Heftige Unwetter

Experte: Besonderes Wetterphänomen schuld an Sintflut-Regen in Baden-Württemberg

Auf der Autobahn A8 bei Esslingen fahren Autos, während dunkle Wolken aufziehen
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Auf der A8 zieht ein Unwetter auf.
  • Berkan Cakir
    VonBerkan Cakir
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Das Wetter in Deutschland und auch in Baden-Württemberg scheint derzeit ein Chaos zu sein. Ein Meteorologe erklärt den Grund für die ständigen Wechsel zwischen kurzen Ruhe- und extremen Unwetterphasen.

Stuttgart - Autos, die über überschwemmte Straßen fahren, Menschen, die durch kniehohes, braunes Wasser waten, umgestürzte Bäume und zum Teil gar Erdrutsche - das Wetter in Deutschland erlebt derzeit das Chaos. Das Außergewöhnliche dabei: Immer wieder kehrt für ein, zwei Tage eine kurze Ruhephase ein, bevor dann die Unwetter erneut über das Land ziehen.

Meteorologen wie Uwe Schickedanz vom Deutschen Wetterdienst sehen solche extremen Phänomene als Anzeichen dafür, dass der Klimawandel bereits brutale Gestalt angenommen hat. Sein Kollege Andreas Friedrich, warnt bereits, dass Wetter-Extreme künftig zunehmen werden.

Wetter in Deutschland: Warme Luftschichten sind ursächlich für Unwetter

Verantwortlich dafür, so der Wetter-Experte, seien die immer wärmeren Luftschichten in höheren Lagen. Dort wird mehr Feuchtigkeit gespeichert. Dadurch fällt mehr Regen. „All dies ist schlüssig, denn die Klimaerwärmung ist in den letzten 20 Jahren auf die Überholspur gegangen“, so Andreas Friedrich gegenüber der Stuttgarter Zeitung.

Auch die derzeitigen instabilen Wetter-Umschwünge zwischen Beruhigung und heftigen Gewittern hängen mit warmer Luft zusammen. Der Meteorologe Georg Haas von wetter.com erklärt: „Schuld an der Unwetterserie hat eine ‚eingerastete‘ Wetterlage, die von einem großräumigen Tief über den Britischen Inseln dominiert wird. Dieses lenkt mit südwestlicher Strömung und seinen eingelagerten sogenannten Randtiefs weiter schwül-warme Luft zu uns, die viel Wasserdampf enthält, der in Gewittern massenhaft kondensiert.“

Wetter in Baden-Württemberg richtete zuletzt große Schäden an

Auch hier gilt also: Je wärmer die Luft, umso mehr Wasserdampf - was mehr Regen in Deutschland bringt. Da sich an den schwülen Bedingungen - die Temperaturen halten sich fast überall in der Bundesrepublik bei mindesten 22 Grad - werde es auch in nächsten Zeit punktuell zu Unwettern kommen, so Georg Haas.

Das letzte heftige Unwetter hatte in Baden-Württemberg große Schäden verursacht. Neben zahlreichen Verkehrsunfällen und beschädigten Gebäuden fiel auch der Bahnverkehr für mehrere Stunden aus. Tausende Einsatzkräfte waren im Einsatz.

Wetter in Deutschland: Auch Politiker warnen vor den Folgen der Unwetter

Auch Politiker sind von den Ausmaßen des Wetter-Chaos schockiert gewesen, und senden Warnungen aus. Landesinnenminister Thomas Strobl rechnet häufiger mit Schäden in Baden-Württemberg durch extreme Unwetter. „Das hat etwas mit dem Klimawandel zu tun“, sagte der Innenminister vergangene Woche.

Wie extrem solche Wetter-Phänomene ausfallen können, zeigten zuletzt zahlreiche abschreckende Beispiele in der Welt. Im kanadischen Lytton erreichten die Thermometer fast 50 Grad - das ist die höchste Temperatur, die jemals nördlich des 50. Breitengrades gemessen wurde. In Japan zeigte sich das Unwetter-Chaos in Form einer Schlammlawine. Der Erdrutsch fegte Autos und ganze Häuser weg.

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