Unheilvolle Vorhersagen

Wetter in Deutschland: Wärme-Rekord im November - Experten warnen vor „Hölle“

  • Anna-Lena Schüchtle
    VonAnna-Lena Schüchtle
    schließen

In der ersten Novemberwoche sorgt das Wetter in Deutschland und Stuttgart für ungewöhnlich warme Temperaturen - das hat viele Gründe. Experten warnen.

Stuttgart - Wer am Wochenende keinen Blick in die aktuelle Wetter-Vorhersage geworfen hatte, dürfte sich zum Novemberstart, ob der rekordverdächtig warmen Temperaturen vielerorts gewundert haben. So sorgte etwa das Wetter in Stuttgart für Messwerte von mehr als 20 Grad - wohlgemerkt im November. Es handelt sich dabei jedoch nicht um das erste Extrem-Wetter-Ereignis im Jahr 2020.

Zwar wird es in den kommenden Tagen nicht mehr ganz so warm wie am Montag, mild bleibt es mit Temperaturen im zweistelligen Bereich dennoch. Noch dazu lässt in der zweiten Wochenhälfte der Niederschlag in Stuttgart und vielen Landesteilen nach, wodurch es durch die Strahlung der Sonne noch wärmer anfühlt. Für die Wärme-Rekorde beziehungsweise eine so ungewöhnlich milde November-Woche haben Experten eine Erklärung.

Wetter in Deutschland: Wärme-Rekord im November - Experten in Sorge

Das Wetter in Deutschland ist für den Monat November bislang ungewöhnlich warm.

„2015 gab es schon mal so eine ähnliche Wetterlage, bei der wir ohne Sonne bei wenig Wind und leichtem Regen 20 Grad schafften“, erklärt Christian Häckl auf wetter.de. Am Montag wurde beim Wetter in Deutschland laut dem RTL-Meteorologen jedoch nochmal „einer draufgesetzt“, wobei „die 20 Grad fast schon nachts geschafft“ wurden - „tagsüber dann 20 Grad bis rauf nach Hamburg“. Dass die Messwerte mancherorts, wo die Sonne rauskam, sogar auf bis zu 23 Grad kletterten „gab es 2015 zum ersten Mal“.

Einer der Gründe dafür ist das Wetter-Phänomen „La Niña“ (spanisch: Kleines Mädchen), das für das Wetter in Deutschland unter normalen Umständen eigentlich einen besonders kalten Winter mit viel Schnee ankündigt. Es wurde in diesem Jahr für den November und Dezember vorausgesagt, weshalb viele Wetter-Experten bereits von einem möglichen „Jahrhundertwinter“ gesprochen haben.

Dieser dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach zwar nicht eintreten, Auswirkungen hat Sturmtief „La Niña“ aktuell dennoch auf das Wetter in Deutschland. Schuld daran hat der ehemaligen Hurrikan „Zeta“. Gemeinsam blasen die beiden Wetter-Phänomene extrem milde Luft von den Kanaren bis nach Europa, was ungewöhnlich hohe November-Temperaturen, aber auch Wind und Sturm bis zur Orkanstärke in Stuttgart und Deutschland zur Folge hat.

Experten besorgt wegen der ungewöhnlich warmen Temperaturen: „Unbewohnbare Hölle“

Sturmtief „La Niña“ und Ex-Hurrikan „Zeta“ sind jedoch nur Teil-Gründe für das ungewöhnliche Wetter in Deutschland. 2020 ist laut Experten eines der wärmsten Jahre seit Beginn der weltweiten Aufzeichnungen im Jahr 1880 - einen so warmen September wie in diesem Jahr hat es sogar noch nie gegeben, wie etwa die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) in ihrem Klima-Report darlegen.

Zudem bestehe laut US-Wetterdienst eine Chance von 65 Prozent, dass 2016 von 2020 als dem wärmsten Jahr seit Bestehen abgelöst wird. Dabei sind dafür noch nicht einmal die bekannten günstigen Voraussetzungen gegeben. So kam die Rekord-Wärme vom September 2020 während des Minimums eines der schwächsten elfjährigen Sonnenzyklen des vergangenen Jahrhunderts und während des La Niña-Ereignisses, das eigentlich zur Abkühlung der globalen Temperaturen beiträgt.

„Es ist verwirrend, dass wir bereitwillig und wissentlich weiterhin die Saat unserer eigenen Zerstörung säen, trotz der Wissenschaft und der Beweise, dass wir unser einziges Zuhause für Millionen von Menschen in eine unbewohnbare Hölle verwandeln“.

Bericht der Vereinten Nationen im Oktober

Für Klimaforscher wie James Hansen ist das laut einer Pressemitteilung der Columbia University ein deutliches Zeichen, dass sich die globale Erwärmung in den vergangenen fünf Jahren beschleunigt habe, was die dominierende Rolle des Menschen dabei unterstreiche.

Pro Jahrzehnt sei der globale Temperaturanstieg stabil bei 0,18 Grad gelegen - in den vergangen fünf Jahren sei die Temperatur jedoch deutlich über diesen stabilen Wert hinausgegangen. Langfristig hat dies auch Auswirkungen auf das Wetter in Deutschland, was man im September oder aktuell hierzulande deutlich spürt.

Rubriklistenbild: © Thomas Warnack/dpa

Mehr zum Thema

Kommentare