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Traditionsunternehmen aus Waiblingen will dem Verbrenner nicht absagen - „wird noch lange gebraucht“

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Von: Julian Baumann

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Im Stammwerk des Motorsägenherstellers Stihl werden Blasgeräte montiert.
Maschinenbauer Stihl aus Waiblingen setzt neben Akkugeräten auch weiterhin auf den Verbrenner. © Bernd Weißbrod/dpa

Ein Verbrenner-Ende wird in der Autoindustrie noch immer diskutiert. Der Maschinenbauer Stihl aus Waiblingen will dagegen weiterhin auf alle Antriebsarten setzen.

Waiblingen - In der Autoindustrie wird ein endgültiges Verbrenner-Ende noch immer hitzig diskutiert. Während der Autokonzern Mercedes-Benz ein Ende schon besiegelt hat und ab 2030 nur noch E-Autos bauen will, sind VW und BMW noch zögerlicher. Der Autobauer Porsche arbeitet dagegen an einem synthetischen Kraftstoff, um Verbrenner-Motoren CO2-neutral zu machen. Verbrenner kommen aber nicht nur in Autos und anderen Fahrzeugen zum Einsatz, sondern werden beispielsweise auch zum Betrieb von Motorsägen verwendet.

Das Industrieunternehmen Stihl mit Hauptsitz in Waiblingen ist in über 160 Ländern aktiv und gilt als Weltmarktführer bei der Herstellung von Motorsägen. Das Familienunternehmen entwickelt, fertigt und vertreibt motorbetriebene Geräte für die Forstwirtschaft, Garten- und Landschaftspflege und die Bauwirtschaft. Obwohl es einige dieser Maschinen bereits als Akkugeräte gibt, will Stihl sich nicht vom Verbrenner lossagen, sondern auch weiterhin auf alle Antriebsarten setzen, wie Vorständin Anke Kleinschmit den Stuttgarter Nachrichten sagte.

Maschinenbauer Stihl: „Wir bauen Akku noch stärker aus, ohne beim Verbrenner nachzulassen“

Die Transformation hin zu einer CO2-neutralen Produktion ist in der gesamten Wirtschaft zu spüren, auch bei Stihl. Das Unternehmen hat sich in den vergangen drei Jahren stark verändert, wie Vorständin Anke Kleinschmit erklärte, die zuvor beim Autobauer Mercedes-Benz beschäftigt war. „Unser Produktportfolio hat sich in den vergangenen Jahren spürbar verändert“, sagte sie. „Es gibt deutlich mehr Geräte, die von einem Akku und nicht mehr von einem Verbrennungsmotor angetrieben werden.“

Dennoch entwickelt Stihl neben den Akkugeräten noch immer Maschinen mit Verbrennermotor und will sich auch in Zukunft nicht davon lossagen. „Das liegt auch daran, dass es für Produkte wie unsere noch keine entsprechenden Anforderungen gibt“, erklärte Anke Kleinschmit den Stuttgarter Nachrichten. „Abgesehen davon werden Sägen und andere Geräte mit Verbrennungsmotor von unseren Kundinnen und Kunden noch lange gebraucht werden.“ In abgelegenen Gegenden mache es beispielsweise einen Unterschied, ob ein Waldarbeiter mehrere Ersatzakkus oder ein Kännchen Sprit dabei habe. „Wir bauen Akku noch stärker aus, ohne beim Verbrenner nachzulassen.“

Stihl: Moderne Motoren sollen CO2-Emissionen beim Verbrenner reduzieren

In der Autoindustrie sollen nicht nur die Fahrzeuge selbst, sondern auch deren Herstellung CO2-neutral werden. Bei den Benzin-betriebenen Geräten von Stihl entstehen die Emissionen dagegen vor allem bei der Nutzung. „Darum arbeitet Stihl kontinuierlich an Verbesserungen, um einen umweltfreundlicheren Betrieb der Geräte zu erreichen“, sagte Kleinschmit. Demnach reduziert das Unternehmen durch moderne Motoren die Emissionen der Verbrenner und entwickelt zudem synthetische Kraftstoffe. „Außerdem bieten wir schon heute einen eigens entwickelten Kraftstoff an, von dem dieses Jahr eine neue Generation auf den Markt kommt.“

Mit diesem von Stihl entwickelten Kraftstoff könne eine Verbesserung der CO2-Emissionen um acht Prozent erreicht werden. „Der Anteil unserer Akku-Geräte, die lokal schon emissionsfrei arbeiten, liegt bei 19 Prozent und wächst von Jahr zu Jahr“, sagte Anke Kleinschmit. Aktuell ist bei dem Familienunternehmen aus Baden-Württemberg ein großer Wandel im Gange. Stihl wirbt intensiv um Spezialisten, die auch bei anderen Unternehmen derzeit hoch im Kurs stehen. „Stihl sucht zum Beispiel Experten und Expertinnen für die Bereiche Software, Embedded Systems, Robotik, Akku und Elektronik“, erklärte die Vorständin. „Das sind Kernkompetenzen, die wir benötigen, weil sich Stihl vom klassischen Maschinenbau- zum Mechatronik- und Softwareunternehmen wandelt.“

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