Düstere Prognose

Wetterexperte: Klimakrise schreitet schneller voran als erwartet - „Es ist ein Spiel mit dem Feuer“

Ein Foto, das die Bezirksregierung Köln am Freitag über Twitter verbreitete, zeigt Überschwemmungen in Erftstadt-Blessem.
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Extremwetterereignisse: Ein Experte warnt davor, dass der Klimawandel die Häufigkeit von solchen Katastrophen drastisch erhöht.
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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Das Wetter in Deutschland mit aktuell extremen Überflutungen hat die Klimawandel-Diskussion weiter angeheizt. Ein Wetterexperte erklärt die Zusammenhänge.

Heilbronn - Das Wetter in Deutschland hat aktuell nichts mit Sommer zu tun. Anstatt hohen Temperaturen und Sonnenschein liefert ein Höhentief momentan schwere Unwetter, Starkregen und Überflutungen. In einigen Landkreisen forderten die verheerenden Unwetter bereits Opfer.

Das derzeit auch auf globalem Maßstab so extreme Wetter ist dabei kein Zufall. Dass in den USA eine Rekord-Hitze mit bis zu 50 Grad herrscht, während Deutschland von Wassermassen überflutet wird, hat Gründe. Gegenüber der Heilbronner Stimme erklärt ZDF-Wetterexperte Özden Terli, dass die aktuelle Lage auch mit dem Klimawandel zu tun hat.

Wetter in Deutschland: Starkregen hängt mit Lage der Arktis zusammen

Die Erklärung des ZDF-Wetterexperten Özden Terli zeigt einmal mehr, dass das lokale Wetter von globalen Faktoren beeinflusst wird. Demnach hängen die extreme Hitze in den USA und die Überflutungen in Deutschland mit dem Jetstream zusammen, einem Starkwindband in extremer Höhe. „Der Jetstream verhält sich nicht mehr wie in der Vergangenheit, wie etwa vor 15 Jahren, und weht nicht mehr so, wie man es von ihm erwarten würde“, so Terli gegenüber der Heilbronner Stimme.

Stattdessen sei diese globale Strömung „regelrecht zerfleddert“, wodurch Tiefs und Hochs praktisch stationär bleiben, anstatt von West nach Ost weitergetrieben zu werden. Die Folge: Starkregen in Deutschland, der auch in Baden-Württemberg Rhein und Bodensee hochwassergefährdet werden lässt.

Die Ausprägung des Jetstreams hängt laut ZDF-Wetterexperte Özden Terli wiederum mit dem Status der Arktis zusammen. „Sie hat sich dreimal stärker erwärmt als der Rest des Planeten“, erklärt Terli. Mit Folgen für den Jetstream: „Das führt dazu, dass dieses Starkwindband schwächelt und auch stationär wird.“

Zukunft des Wetters: Experte zeichnet wegen Klimakrise düsteres Szenario

Die Hoffnung, dass solche Phänomene künftig seltener werden, begräbt ZDF-Wetterexperte Özden Terli gegenüber der Heilbronner Stimme schnell. Zwar würden die Klimaberechnungen aus den 1980er Jahren zu den gegenwärtigen Werten passen. „Allerdings sieht es bei diesen Wetterextremen, wie zum Beispiel dem Starkregen in Deutschland, so aus, dass sie unterschätzt wurden“, so Terli.

Der ZDF-Wetterexperte fürchtet deshalb, dass die Klimakrise schneller voranschreitet, als erwartet - und extremer ausfällt: „Wir müssen davon ausgehen, dass diese Einschläge immer heftiger werden.“ Özden Terli appelliert deshalb daran, so schnell wie möglich auf fossile Energieträger zu verzichten. Grundsätzlich hält er es aber für wichtig, diverse Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels zu ergreifen. Die momentane Zögerlichkeit fasst er düster zusammen: „Es ist ein Spiel mit dem Feuer.“

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