Kein „Arctic Outbreak“ in Deutschland

Wetter: Der Winter spielt verrückt - „100 Grad Temperaturunterschied“

  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Schnee in Tunesien und Italien, extreme Minustemperaturen in Russland. Nur dem Wetter in Deutschland bleibt der Winter weiterhin fern.

Stuttgart - Die Kälte hält sich bisher von Deutschland fern. Weder Schnee noch Eis prägen aktuell das Wetter in Deutschland. Ist der Winter denn schon vorbei? Laut dem amerikanischen Wetterdienst NOAA ist der Frühlingsstart schon in Sicht. Dabei wurde laut Dominik Jung, Meteorologe bei wetter.net, in den vergangenen Wochen immer wieder über einen „Arctic Outbreak“, also einen Vorstoß arktischer Kaltluft bis weit in südliche Breiten, spekuliert.

Doch anstatt Deutschland Winterwetter zu bringen, liegt dieser Arctic Outbreak aktuell über Nordamerika und reicht bis nach Kanada und den Norden der USA. „In Kanada wurden Temperaturen von bis zu -52 Grad gemessen“, sagt Dominik Jung. Weiter südlich stellen sich diesen frostigen Verhältnissen andere Extreme entgegen: In Argentinien herrschen aktuell Temperaturen von bis zu 48 Grad plus. „Satte 100 Grad Temperaturunterschied“, sagt der Wetterexperte. Solche Extreme kommen daher zustande, da in Nordamerika aktuell Winter, in Südamerika hingegen Sommer ist. Dennoch sind die Temperaturunterschiede eine Hausnummer, schreibt wetter.net.

In Mitteleuropa ist die Wetterlage unterdessen sehr entspannt. In Deutschland liegen die Temperaturen im positiven Bereich und das Hochdruckgebiet „Carlos“ ist vorherrschend. Wird es also gar nicht mehr kalt? „Der Winter wäre nicht weit weg“, meint Dominik Jung dazu. Doch erreichen wird uns die Kälte wohl nicht.

Wetter in Deutschland: Schnee in Tunesien und Italien, milde Temperaturen in Deutschland

Während bei uns milde Temperaturen herrschen, sieht es in Osteuropa ganz anders aus. „In Russland liegen die Tageswerte aktuell bei -15 bis -25 Grad. Nachts rauscht das Thermometer auf -40, teilweise -45 Grad in den Keller“, sagt Dominik Jung. Bei uns unvorstellbar. Der Winter 2021/2022 ist seit dem 1. Dezember 2021 bisher 2,5 Grad wärmer als das dreißigjährige Klimamittel. Auch der Januar 2022 ist bisher weit über dem Vergleichswert. Bis zum 11. Januar lag die Temperatur 4,7 Grad über dem Klimamittel. Zugleich ist das Niederschlagssoll bereits zu 60 Prozent erfüllt, so der Meteorologe.

Anstatt in Deutschland Winterwetter zu bringen, liegt der „Arctic Outbreak“ aktuell über Nordamerika und reicht bis nach Kanada und den Norden der USA. Dort wurden Temperaturen von bis zu -52 Grad gemessen (Symbolbild).

Auch in der kommenden Woche vom 17. Januar bleibt die Kälte Deutschland fern. Die Temperaturen sind bei 2 bis 7 Grad weiterhin mild. In Südeuropa ist es unterdessen winterlich, in Rom fiel am 12. Januar Schnee. Nicht nur in Italien fielen Flocken, auch in Tunesien hat es zuletzt am Sonntag (9. Januar) viel Schnee gegeben. „Man hat so ein bisschen das Gefühl, überall um uns herum ist Winter, nur in Deutschland ist es relativ mild“, sagt Dominik Jung.

Prognose: Das Wetter im Januar bleibt mild und wechselhaft - „Wintereinbruch eher unwahrscheinlich“

Genauso mild geht es im Januar beim Wetter in Deutschland weiter. Bis zum 28. Januar liegen die Temperaturen laut Ensemble-Vorhersage in der Mitte Deutschlands immer über 0 Grad. Der Januar 2022 fällt damit wenig winterlich aus.

In der kommenden Woche vom 17. Januar ist laut Dominik Jung „kein Arctic Outbreak“ zu erkennen. Dem Diplom-Meteorologen zufolge wird es wechselhafter, doch große Niederschlagssummen sind nicht in Sicht. „Auch kein dramatischer Dauerfrost“, so Dominik Jung. „Hier und da gibt es nachts unter 0 Grad, ab und zu ein paar kurze Schneeschauer. Aber der große Wintereinbruch ist auch nächste Woche eher unwahrscheinlich.“ Für eine Rückkehr des Winters gibt es somit keine großen Chancen.

Rubriklistenbild: © Bernd März/dpa

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