Lieferstopp aus Russland

Zehntausende Arbeitsplätze in Gefahr - Gasembargo würde vor allem Baden-Württemberg enorm treffen

Der Mercedes-Stern auf einem Werk des Autokonzerns.
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Ein Gaslieferstopp Russlands hätte fatale Folgen für Baden-Württemberg - besonders für das wirtschaftsstarke Stuttgart.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Würde Russland die Lieferung von Gas einstellen, hätte das für die Wirtschaft fatale Folgen. Laut einer Studie wäre Baden-Württemberg besonders davon betroffen.

Stuttgart - Als Reaktion auf den Angriffskrieg auf die Ukraine haben die Mitgliedstaaten der EU Russland mit schweren Sanktionen belegt. Seitdem befürchtet die europäische Wirtschaft, dass Russland im Gegenzug die Lieferung von Erdgas vollständig einstellen könnte. Ein Gaslieferstopp hätte fatale Auswirkungen für die Autoindustrie. Die Chefs des Autokonzerns Mercedes-Benz, Ola Källenius, und des Autozulieferers Bosch, Stefan Hartung, warnten bereits vor den Folgen eines Gasembargos. Da die Wirtschaft in Baden-Württemberg zu einem großen Teil von der Autoindustrie getragen wird, wären die Folgen für den Südwesten deutschlandweit am gravierendsten.

Gaslieferstopp würde Baden-Württemberg enorm treffen

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) hat in einer umfangreichen Studie berechnet, wie stark sich ein Gasembargo auf die einzelnen Bundesländer, Landkreise und Gemeinden auswirken würde. „Falls die privaten Haushalte und, solange die Vorräte reichen, auch die Unternehmen nicht rationiert werden, dürften ab dem Jahreswechsel 2022/2023 die Speicher aufgezehrt sein“, heißt es in einer Mitteilung zu der Studie. Durch eine Kürzung der Gasmengen in den einzelnen Industriezweigen entstünden deutliche Wertschöpfungsverluste. Baden-Württemberg wäre laut dem IWH mit einem Verlust von 7,7 Prozent stärker betroffen, als alle anderen deutschen Bundesländer.

Nach aktuellem Stand ist die Versorgung mit Gas in Deutschland dem Bundeswirtschaftsministerium zufolge noch gewährleistet. Der größte Energiekonzern im Südwesten zeigte sich jedoch deutlich weniger optimistisch. Die EnBW zog eine düstere Gaspreis-Prognose wegen des Kriegs in der Ukraine. Sollte Russland, als wichtigster Lieferant von Erdgas für den europäischen Kontinent, die Lieferungen vollständig einstellen, hätte das fatale Folgen für ganz Deutschland. Der südliche Teil der Bundesrepublik wäre laut dem IWH aber am schlimmsten betroffen.

So stark wären die Land- und Stadtkreise in Baden-Württemberg von einem Gasembargo betroffen

„Wo das verarbeitende Gewerbe eine besonders hohe Wertschöpfung erzielt, etwa in etlichen Kreisen und Städten Süddeutschlands, ist auch mit besonders hohen Wertschöpfungsverlusten zu rechnen“, sagt Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident am IWH. Basierend auf der Basis der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen der Länder würde Baden-Württemberg bei der Bruttowertschöpfung einen Verlust von 35,5 Milliarden Euro (7,7 Prozent) und Bayern einen Verlust von 38,6 Milliarden Euro (6,9 Prozent) erleiden.

Das IWH hat die Folgen für die einzelnen Land -und Stadtkreise in Deutschland anhand der jeweiligen Wirtschaftsstruktur berechnet. So stark wären die Kreise in Baden-Württemberg von einem Gasembargo betroffen:

Baden-Württemberg: Wirtschaft in Stuttgart wäre von einem Gaslieferstopp am stärksten betroffen

Laut der IWH-Studie wären bestimmte Städte in Deutschland besonders von einem Gaslieferstopp Russlands betroffen. Das Institut listet Wolfsburg mit einem Beschäftigungsverlust von minus 9,8 Prozent und Salzgitter mit minus 8,9 Prozent auf. In Wolfsburg hat der VW-Konzern, der zweitgrößte Autohersteller der Welt, seinen Hauptsitz und in Salzgitter ist beispielsweise die Salzgitter AG, ein bedeutender Stahlkonzern, ansässig. Aus den IWH-Berechnungen lassen sich zudem auch die Folgen eines Gasembargos für die Bruttowertschöpfung und die Erwerbstätigen in den größten Städten Baden-Württembergs entnehmen:

Stadt Bruttowertschöpfung Erwerbstätige
Stuttgart- 3,801 Milliarden Euro - 32.824
Mannheim - 1,359 Milliarden Euro - 15.748
Karlsruhe- 1,180 Milliarden Euro - 13.951
Freiburg im Breisgau- 0,628 Milliarden Euro - 9.440
Heidelberg - 0,455 Milliarden Euro - 6,395
Heilbronn- 0,404 Milliarden Euro - 5.822
Ulm- 0,623 Milliarden Euro - 8.001
Pforzheim - 0,328 Milliarden Euro - 5.324

(Quelle: IWH)

Aus der Tabelle lässt sich entnehmen, dass Städte mit einer besonders starken Wirtschaftskraft besonders von einem Gasembargo betroffen wären. Spitzenreiter ist wenig überraschend Stuttgart, wo unter anderem Mercedes-Benz und Bosch ihren Hauptsitz haben. Insgesamt wäre eine Einstellung der Gaslieferungen aus Russland für die Wirtschaft im Südwesten fatal.

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