Forscher schlagen Alarm

Wetter in Deutschland: Arktis-Phänomen führt im Winter 2021 zu heftigen Extremen

  • Julian Baumann
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Das Wetter in Deutschland spielt verrückt. Schon im Oktober sagten Forscher einen krassen Winter vorher - weil sich in der Arktis ein noch nie dagewesenes Phänomen zeigte.

Stuttgart - Der Klimawandel ist auf der ganzen Welt zu spüren. Das Wetter in Deutschland und Stuttgart zeigt sich mit immer mehr Extremen: Hitzewellen, Unwetter, Überflutungen. Der Herbst war im vergangenen Jahr sehr wechselhaft - erst gab es in einigen Regionen in Deutschland bereits den ersten Schnee, dann kehrte unverhofft der Spätsommer zurück.

Ähnlich sieht es bisher im Winter 2020/21 aus: Zunächst waren die Temperaturen deutlich zu warm für diese Jahreszeit. Nieselregen statt Kältepeitsche waren beim Wetter in Deutschland angesagt. Es sah so aus, als würde auch der Januar viel zu warm werden. Doch dann kam der Umschwung: Eisige Kälte und Schneemassen hatten viele Regionen im eisernen Griff.

Wetter in Deutschland: Erst Rekordkälte, dann frühlingshafte Zustände mit zweistelligen Temperaturen

In Baden-Württemberg etwa gab es soviel Neuschnee wie schon lange nicht mehr. Auf der Schwäbischen Alb und im Schwarzwald herrschte Ausnahmezustand. Räumfahrzeuge konnten die Schneemassen auf den Straßen nicht mehr beseitigen, Züge standen still. Es wurden Kälterekorde in Deutschland gemessen. Dann plötzlich der Umschwung - mit einem Temperatursprung um 40 Grad. Mitten im Februar herrschen nun frühlingshafte Zustände. Sonne satt, warme 20 Grad. Doch die nächste Kältewelle mit eisigem Wetter steht wohl bald schon bevor.

Von Rekordwärme zu Schneechaos - wenn es nach einigen Forschern geht, war dieser Winter der Extreme vorherzusehen. Schuld ist ein Wetter-Phänomen in der Arktis. Der Klimawandel hat schon seit Jahrzehnten fatale Auswirkungen auf das arktische Eis. Doch seit Beginn der Aufzeichnungen war die Lage noch nie so dramatisch wie jetzt. Mehrere Forscher schlugen bereits im Oktober 2020 in der britischen Zeitung Guardian Alarm, dass das Meer in der Arktis trotz fortgeschrittener Jahreszeit noch nicht zugefroren war. Das ist noch nie vorgekommen.

Wetter in Deutschland: Klimaforscher schlagen Alarm wegen einem Arktis-Phänomen

Wetter: Auch Deutschland bekommt vom derzeitigen Schweizer Schnee-Chaos etwas ab

„Der bisherige Mangel an Dauerfrost in der sibirischen Arktis-Region hat ein noch nie dagewesenes Ausmaß“, zitierte der Guardian den Klimaforscher Zachary Labe von der Colorado State University. Normalerweise geht das Meereis im Frühjahr und Sommer zurück. Im Herbst friert es wieder zu. Doch 2020 hatte das Meer in der Arktis Mitte Oktober noch immer nicht damit begonnen, zuzufrieren.

Das ist nicht nur ein Zeichen dafür, wie dramatisch sich der Klimawandel inzwischen auswirkt. Das Wetter-Phänomen in der Arktis könnte laut wetter.de auch den Winter 2020/21 in Deutschland beeinflussen. Die Folgen: mehr Wetter-Extreme, darunter große Kälte und Schnee.

Winter 2020: Bisheriger Verlauf zeigt - Wetter in Deutschland könnte sehr kalt werden

Das Wetter in Deutschland hängt vom globalen Zusammenspiel vieler Faktoren ab. Auch die Temperaturen in der Arktis können sich auf das hiesige Klima auswirken. Der kalte Winter im Jahr 2012 ist den meisten wohl im Gedächtnis geblieben. Laut wetter.de sah die Situation in den arktischen Eismeeren aber sogar in diesem Rekord-Jahr besser aus als zum jetzigen Zeitpunkt. Im Sommerhalbjahr zwischen April und September werden die Eisflächen durch die steigenden Temperaturen kleiner. Ab Oktober beginnt das rasante Wachstum. Dieses Wachstum sei nach Angaben der Experten in diesem Jahr so gering wie seit Beginn der Beobachtung vor 40 Jahren.

Für das geringe Wachstum des arktischen Eismeeres gibt es laut den Forschern zwei Gründe. Zum einen seien die Temperaturen im Sommer 2020 aufgrund einer Hitzewelle in Sibirien ungewöhnlich hoch gewesen. Die alten Eisschichten in der Arktis schmelzen. Zurück bleibt eine dünne, saisonale Eisschicht, die in den Sommer-Monaten schneller verschwindet. Außerdem gelangen warme, atlantische Strömungen ins arktische Meer.

Wetter bringt Extreme - im Winter sowohl sehr kalte als auch sehr milde Temperaturen zu erwarten

Die genauen Auswirkungen der Situation in der Arktis auf den Winter 2020/21 in Baden-Württemberg und ganz Deutschland hängen vom Polarwirbel ab. Bei einer geringen Ausbreitung des Meereises werde die Vitalität und Aktivität des Polarwirbels gestört. Der Polarwirbel ist mitverantwortlich für den Verlauf des Winters. Bei einem starken Wirbel sei das Wetter in Deutschland von milden westlichen Winden bestimmt, schreibt wetter.de. Eine Schwächung bietet dagegen mehr Raum für andere Wetterlagen. Das Wetter hat somit einen Hang zu Extremen und kann sowohl sehr kalte als auch sehr milde Temperaturen bringen.

Im direkten Vergleich mit der Entwicklung des Winters 2012 könnte der Winter 2020/21 laut den Experten zumindest zeitweise extrem kalt werden. In dem bisherigen Rekord-Jahr fielen die Temperaturen im Februar und März des Folgejahres nochmal kräftig ab. Die Vorhersage geht demnach von einem Winter der Extreme aus, bei dem es stellenweise zu sehr kalten Temperaturen kommen kann, die jedoch auch von ungewöhnlich milden Phasen abgelöst werden.

Rubriklistenbild: © Francesca Agosta/dpa/picture alliance

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