Untypische Temperaturen

Wetter-Experte macht Mai-Prognose: Deutschland stehen „sehr harte Phasen“ bevor

  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Auf einen zu trockenen März folgt ein ebenso trockener April. Was können wir da beim Wetter in Deutschland im Mai erwarten? Meteorologe Dominik Jung gibt einen Ausblick.

Stuttgart - Der April 2022 zeigt sich von seiner sonnigen Seite. Dabei sah es beim Wetter in Deutschland zu Beginn des Monats gar nicht danach aus. Niederschläge und ein Kaltlufteinbruch sorgten für einen kühlen Start in den April. Mittlerweile ist jedoch auch der deutlich zu trocken. Nach einem rekordverdächtigen März hat die Natur so keine große Chance, sich von der Dürre zu erholen.

Da stellt sich die Frage, ob auch im Mai der Regen fernbleibt. „Der Mai könnte deutlich zu warm ausfallen“, sagt Dominik Jung, Diplom-Meteorologe bei wetter.net, mit Blick auf die Prognose des amerikanischen Wetterdienstes NOAA. Auf das ganze Monatsmittel berechnet, könnte es demnach bis zu 2 Grad zu warm werden. „Das riecht eher nach einem sehr warmen Wonnemonat“, kündigt der Wetterexperte an.

Wetter in Deutschland: Nach trockenem März und April zieht der Mai nach

Im ersten Moment klingt die Prognose des Meteorologen nicht ungewöhnlich. Im Mai konnten wir beim Wetter in Deutschland schon oft Sommerwetter genießen. Doch wie der April hat auch der Mai ebenfalls seine Höhen und Tiefen. Dass es durchweg sonnig, trocken und heiß ist, ist für diesen Monat daher eher ungewöhnlich. Kaltluftvorstöße kann es auch im Mai noch geben, die stellenweise für einen kurzen Wintereinbruch samt Schnee in Deutschland sorgen könnten. Bekannt sind hierfür auch die sogenannten Eisheiligen zwischen dem 11. und 15. Mai.

So sieht der durchschnittliche Mai in Deutschland aus:

  • Durchschnittstemperatur (Klimamittel der Jahre 1961 bis 1990): 12,1 Grad
  • Mittlere Sonnenscheindauer: 196 Stunden
  • Mittlere Niederschlagssumme: 71 Liter pro Quadratmeter
  • Eisheilige mit Spätfrösten zwischen dem 11. und 15. Mai

(Quelle: wetter.com)

Doch danach sieht es laut den Berechnungen von NOAA momentan nicht aus. Insgesamt soll es im gesamten Monat zu wenig Niederschläge in Deutschland geben. Vor allem im Norden könnte der Mai anders werden, als man es kennt: „Eher zu trocken in diesen Regionen“, meint Dominik Jung. Im Rest von Deutschland sollen die Niederschlagsmengen im Normalbereich liegen. „Nur im Alpenraum könnte es stellenweise etwas nasser als üblich werden.“

Demnach würde es auch der Mai nicht schaffen, „das große Niederschlagsdefizit“ aus März abzubauen. Auch dem April wird dies wohl nicht mehr gelingen.

Ein trockener Monat jagt den nächsten: Wetter im Mai erneut „harte Phase“ mit großer Trockenheit

In Sachen Temperaturen gibt die Ensemble-Vorhersage bis zum 5. Mai darüber Aufschluss, wie der Start in den Mai werden soll. In Norddeutschland steigen die Werte bis Ende April auf 15 bis 20 Grad an. Zum Monatswechsel könnten laut Dominik Jung auch sommerliche Temperaturen von bis zu 25 Grad geben. Niederschläge sollen bis zum 5. Mai kaum fallen. Auch in Ostdeutschland ist bis zum Monatswechsel kaum Regen in Sicht. In Süddeutschland sollen die Temperaturen bei etwa 15 Grad liegen, die Wahrscheinlichkeit für Regen ist dort höher. In Westdeutschland werden 15 bis 20 Grad erwartet, ab und zu gibt es Regenfälle.

Zu nass, zu trocken oder zu heiß? Die Wetterdienste treffen erste Prognosen, wie der Mai 2022 ausfallen könnte.

Auch das europäische Wettermodell spricht von deutlich zu hohen Temperaturen im Mai. Während vom 2. bis zum 9. Mai für den Monat normale Temperaturen herrschen sollen, ändert sich dies laut dem ECMWF-Modell in der Zeit vom 9. bis zum 16. Mai. Das Temperaturniveau könnte dann deutlich anziehen, meint Dominik Jung. „2 bis 3 Grad zu warm würde diese Woche ausfallen.“ Wann wieder einmal flächendeckend Regen fällt, lasse sich momentan noch nicht sagen. „Wir haben quasi immer nur sehr harte Phasen. Entweder eine nasse Phase, dann danach eine sehr trockene Phase.“

Somit wäre der Mai 2022 das komplette Gegenteil zum Mai 2021. Im vergangenen Jahr war es zu dieser Zeit deutlich zu kühl. Ein Tiefdruckkomplex über Nordeuropa sorgte damals dafür, dass den ganzen Mai über kühle Atlantikluft nach Deutschland strömen konnte. Der Mai 2021 wurde so der kälteste Mai seit dem Jahr 2010. Doch es scheint ganz so, als könnten wir uns beim Wetter in Deutschland auf einen sommerlichen Mai freuen.

Rubriklistenbild: © Fabian Sommer/dpa

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