Nass und kalt

Wetter: Schafskälte kann mitten im Sommer Temperaturen stark fallen lassen

Ein Mann sitzt unter seinem Regenschirm an einem Badesee.
+
Häufig wird der Kälteeinbruch durch die Schafskälte von einem Tiefdruckgebiet begleitet, das Regen nach Deutschland bringt. Somit wird es nass und kalt (Symbolbild).
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
    schließen

Im Juni erwartet man sommerliche Temperaturen und Sonnenschein. Doch ein Kälteeinbruch kann selbst dann noch eintreten. Das sagen die Prognosen zur „Schafskälte“ 2022.

Stuttgart - Sonne satt und T-Shirt-Wetter: Den Juni verbinden die meisten mit dem ersten Sommermonat. Denn nicht nur die Temperaturen steigen auf sommerliche Werte, auch kalendarisch und meteorologisch wird die heißeste Zeit des Jahres eingeläutet. Am 1. Juni fällt der Startschuss für den meteorologischen Sommer, drei Wochen später, am 21. Juni, beginnt der kalendarische. An Frost und Kälte mag man spätestens dann nicht mehr denken.

Wetter in Deutschland: Schafskälte lässt Temperaturen oftmals in den Keller stürzen

Doch ein Kälteeinbruch ist beim Wetter in Deutschland auch im Juni noch möglich. Die sogenannte „Schafskälte“ hat ihren Namen schließlich nicht umsonst: Da sich Schäfer vor einem Temperatursturz fürchten, scheren sie die Schafe meist erst Ende Juni. Denn für bereits geschorene Schafe können zu niedrige Temperaturen lebensbedrohlich sein. Wie der Name bereits vermuten lässt, ist die „Schafskälte“ auf eine alte Bauernregel zurückzuführen. Lange bevor es Wettermodelle oder Langzeitprognosen gab, verließen sich Bauern und Hirten auf ihre Erfahrungen. Und die besagten, dass Kälte im Juni keine Seltenheit ist - auch 2022?

Das Phänomen der Schafskälte lässt sich einfach erklären. Nicht selten macht sich im Juni kalte Polarluft auf den Weg nach Europa und somit auch nach Deutschland. Der Grund: Land- und Wassermassen erwärmen sich unterschiedlich schnell. So erwärmen sich Meere viel langsamer als Landflächen. Die großen Temperaturgegensätze fördern die Bildung von kräftigen Tiefdruckgebieten. Tritt der Fall ein, dass Deutschland am westlichen Rand des Tiefdruckgebietes liegt, dreht die Strömung auf Nord. Dadurch wird die polare Kaltluft aus dem hohen Norden nach Mitteleuropa gelenkt. 

Schafskälte: Temperaturen unter 10 Grad im Sommer sind möglich

„Das ist dann oft nochmal eine empfindliche Abkühlung. Die Temperaturen gehen dann oftmals unter die 20-Grad-Marke zurück“, sagt auch Andreas Machalica, Meteorologe bei wetter.com. Diese Kaltluft lässt die Temperaturen des Öfteren bis unter 10 Grad sinken. Von sommerlichen 25 Grad ist dann keine Spur mehr. Häufig wird der Kälteeinbruch zudem von einem Tiefdruckgebiet begleitet, das uns Regen in Deutschland bringt. Nass und kalt - eine richtige Schafskälte eben.

Wie auch die Eisheiligen im Mai ist die Schafskälte im Juni eine sogenannte meteorologische Singularität. Das heißt, dass diese Wetterphänomene alljährlich im gleichen Zeitraum stattfinden. Die Schafskälte tritt meist zwischen dem 5. und 20. Juni ein. Vorbei ist die Schafskälte meistens um den kalendarischen Sommeranfang, der dieses Jahr auf den 21. Juni fällt. Die Intensität der Kaltlufteinbrüche nimmt mit zunehmenden Temperaturen und im weiteren Verlauf des Sommers deutlich ab.

Kälteeinbruch bis unter 15 Grad - droht 2022 eine Schafskälte?

Selten ist die Schafskälte in Deutschland keinesfalls, sagt Meteorologe Machalica. 2010 und 2016 fiel die Schafskälte besonders hart aus, 2010 rutschten die Temperaturen zeitweise sogar unter 15 Grad. 2016 gab es eine kräftige Erwärmung im Mai, ehe die Werte plötzlich unter 15 Grad rutschten. „Das ist in vielen Jahren der Fall“, erklärt Andreas Machalica. Es hat sogar schon Jahre gegeben, da hat die Schafskälte in den Mittelgebirgen nochmal Schnee gebracht, sowie einen Wintereinbruch in den Alpen verursacht.

Ganz sicher lässt sich noch nicht vorhersagen, ob wir 2022 mit einer Schafskälte rechnen müssen. Jedoch sagen die Wettermodelle des amerikanischen Wetterdienstes NOAA, sowie des europäischen Wetterdienstes viel zu hohe Temperaturen für den Juni voraus. Zudem soll es weiterhin trocken bleiben. Ein Trend, der vor wenigen Monaten bereits begonnen hat: Der März 2022 war viel zu trocken und zu sonnig, auch im April ist zu wenig Regen gefallen.

Die Eisheiligen im Mai fallen dieses Jahr aus und bescheren uns stattdessen „Schweißheilige“. Laut NOAA soll sich die Trockenheit im Juni fortsetzen. Momentan sieht es also ganz danach aus, als würde auch die Schafskälte ausfallen. Im Juni 2021 blieb Deutschland ebenfalls davon verschont. Stattdessen gab es über mehrere Wochen Hitze und viel Regen.

Kommentare