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Wetter: Hurrikans des Mittelmeeres - Experte warnt vor gefährlichen Medicanes

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Von: Franziska Vystrcil

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Nicht nur in Deutschland ist es derzeit heiß, auch der Mittelmeerraum ächzt unter der anhaltenden Hitze. Nun könnten auch noch Medicanes für Zerstörung sorgen.

Stuttgart/Rom - Beim diesjährigen Wetter in Deutschland musste man gar nicht erst verreisen, um in die Sonne und in die Wärme zu kommen. Der Sommer 2022 wird in die Geschichte eingehen. So sonnig und trocken war es in Deutschland seit Jahren nicht. Auch im Rest Europas fiel der Sommer extrem aus. Es gab ausgetrocknete Flüsse, Waldbrände und neue Hitzerekorde. Eine wirkliche Abkühlung war und ist da selbst im Mittelmeer nicht möglich. Die Wassertemperatur beträgt teilweise 28 oder regional 30 Grad.

Doch das könnte sich dort schon bald ändern. Denn wie die Wettermodelle vorhersagen, steht eine Wetterlage bevor, die zu einem Medicane führen könnte. Die „Hurrikans des Mittelmeeres“ führen häufig zu heftigen Unwettern mit einer enormen Zerstörungskraft. In einigen Urlaubsregionen ist Vorischt geboten.

Brenzlige Wetterlage begünstigt die Entstehung für zerstörerische Medicanes

Wochenlange Hitze hat in den Regionen rund um das Mittelmeer selbst das Wasser „zum Kochen gebracht“. Solch eine Hitzewelle gab es in Westeuropa noch nie. Das wirkt sich natürlich auch auf die Gewässer aus. „Teilweise haben wir eine positive Abweichung von 4 bis 6 Grad. Das bedeutet, das Mittelmeer ist deutlich zu warm“, erklärt Alban Burster, Meteorologe bei wetter.com. Schuld daran ist eine bestimmte Wetterlage, die in diesem Jahr häufiger aufgetreten ist: Aus Südafrika konnte extrem heiße Luft nach Europa und somit auch in die Mittelmeerregionen gelangen. „Diese Konstellation kam daher zustande, dass wir Tiefs vor den Toren Portugals hatten und Hochdruckgebiete in den Mittelmeerregionen selbst“, erklärt der Wetterexperte weiter.

Kein Wunder also, dass sich dabei auch das Wasser erwärmt. „Aber es wird sich etwas ändern“, kündigt Alban Burster an. „Dann wird ordentlich - oder sprichwörtlich - ein anderer Wind wehen.“ Grund ist ein Medicane. „Das sind die Hurrikans des Mittelmeeres“, erklärt der Meteorologe weiter. Diese Stürme können teilweise eine ordentliche Zerstörungskraft haben.

Meteorologe Alban Burster erklärt die Entstehung eines Medicanes
Die Gefahr für die Entstehung von Medicanes steigt, warnt Meteorologe Alban Burster. © Screenshot BW24/YouTube/wetter.com

Damit ein Medicane entstehen kann, muss eine bestimmte Wetterlage herrschen. Liegt etwa ein Hochdruckgebiet westlich von Deutschland, kann Kaltluft in Richtung Mittelmeerregion gedrängt werden. Wenn diese kalte Luft auf die extrem feuchtheiße Luftmassen, die dort seit Wochen herrschen, treffen, kann ein Medicane entstehen. In einem anderen Szenario entsteht der „Mittelmeer-Hurrikan“, wenn sich die Hochdruckgebiete in Richtung Osten verlagern und dann aus Osten Kaltluft in Richtung östliches Mittelmeer rauscht.

Wahrscheinlichkeit für Medicanes ist in den nächsten Wochen groß

Genau solch eine Lage wird von unterschiedlichen Modellen bereits berechnet. Jedoch lässt sich dennoch nicht vorhersagen, ob daraus tatsächlich ein Medicane hervorgeht. „Die Wahrscheinlichkeit dafür ist allerdings sehr groß in den kommenden Wochen“, sagt Alban Burster. Somit würde Europa erneut von einem Extrem in das nächste stürzen: Extreme Hitze und Dürre würde dann von heftigen Regenfällen, Überflutungen und Stürmen abgelöst werden.

Ein Szenario, das auch in Zukunft immer häufiger stattfinden soll. Extreme Wetterlagen werden doch den fortschreitenden Klimawandel immer mehr begünstigt. Sogar Vulkane sollen durch Starkregen künftig häufiger ausbrechen, wie Wissenschaftler in einer groß angelegten Studie herausfanden.

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