Laserkanonen-Experiment

Wetter: Ludwigsburger Unternehmen will Himmel mit Lasern beschießen, um Blitze zu verhindern

Ein Laser von Trumpf feuert von einem Berg aus Strahlen in den bewölkten Himmel.
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Der Trumpf-Laser soll künftig Blitze aus Gewitterwolken ableiten und so Einschläge verhindern.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Das Technologieunternehmen Trumpf und die Universität Genf haben gemeinsam einen laserbasierten Blitzableiter entwickelt. Am Montag startete das Wetterexperiment.

Ditzingen - Das Wetter in Deutschland war in den letzten Wochen von schlimmen Unwettern geprägt. Starkregen und Überflutungen waren die Folge. Ein Meteorologe gab sogar eine „Gruselprognose“ für den Sommer 2021 ab. Für enorme Sachschäden sorgen in Deutschland aber auch Gewitter und Blitzeinschläge. Das Hochtechnologieunternehmen Trumpf aus Ditzingen bei Stuttgart hat daher gemeinsam mit der Universität Genf einen speziellen Blitzableiter entwickelt, der künftig Einschläge verhindern soll.

Auf den ersten Blick erinnert der Blitzableiter an einen Kampfroboter aus Star Wars. Erfährt man den Sinn hinter der Konstruktion, könnte man wirklich meinen, die Erfindung sei einem Science-Fiction-Film entsprungen: Der Laser soll gezielt Blitze aus Gewitterwolken ableiten und somit unkontrollierte Blitzeinschläge und deren Schäden verhindern. Denn jedes Jahr entstehen durch Blitzeinschläge in Gebäude, Wälder, Flughäfen und Atomkraftwerke Schäden in Milliardenhöhe. Wie die Ludwigsburger Kreiszeitung (LKZ) berichtet, ging der Blitzableiter am 20. Juli zum ersten Mal in Betrieb. Auf dem Schweizer Wetterberg Säntis wird das Gerät in den kommenden Monaten getestet. Der Ort ist dafür prädestiniert: Den Berg treffen jedes Jahr etwa 400 Blitze.

Laserstation gegen Blitze: „Wir wollen die Welt damit ein Stückchen sicherer machen“

Trumpf gehört zu den weltweit größten Anbietern von Werkzeugmaschinen. Der Firmenstandort in Unterföhring ist auf die Entwicklung und Produktion von Lasern spezialisiert, allen voran für wissenschaftliche Anwendungen. Neben dem Gewitter-Laser forschen etwa 15 Mitarbeiter in Unterföhring an Lasern für neuartige Röntgenquellen oder an Teilchenbeschleunigern. Gemeinsam mit Trumpf arbeiten die Universität Genf, das französische Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS), die Polytechnische Hochschule in Lausanne, das Luft- und Raumfahrtunternehmen Ariane Group sowie die Universität für angewandte Wissenschaften der westlichen Schweiz an dem Laser-Projekt.

Der grüne Laserstrahl reicht unendlich weit in den Himmel.

Der Kopf hinter dem Ganzen ist jedoch Clemens Herkommer, Trumpf-Laseringenieur. Er hat die vergangenen vier Jahre damit verbracht, den Super-Laser zu entwickeln. „Der Laser-Blitzableiter ist einer der stärksten Laser seiner Klasse, die es derzeit gibt“, sagt er der LKZ. „Wir schießen mit tausend Laserpulsen pro Sekunde in die Wolken und wollen damit Blitze unschädlich und die Welt dadurch ein Stück weit sicherer machen.“

Das Gerät funktioniert wie folgt: Der Laser erzeugt ein sogenanntes Laser-Filament, eine Art Kanal in den Gewitterwolken. Will sich ein Blitz aus der Wolke entladen, leitet dieser Kanal den Blitz kontrolliert zum Boden und lässt ihn dort einschlagen. „Wir haben in den vergangenen Jahren intensiv an diesem Laser gearbeitet und ihn für seinen Einsatz auf dem Säntis vorbereitet. Im Labor funktioniert der Laser einwandfrei. Wir sind sehr optimistisch, dass er auch in der Atmosphäre Blitze ableiten wird“, so Clemens Herkommer. Eigentlich sollte der Laser bereits im Sommer 2020 in die Testphase gehen. Wegen der Corona-Pandemie stand er jedoch lange in einem französischen Labor.

Blitz-Laser: Transport auf den Berg war ein schwieriges Unterfangen

Nicht nur die Entwicklung, auch der Aufbau des Lasers war eine Herausforderung für das Team: Mit neun Metern Länge und einem Gewicht von rund fünf Tonnen war es nicht möglich, das Gerät am Stück zum Wetterberg zu transportieren. Die Forscher mussten den Laser vorab in seine Einzelteile zerlegen und ihn per Seilbahn und Helikopter auf den Berg transportieren lassen. Seit Ende Mai war das Team damit beschäftigt, den Laser wieder aufzubauen und in Betrieb zu nehmen. Die ersten Wetterexperimente haben bereits begonnen.

Aufgrund der hohen jährlichen Schäden durch Blitzeinschläge hat die EU das Projekt „Laser Lightning Rod“ ins Leben gerufen, wozu auch der Laser-Blitzableiter von Trumpf gehört. Rund zwei Millionen Euro sind in die Entwicklung des Lasers geflossen. Allein in Deutschland sterben im Schnitt sieben bis zehn Menschen jedes Jahr an den Folgen von Blitzeinschlägen. Auch die Sachschäden sind erheblich: In den USA etwa entsteht durch Gewitter und Blitzschlag ein wirtschaftlicher Schaden von fünf Milliarden Dollar jährlich, meist durch Störungen des Flugverkehrs sowie durch Schäden an Flugzeugen oder Hochspannungsleitungen. Umso höher sind die Erwartungen an das Blitz-Laser-Projekt. Erste reale Ergebnisse erwartet das Forscher-Team zum Ende des Sommers 2021. In fünf bis zehn Jahren, so hoffen die Forscher, ist der Laser an Flughäfen oder Raketenstartrampen einsatzbereit.

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