Klimaforscher warnt

Wetter: Klimawandel nimmt brutale Gestalt an - „Immer mehr extrem heftige Gewitter“

Bei Aufräumarbeiten in Stuttgart nach Gewittern zersägt eine Einsatzkraft einen umgekippten Baum
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Unwettertief Xero richtete auch an der Stuttgarter Oper große Schäden an.
  • Berkan Cakir
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Das Wetter in Deutschland ist in den vergangenen Tagen von geballten Gewittern heimgesucht worden. Laut einem Klimaforscher sind das die Folgen des Klimawandels.

Stuttgart - Heftige Gewitter versetzten in den vergangenen Tagen das Wetter in Deutschland in einen Ausnahmezustand. Zu Beginn der Woche sorgte Unwettertief Xero besonders in Baden-Württemberg für Gefahren: In mehreren Städten und Gemeinden waren Straßen überschwemmt, Bäume umgestürzt und Keller überflutet.

Im Laufe der Woche zog das Unwetter dann weiter in den Norden Deutschlands und richtete ähnliche Schäden an, die Tausende Rettungskräfte forderten. Allein im Südwesten waren rund 4.000 Kräfte im Einsatz. Besonders betroffen waren der Großraum Stuttgart und die Landkreise Reutlingen und Calw. Zuvor war auch im Schwarzwald ein heftiges Unwetter ausgebrochen, bei dem massiver Hagel fiel.

Wetter in Deutschland: Die Intensität der Gewitter versetzt Klimaforscher in Sorge

Vor allem die Intensität des Unwetters versetzt Klimaforscher dabei in Sorge. Nach Ansicht des Meteorologen Uwe Schickedanz sind die geballten Gewitter der vergangenen Tage eine Folge des Klimawandels. Die Unwetter passten in das Bild, das Klimaforscher zeichnen, mit sommerlicher Abwechslung zwischen Dürre und Starkregen-Ereignissen, sagte der Leiter des Deutschen Wetterdienstes im Interview mit dem Südkurier. Wenige Tage vor der Gewitterfront hatte sich eine „Bullenhitze“ über Europa mit bis zu 41 Grad geschoben.

Gewitterlagen wie die der vergangenen Tage seien in der Heftigkeit zwar immer noch ein relativ seltenes Ereignis. „Aber auch ich habe den Eindruck, dass sie in dieser Heftigkeit häufiger geworden sind. Sie sind aber noch nicht so häufig, dass wir statistisch sagen könnten, es ist mehr geworden“, sagte Uwe Schickedanz. Anders sei das etwa bei der Schneehöhe im Schwarzwald. In den vergangenen Jahren sei sie zurückgegangen.

Wetter in Deutschland: Mit steigender Temperatur nehmen auch Gewitter zu

Der Meteorologe befürchtet jedoch, dass die intensiven Gewitter künftig zunehmen werden. „Gewitter leben von Hitze unten und Kälte oben, weil die Temperaturunterschiede sehr groß sind“, erklärte Uwe Schickedanz. Die Gefahr extrem heftiger Gewitter nehme daher mit steigenden Temperaturen laufend zu, solange es zudem auch feucht sei.

Je mehr Wärme es gebe, umso heftigere Gewitter gebe es. „Mehr Wärme entsteht auch durch die Erwärmung des Klimas.“ Vor allem der Südwesten sei aufgrund der Gebirgslandschaft anfälliger für Gewitter als beispielsweise der Norden, wo die Ebenen flacher sind. „Das liegt einfach daran, dass es im Gebirge auf gleicher Höhe wärmer ist als in der freien Atmosphäre“, so Uwe Schikedanz. Die vergangenen drei sehr trockenen Jahre seien aber trotz des Klimawandels gewitterarm gewesen.

Baden-Württembergs Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) rief die Kommunen im Südwesten auf, die extremen Wetterlagen im Blick zu behalten und sich entsprechend vorzubereiten, berichtet echo24*. *echo24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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