Ungewohnte Resignation

„Wenn ich morgen umfallen würde, wäre es mir recht“: Wolfgang Grupp bestürzt mit Aussage

Wolfgang Grupp sitzt in einem Sessel
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Trigema-Chef Wolfgang Grupp schockierte mit einer Aussage in der SWR Landesschau: „Wenn ich morgen umfallen würde, wäre es mir recht.“
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Trigema-Chef Wolfgang Grupp hat in seiner Firma derzeit mit starken Auswirkungen des Ukraine-Kriegs zu kämpfen. Das setzt dem Multimillionär offenbar zu.

Burladingen - Trigema-Chef Wolfgang Grupp gilt eigentlich nicht als einer, der schnell das Handtuch wirft. Statt die Produktion seiner Textilfirma wie viele andere ins Ausland zu verlegen, hat der Firmen-Patriarch stets den Grundsatz „100 Prozent made in Germany“ gewahrt. Auch mit 80 Jahren denkt der Unternehmer nicht daran, den Chefsessel bei Trigema zu räumen - und macht immer wieder mit markigen Zitaten von sich reden. Eine aktuelle Aussage Grupps passt allerdings so gar nicht in das Bild, das man von dem agilen Unternehmer hat. In der SWR Landesschau sagte Grupp: „Wenn ich morgen umfallen würde, wäre es mir recht.“

Wolfgang Grupp wirkt ungewohnt resigniert und würde Ausscheiden bei Trigema wenig bedauern

Aufhänger für das Gespräch in der Landesschau: Die tiefe Krise, in der Trigema aufgrund des Ukraine-Kriegs derzeit steckt. Explodierende Rohstoffe und Energiepreise treiben die Produktionskosten in die Höhe. So sind die Gaskosten laut Grupp zuletzt um das Neunfache in die Höhe geschossen - von 100.000 auf 900.000 Euro im Monat. Die Nachtschicht hat er deshalb schon eingestellt. Ungewohnt resigniert deutet der Firmenchef nun daraufhin, dass er sein Ausscheiden in der jetzigen Situation wenig bedauern würde.

Bestürzt richtet sich Landesschau-Moderator Jürgen Hörig an den Trigema-Chef: „Herr Grupp, wir kennen uns nun schon einige Jahre - Sie waren öfter hier - aber das habe ich aus Ihrem Mund jetzt auch noch nie gehört. Dass Sie sagen: Wenn morgen Gott mich holt, dann ist es mir recht.“ Grupp gibt sich gelassen: „Ja gut, in meinem Alter ist das ja nicht anormal.“ Der Moderator wirft ein: „Aber deshalb haben Sie es nicht gesagt!“ Grupp antwortet: „Nein, aber ich möchte nur sagen, wir haben ja jetzt zwei Jahre Corona hinter uns und hofften immer, dass es dann wieder normal wird. Und jetzt kommt dieser verrückte Krieg und die Zeit ist wirklich nicht so, dass man sagt, das ist erstrebenswert, dass man das lange mitmacht.“

Trigema-Chef Grupp spricht sich klar für Gasimporte aus Russland aus

Beinahe scherzhaft fügt Grupp hinzu: „Ein anderer bestimmt ja, wie lange ich lebe. Und wenn er vorhat, mich zu holen, dann bin ich bereit.“ Hintergrund für seine melancholische Stimmung ist offenkundig die dramatische Situation in seinem Unternehmen. Während die Gaskosten ins Unermessliche steigen, kann er die Produktionskosten nicht senken. Im Ernstfall sei Kleidung zudem ein Produkt, auf das die Verbraucher am ehesten verzichten könnten, da sie bereits genug davon hätten.

Ein anderer bestimmt ja, wie lange ich lebe. Und wenn er vorhat, mich zu holen, bin ich bereit.

Wolfgang Grupp

In Anbetracht des wirtschaftlichen Desasters, in das Trigema zu schlittern droht, positioniert sich Grupp klar in Hinblick auf Gasimporte aus Russland. „Die Wirtschaft braucht sie“, sagt er. In Krisenzeiten vertraue er allerdings nicht auf die Politik. Diese habe ihn nun in eine Lage gebracht, für die er nichts könne und für die er jetzt als Person mit seinem Privatvermögen hafte. „Wenn andere eine Situation falsch eingeschätzt haben, ist das natürlich sehr schwierig. Da habe ich spontan gesagt: Wenn man mir solche Bedingungen auferlegt und die Gaspreise explodieren, weil andere eine Fehlentscheidung getroffen haben, dann müsste ich natürlich, um auch meine Familie zu schützen, die Firma in eine GmbH wandeln - dann ist die Haftung weg.“

Wolfgang Grupp: „Ich habe immer noch die Hoffnung, dass wir vernünftig bleiben“

Im Gespräch mit Jürgen Hörig erklärt Grupp: „Ich sag mal, wenn es ganz gravierend wird, und da wir 100 Prozent Eigenkapital haben und keine Bankschulden, kann ich innerhalb von zwei Tagen die Rechtsform ändern.“ Noch sei es jedoch nicht so weit. „Ich habe immer noch Hoffnung, dass wir vernünftig bleiben und dass wir auch berücksichtigen, dass eine Umstellung nicht von heute auf morgen gehen muss.“ So leid es ihm um die Ukraine tue, frage er sich, „ob wir den Krieg mit mehr Diplomatie nicht hätten verhindern können.“

Die Abhängigkeit Deutschlands von Russland vergleicht Grupp mit einer wirtschaftlichen Beziehung von Kunden und ihrem Abnehmer. Wie er betont, würde er sich als Unternehmer nie auf einen einzigen Kunden verlassen. „Ich kann der Politik keine Vorwürfe machen. Aber wenn ich mich an einen Kunden binden würde, der 80 bis 90 Prozent meiner Produktion abnimmt, dann müsste ich eine gewisse Sicherheit haben, dass das eine faire Partnerschaft ist. Und bevor ich diesen Kunden sozusagen hinausschmeiße oder mit ihm Krieg führe, würde ich zu dem Spiel gute Miene machen und sagen: Ich muss mir langsam andere Kunden aufbauen. Und wenn ich eine gewisse Autarkie habe, dann kann ich mit ihm den Krieg richtig durchführen und kann sagen, ich beliefere ihn nicht mehr.“

Wolfgang Grupp: „Meine Mitarbeiter sind auch bereit, in schwierigen Zeiten zur Firma zu stehen“

Trotz der Krise zeigt sich Grupp zufrieden, was den Zusammenhalt im Unternehmen betrifft: „Meine Mitarbeiter sind auch bereit, in schwierigen Zeiten zur Firma zu stehen. Und dieses Miteinander hat uns auch in der Vergangenheit viele Probleme lösen lassen. Und deshalb stehe ich zu meinen Mitarbeitern - anlässlich meines 80. Geburtstags hat jeder Mitarbeiter tausend Euro bekommen. Das ist bei uns ein Miteinander. Sie haben sich gefreut und ich habe mich gefreut. So hoffen wir, dass wir auch in Zukunft die schwierigen Zeiten hinter uns bringen.“

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Kommentare

agnes delius
(1)(0)

Lieber Herr Grupp, Sie lenken ab. Klar haben die Regierungen der letzten Jahrzehnte das Land in Energieabhängigkeit gebracht. Aber haben Sie nicht ihr Unternehmen abhängig von billigem Gas gemacht und lamentieren jetzt darüber? Ihr Unternehmen hat genug Gewinne erbracht, um die längst vorhandenen Technologien zur weitgehend autarken Energieversorgung zu installieren. Schließlichn sind Gas und Öl bei Ihnen nur Betriebs- und keine Rohstoffe.
Sie müssen sich auch den Vorhalt gefallen lassen, dass Sie ds Unternehmen nur einseitig auf die Produktion in Deutschland ausgerichtet haben. Das ist genauso ungesund wie eine Produktion nur im Ausland oder, um Ihren hinkenden Vergleich mit dem 90%-Kunden aufzugreifen, aufzugreifen, Sie haben das Unternehmen von einem Gaslieferanten abhängig gemacht.
Sie irren auch in der Behauptung, mit einer Änderung der Rechtsform in wenigen Tagen aus der Privathaftung heraus zu sein. Wenn Ihre Berater Ihnen so etwas erzählen, sollten Sie mal eine zweite sachverständige Meinung einholen. So einfach ist es nicht.