.org

Am 24. März 2022, genau einen Monat nach dem Beginn des Ukraine Krieges, lag der Tankstellenpreis für einen Liter Diesel bei ungefähr 2,20 Euro. Während Fixkosten wie die Energiesteuer mit 47 Cent und die CO2-Zertifikatskosten mit 8 Cent gleich geblieben sind, lagen die Kosten für das Rohöl mit 68 Cent und der Deckungsbetrag mit 61 Cent deutlich höher. Dadurch hat sich auch die Mehrwertsteuer, die auf die Summe aus Handelspreis und Energiesteuer berechnet wird, auf 35 Cent erhöht.

Rechenbeispiel zeigt: Mit steigenden Benzinpreisen steigt Gewinn der Ölkonzerne exorbitant

Je höher die Preise für Benzin- und Diesel sind, desto höher ist demnach auch die Summe für den Deckungsbetrag. Da dieser Betrag, der sich aus den Kosten für Vertrieb, Verwaltung, Transport und der Tankstellen-Pacht zusammensetzt, variabel ist, ist laut Vergleich.org davon auszugehen, dass die Ölkonzerne in den Zeiten des besonders starken Preisanstieges besonders profitiert haben. Die oben aufgeführte Beispielrechnung zeigt, dass der Deckungsbeitrag, und damit auch die Gewinne der Ölkonzerne, bei einem Dieselpreis von 2,20 Euro pro Liter im Vergleich zu 1,50 pro Liter mehr als das Doppelte ausmacht.

Der Einkaufspreis von Rohöl richtet sich nach dem globalen Angebot und der Nachfrage und variiert deshalb täglich. Durch den Ukraine-Krieg sind die Preise zwar auch für das Rohöl deutlich angestiegen, im finalen Tankstellenpreis pro Liter machen die Deckungsbeträge aber einen beinahe ebenso großen Anteil aus. Der Tankrabatt soll ab dem 1. Juni für die Verbraucher zwar eine Entlastung bieten, das hat aber auch seine Tücken. Wie Focus Online berichtet, haben bereits viele Tankstellen ihre Preise kurz vor Inkrafttreten des Tankrabatts erhöht. Zudem ist in den ersten Tagen eine besonders hohe Nachfrage zu erwarten, die die Preise noch weiter steigen lassen könnte.

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