„Ziemlich unseriös“

Schneemassen wegen La Niña? Wetter-Experte räumt mit Prophezeiungen zu Jahrhundertwinter auf

  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Einige haben dem Wetter in Deutschland einen „Jahrhundertwinter“ wegen des Wetterphänomens „La Niña“ vorausgesagt. Einen Experten verärgert das.

Stuttgart - Zumindest kurze Zeit konnten sich die Menschen in der Landeshauptstadt Stuttgart und Baden-Württemberg über Schnee freuen. Leider blieb dieser vielerorts nicht liegen. Vom sogenannten „Jahrhundertwinter“, den viele prophezeit hatten, ist bislang keine Spur. Das Wetter in Deutschland werde bald vom Wetterphänomen „La Niña“ heimgesucht, hieß es überall. Erst kürzlich ließen die Prognosen zum Jahrhundertwinter wegen La Nina einen Experten toben. Jetzt tritt er nochmal auf den Plan und rechnet mit den ominösen Vorhersagen ab. Er habe noch nie an einen Jahrhundertwinter 2020 und 2021 mit weißen Weihnachten geglaubt, sagt Diplom-Meteorolge Dominik Jung. Dafür nennt er auch Argumente.

Wetter in Deutschland: Jahrhundertwinder? Ein Experte stellt sich gegen diese ominöse Vorhersage

Viele sprachen von einem kalten Jahrhundertwinter, der uns im Jahr 2021 heimsuchen wird - und begründeten ihn mit dem Wetter-Phänomen „La Niña“ - spanisch: das kleine Mädchen. Verschieden Experten behaupteten, das Phänomen „La Niña“ sei zu „90 Prozent wahrscheinlich“ und bringe üblicherweise reichlich Schnee.

„Schon vor Wochen haben wir über diesen ominösen Jahrhundertwinter gesprochen“, sagt Dominik Jung in einem Beitrag auf wetter.net. „Wir haben damals schon gesagt: Das ist alles ziemlich unseriös. Aufgrund des Wetter-Phänomens la Niña einen Jahrhundertwinter auszurufen, ist sehr gewagt.“ Das aktuell nass-kalte Wetter in Deutschland jedenfalls erweckt keinen Anschein auf bevorstehende Schneemassen.

Wetter in Deutschland: Meteorologe ärgert sich über Prognosen eines „Jahrhundertwinters“

Dass einige Experten schon Anfang Dezember von Schnee an Weihnachten sprechen, ist für Meteorologe Dominik Jung „völliger Blödsinn“, wie er in dem Video auf wetter.net erklärt. „Man kann jetzt noch keine Wetter-Prognose für den 24., 25. oder 26. Dezember abgeben“, ärgert sich der Meteorologe. Er verweist darauf, dass ein angeblicher „Jahrhundertwinter“ fast jedes Jahr angekündigt wird, in den wenigsten Fällen aber auch wirklich eintritt. „Jedes Jahr dasselbe Gedöns, jedes Jahr ein Jahrhundertwinter.“ Das Jahr 2019, in dem ebenfalls ein Jahrhundertwinter angekündigt war, entpuppte sich sogar als zweitwärmstes Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. „Das war vielleicht ein Jahrhundertwinter in einem sehr warmen Sinn“, scherzt Jung.

„Es bleibt dabei. In Europa soll der Winter rund ein bis zwei Grad zu warm ausfallen, Richtung Osteuropa sogar drei Grad zu warm“, betont Meteorologe Dominik Jung. Von einem kalten Winter sei „weit und breit nichts zu sehen.“ Jung begrüßt stattdessen den wohl eher nassen Winter, der die anhaltende Trockenheit lindern könnte. Es wird für das Wetter in Deutschland also eher ein Rekord-warmer Winter.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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