Konzentration von Methan

Wetter: Hitze in Sibirien lässt Eisböden schmelzen und gefährliche Gase austreten - weltweite Bedrohung

Waldbrand in Russland
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Gefahr durch enorme Hitzewelle: Das Wetter in Russland bringt den Permafrost zum Tauen, wodurch große Mengen klimawirksames Methan freigesetzt werden.
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    VonValentin Betz
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Der Klimawandel wird meist mit dem Ausstoß von Kohlenstoffdioxid verbunden. Doch es gibt noch andere Gase, die zur Erderwärmung beitragen. In Russland bereitet jetzt freigesetztes Methan Sorgen.

Bonn/Norilsk - Das Wetter in Deutschland spielt derzeit verrückt. Bislang verliefen viele Monate des Jahres untypisch und Wetterereignisse fielen gravierender aus als gewohnt. So sorgten Unwetter in Deutschland in weiten Teilen des Landes für Hochwasser und schlimme Überflutungen.

Experten sind sich einig, dass solche Wetterlagen zunehmen werden. Eine Studie warnt vor extremen Ereignissen als „Bedrohung für die Gesellschaft“. Ein Grund für diese Unberechenbarkeit des Wetters ist auch der menschengemachte Klimawandel. Die Erde erwärmt sich durch den rasanten Ausstoß des klimawirksamen Gases Kohlenstoffdioxid (CO2). Dabei wird häufig die Erderwärmung einzig auf CO2 zurückgeführt, obwohl auch andere Gase klimawirksam sind.

Das zeigt sich aktuell in besorgniserregendem Ausmaß in Russland. Im eisigen Sibirien ist eigentlich eine große Fläche des Bodens dauerhaft gefroren - Permafrost genannt. Durch steigende Temperaturen taut dieser Boden zusehends auf - mit fatalen Folgen für das globale Klima.

Wetter in Russland: Hitzewelle sorgt für steigenden Methan-Ausstoß

Denn im russischen Permafrost sind immense Mengen von Pflanzen- und Tierresten gebunden - zwei Drittel der Bodenfläche Russlands sind eigentlich permanent vereist. In gefrorenem Zustand ist das kein Problem. Doch tauen die Reste auf, beginnen Mikroben diese zu zersetzen. Bei der Zersetzung kann dann das klimawirksame Gas Methan freigesetzt werden. Methan beschleunigt nicht nur die Erderwärmung, es ist dabei auch deutlich wirksamer als Kohlenstoffdioxid.

Wie die Deutsche Presseagentur berichtet, hat eine neue Studie um den Bonner Wissenschaftler Nikolaus Froitzheim jetzt herausgefunden, dass die extreme Hitzewelle des vergangenen Jahres in Russland große Mengen Methan durch das Auftauen des Permafrosts freigesetzt hat. Dieser Effekt verstärkt sich zudem selbst. Mehr Hitzewellen bedeutet ein schnelleres Auftauen des Permafrost, bedeutet wiederum eine erhöhte Wahrscheinlichkeit weiterer Hitzeereignisse. Doch die Wissenschaftler fanden noch besorgniserregendere Werte: Der Permafrost alleine reicht für die in der Luft gemessenen Werte des Methans gar nicht aus.

Hitzewelle in Russland: Wetter hat noch fatalere Folgen als bislang vermutet

Laut Deutscher Presseagentur maßen die Wissenschaftler um den Bonner Nikolaus Froitzheim im Norden Sibiriens im Sommer 2020 eine um etwa fünf Prozent erhöhte Methan-Konzentration - und das über Monate hinweg. „Die Bodenbildungen in den beobachteten Gebieten sind sehr dünn oder fehlen ganz, was die Zersetzung von organischer Substanz in den Böden als Quelle des Methans unwahrscheinlich macht“, so Froitzheim.

Der getaute Permafrost alleine reicht also für den Methan-Anstieg in der Atmosphäre nicht aus. Doch die Vermutung der Wissenschaftler gibt Anlass zu großer Beunruhigung. Denn die Hitzewelle könnte die bisher mit Eis und Gashydrat gefüllten Kluft- und Höhlensysteme im Kalkstein durchlässig gemacht haben. „Dadurch dürfte Erdgas, das zum größten Teil aus Methan besteht, aus Lagerstätten im Permafrost und unter dem Permafrost den Weg an die Erdoberfläche gefunden haben“, erklärt Forscher Nikolaus Froitzheim.

Aktuell gehen die Wissenschaftler dieser Vermutung mit weiteren Messungen vor Ort nach. Sollte sie sich bewahrheiten, würde das für das Klima nichts Gutes bedeuten. „Die Mengen von Erdgas, die im Untergrund Nordsibiriens vermutet werden, sind gewaltig“, so Froitzheim. „Wenn Teile davon durch den tauenden Permafrost in die Atmosphäre gelangten, könnte das dramatische Auswirkungen auf das ohnehin schon überhitzte Klima der Erde haben“, warnt er.

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