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Wirtschaftsexpertin verteidigt hohe Ansprüche junger Arbeitskräfte: „Persönliche Entfaltung“ ist wichtig

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Von: Sina Alonso Garcia

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Junger Bewerber im Gespräch mit Personalern
Die Anforderungen junger Bewerber an Unternehmen haben sich verändert. Eine IHK-Expertin ist der Meinung, dass die Firmen dem standhalten müssen (Symbolbild). © Daniel Ingold/Imago

Junge Bewerber stellen heutzutage hohe Ansprüche an potenzielle Arbeitgeber. Laut einer IHK-Expertin sollten Unternehmen die Bedürfnisse ernst nehmen und sich entsprechend flexibel zeigen.

Karlsruhe - Sein Statement schlug hohe Wellen: Als Europa-Park-Chef Roland Mack kürzlich die Ansprüche junger Bewerber an ihre „Work-Life-Balance“ kritisierte, erntete er dafür viel Zustimmung. Die Beobachtung, dass vielen jungen Menschen ihr Privatleben wichtiger sei als das Berufsleben, konnten offenbar viele bestätigen. Macks zentraler Kritikpunkt: „Da kommen 25-Jährige und wollen nur drei Tage arbeiten. Dabei haben die das ganze Leben noch vor sich, könnten hier was werden, Verantwortung übernehmen, Karriere machen.“

Neben Zuspruch musste Mack für seine klaren Worte auch Kritik einstecken. Arbeitsmarktexperten halten seine Ansicht für veraltet - so auch Wencke Kirchner, Geschäftsleiterin für den Bereich Aus- und Weiterbildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Karlsruhe. „Es gibt sehr große Unterschiede zwischen den Anforderungen, die die Baby-Boomer-Generation an die Arbeitswelt hatte und dem, was die Generation X, Y oder Z wünscht“, so Kirchner gegenüber den Badischen Neuesten Nachrichten (BNN). Der berufliche Erfolg, den die Älteren damals angestrebt haben, sei für die jungen Arbeitnehmer heute nicht mehr so wichtig. „Bei den jungen Auszubildenden geht es eher um private Zufriedenheit, Familie und die persönliche Entfaltung.“

IHK-Ausbildungsexpertin: „Mobiles Arbeiten ist den jungen Leuten wichtig - und eine gewisse Flexibilität“

Mack kritisierte nicht nur das gewünschte Arbeitspensum, sondern auch die Forderung junger Bewerber nach Homeoffice. Dieses empfinde er als „riesiges Problem“. „Nicht strukturell, denn das wäre für viele möglich, aber wenn ich an die Gleichbehandlung denke: Das geht einfach nicht.“ Auch Trigema-Chef Wolfgang Grupp erklärte kürzlich, dass er nichts von Homeoffice halte. Darin erkennt die IHK-Expertin ein nicht zeitgemäßes Denken: „Viele wünschen sich von einem Betrieb, dass er ihnen Perspektiven zur Weiterentwicklung und persönlichen Entfaltung bietet.“ Außerdem werde bei der Auswahl des Ausbildungsbetriebs viel Wert auf Unternehmenskultur gelegt. „Mobiles Arbeiten ist den jungen Leuten wichtig - und eine gewisse Flexibilität.“

Ein weiterer Kritikpunkt des Europa-Park-Chefs: Fehlende Leistungsbereitschaft auf Seiten der Bewerber. Während für diese die Arbeit nur ein Nebenaspekt sei, sei für ihn selbst der Europa-Park wie eine Droge. So habe er sein ganzes Leben lang keine Hobbys aufgebaut, weil sein Hobby die Arbeit sei. Risiken zu übernehmen, empfinde er nicht als Last. „Es ist mein Leben. Ob in den Ferien oder daheim beim Nachtessen.“ Auch hier muss IHK-Expertin Kirchner einhaken: „Sich über die Maßen hinaus zu engagieren, ist eine Anforderung der älteren Generation, die die heutige nicht mehr nachvollziehen kann“, sagt sie. „Im Bereich der Ausbildung kommt es vor allem darauf an, die Bewerber und deren Vorstellungen ernst zu nehmen.“

Europa-Park-Chef Roland Mack: Hat er unzeitgemäße Vorstellungen? IHK-Expertin klärt auf

Zu schaffen macht Roland Mack laut eigenen Angaben auch, dass selbst die Erhöhung der Löhne im Europa-Park nicht zu einer höheren Anzahl an Bewerbern geführt hätte. „Wir zahlen ja schon weit über dem Mindestlohn und haben die Löhne nun nochmals angehoben. Aber das hilft nicht, wenn die erste Frage ist: Muss ich am Wochenende arbeiten?“, stellt er resigniert fest. Auch hierfür findet IHK-Expertin Wencke Kirchner eine Erklärung: Geld sei „nur ein Faktor von vielen“. Stattdessen betont sie: „Manchmal sind es kleine und praktische Dinge, die einen großen Unterschied in der Attraktivität eines Unternehmens machen können.“

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