Hochwasser und reißende Fluten

„Größte Katastrophe seit Zweitem Weltkrieg“: Verheerendes Unwetter in Landkreis fordert Opfer

  • Julian Baumann
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Die heftige Unwetterserie hat Rheinland-Pfalz mit voller Wucht getroffen. In einem Landkreis starben 19 Menschen, viele werden noch immer vermisst.

Koblenz - Der bisherige Sommer ist beim Wetter in Deutschland von heftigen Unwettern geprägt. Vor wenigen Wochen richteten Starkregen, stürmischer Wind und Hagel verheerende Schäden in der Landeshauptstadt Stuttgart an. Inzwischen hat sich die Unwetterfront auf den Westen Deutschlands verlagert.

Eine Prognose sagte Hochwassergefahr durch Sintfluten im Westen Deutschlands voraus. Tatsächlich traf das Sturmtief „Bernd“ den Westen am gestrigen Mittwoch mit voller Wucht und sorgte vor allem in Rheinland-Pfalz und in den Regionen um Köln, Düsseldorf und Trier für verheerende Schäden und Gefahren für die Bewohner. In einer Düsseldorfer Siedlung mussten die Anwohner aufgrund des Hochwassers das gesamte Gebiet verlassen.

Der extreme Starkregen, Hagel und stürmischer Wind sorgten beim Wetter in Deutschland auch im Kreis Ahrweiler für ganz besonders gefährliche Situationen. Laut dem Südwestrundfunk (SWR) stürzten mehrere Häuser ein. Zunächst vermeldete die Stadt Koblenz 7 Todesopfer in dem Landkreis, die Zahl ist inzwischen auf 19 angestiegen. Zudem werden in dem Kreis in Rheinland-Pfalz nach dem starken Unwetter noch viele Menschen vermisst.

Wetter in Deutschland: Flut-Katastrophe in Rheinland-Pfalz hat verheerende Folgen

Das Wetter in Deutschland nahm in den vergangenen Tagen und Wochen vor allem in Südwest- und Westdeutschland immer wieder extreme Ausmaße an. In Stuttgart wurde beispielsweise das Dach der Staatsoper zerstört und in Tübingen sah es zeitweise aus wie im tiefsten Winter.

In den Gemeinden im Kreis Ahrweiler nahmen die Überschwemmungen und Unwetter jedoch ganz besonders zerstörerische Dimensionen an. „Das ist die größte Katastrophe für den Kreis Ahrweiler seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagte Landrat Jürgen Pföhler laut dem SWR. Hunderte Einsatzkräfte suchen derzeit nach Vermissten. Ihre Hauptaufgabe sei, Menschenleben zu retten.

Das extreme Unwetter richtete in Rheinland-Pfalz schwere Schäden an. In einer Gemeinde stürzten mindesten sechs Häuser ein.

In der vergangenen Nacht waren in der Gemeinde Schuld in der Eifel aufgrund des Hochwassers mehrere Gebäude eingestürzt, berichtet der SWR. Weitere Häuser seien derzeit laut der Polizei noch immer einsturzgefährdet. Viele Anwohner hätten sich zum Schutz vor den reißenden Fluten auf die Dächer ihrer Häuser gerettet.

Die Rettungseinsätze seien schwierig oder stellenweise sogar unmöglich gewesen. „Sie müssen sich das vorstellen, viele haben die ganze Nacht im Regen auf einem Dach oder dem Dach ihres Campingbuses ausgeharrt, ohne zu wissen, wann Hilfe kommt“, schildert Pföhler die Situation.

Unwetter-Katastrophe in Rheinland-Pfalz: Aufräumarbeiten werden noch Wochen dauern

Obwohl es die Gemeinde Schuld in der Eifel am schlimmsten getroffen hatte, ist die Situation im gesamten Landkreis Ahrweiler noch immer dramatisch. Mehrere Orte sind laut dem SWR durch die Fluten von der Außenwelt abgeschnitten und zahlreiche Straßen und Brücken gesperrt.

Zudem sei auch die gesamte Infrastruktur durch das extreme Unwetter zerstört worden. „In weiten Teilen des Kreises gibt es keine Trinkwasserversorgung, keinen Strom und kein Gas“, sagte Landrat Pföhler.

Aktuell seien in dem Kreis in Rheinland-Pfalz 250 Rettungskräfte sowie Hubschrauber der Polizei und der Bundeswehr im Einsatz, sagte der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Adenau, Guido Nisius (CDU). Aktuell ist für Deutschland zwar keine neue Unwetterwarnung ausgerufen worden, die Aufräumarbeiten würden jedoch noch Wochen andauern.

Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz habe in einer Sondersitzung des Kabinetts Soforthilfen in Höhe von 50 Millionen Euro für die vom extremen Hochwasser betroffenen Gemeinden beschlossen, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) dem SWR.

Rubriklistenbild: © Thomas Frey

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