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Meteorologe warnt: Wetter der kommenden Monate hat schlimme Folgen - „deutlich zu warm“

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Von: Franziska Vystrcil

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Zu hohe Temperaturen, zu wenig Niederschlag: Das Wetter in Deutschland sorgt weiter für Probleme. Die Trockenheit könnte sich in den kommenden Monaten noch verschlimmern.

Stuttgart - Dieses Jahr startete der Sommer ungewöhnlich früh. Bereits der Mai war besonders trocken und heiß, im Juni wurden Extremtemperaturen von beinahe 40 Grad erreicht. Der dringend benötigte Landregen bleibt seit Monaten aus. Zwar kommt es immer wieder zu Niederschlägen, jedoch reichen die Regenmengen nicht aus, um die Trockenheit der vergangenen Monate ausgleichen zu können.

Die hohen Temperaturen, die Trockenheit und Dürre haben schlimme Folgen: In Teilen Deutschlands herrscht höchste Waldbrandgefahr. An der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen kam es bereits zu einem großen Waldbrand, hunderte Feuerwehrleute und Soldaten der Bundeswehr kämpften gegen die Flammen an. Eine Entspannung der Lage ist derzeit nicht in Sicht. Denn auch der Juli 2022 könnte ungewöhnlich werden. Dominik Jung, Diplom-Meteorologe bei wetter.net, gibt eine Einschätzung, wie sich die Situation in den nächsten Monaten entwickeln könnte.

Wetter in Deutschland: 2022 bisher nur 38 Prozent des Regensolls erfüllt

Auch ein Blick auf die vergangenen Monate zeigt: Das Wetter in Deutschland fiel 2022 bisher ungewöhnlich trocken aus. Betrachtet man die Niederschlagssummen von Januar bis zum 24. Juni, hat das Jahr gerade einmal knapp 38 Prozent des Regensolls erfüllt. „Das Jahr ist aber schon zur Hälfte vorbei“, merkt Dominik Jung an. 50 Prozent könnten es laut dem Experten demnach schon sein. „Wir haben ein kleines Minus, aber zumindest in der Fläche noch kein dramatisches Minus“, sagt er. Der Meteorologe betont aber: Im Osten Deutschlands, in der Landesmitte sowie im Südwesten gebe es viele Wetterstationen, die ihr Regensoll erst zu 20 bis 30 Prozent erfüllt haben.

Ende Juni warnt der Deutsche Wetterdienst ebenfalls vor den Folgen der Trockenheit. Der Waldbrandgefahrenindex vom 27. Juni zeigt, dass vor allem in der Osthälfte Deutschlands Brände drohen. Während im Westen verbreitet Stufe 1 (sehr geringe Gefahr) herrscht, steigt das Brandpotenzial in der Mitte Deutschlands auf Stufe 2 (geringe Gefahr) und Stufe 3 (mittlere Gefahr) an. Besonders schlimm trifft es jedoch den Nordosten. Hier wurde bereits Stufe 4 (hohe Gefahr) sowie die höchste Warnstufe 5 (sehr hohe Gefahr) erreicht.

Waldbrand-Gefahrenindex für Deutschland vom 27. Juni 2022
Die Gefahr für Waldbrände ist aufgrund von ausbleibendem Regen und hohen Temperaturen derzeit stark erhöht. © Screenshot BW24/Deutscher Wetterdienst (DWD)

Eine brenzlige Situation. Wie geht es da erst in den kommenden Monaten weiter? Das amerikanische Wettermodell NOAA gibt einen Aufschluss über den möglichen Verlauf. Für den Juli 2022 geht NOAA von Abweichungen von 0,5 bis 1 Grad im Vergleich zum langjährigem Klimamittel aus. „Das deutet nicht auf eine extreme Hitze im Juli hin“, interpretiert Dominik Jung die Prognose. Der ausbleibende Regen könnte dennoch für Probleme sorgen. Im Westen, Süden sowie Südwesten soll es im Juli nur wenig Niederschlag geben. Die anhaltende Trockenheit könnte dafür sorgen, dass im Sommer 2022 ein trauriger Rekord gebrochen wird.

Prognose für Oktober 2022: „deutlich zu warm“ aber auch zu nass

Anders als der Juli soll der August 2022 hier und da wärmer als gewöhnlich werden. Im Nordosten und im Südwesten liegt die Abweichung bei 1 bis 2 Grad über dem langjährigen Klimamittel von 1991 bis 2020. Die Trockenheit der vorherigen Monate hält auch im August weiter an. Dadurch könnte sich die Gefahr für Wald- und Wiesenbrände in Deutschland weiter dramatisch zuspitzen. Der September könnte die Situation leicht entschärfen. Laut dem Wetterexperten soll es dann „relativ entspannt“ werden. NOAA geht von 0,5 bis 1 Grad zu hohen Temperaturen aus, die Trockenheit geht vor allem im Süden Deutschlands weiter. In den restlichen Teilen des Landes sollen die Niederschlagsmengen normal ausfallen.

Frau steht im Bikini unter einer Stranddusche
Das Wetter in Deutschland ist dieses Jahr extrem. Zu hohe Temperaturen und ausbleibender Regen machen der Natur zu schaffen. © Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Die Prognose für den Folgemonat ist jedoch alles andere als gewöhnlich. „Vor alle Dingen im Nordosten, wo es sowieso schon zu trocken ist, gibt es weniger Regen als üblich“, erklärt Dominik Jung die Prognose. „Der Oktober könnte teilweise deutlich zu warm ausfallen“, interpretiert er die Wetterkarte des amerikanischen Wettermodells. Vor allem der Südosten Deutschlands soll von den zu hohen Temperaturen betroffen sein. Eine Wetter-Expertin kündigte bereits vor Monaten „neue Rekorde und Hitzewellen“ für dieses Jahr an.

Aber: laut den Berechnungen von NOAA kann die Natur im Oktober wieder aufatmen. Denn der Monat soll nicht nur zu warm, sondern auch zu nass werden. „Dieser Regen würde Deutschland wirklich guttun. Aber das würde noch etwas dauern, bis der große Regen fallen würde“, meint der Meteorologe. Bis dahin ist also Vorsicht geboten.

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