Wetter in Deutschland

Wetter: „Katastrophaler Tornado“ verwüstet Gemeinde in Deutschland - es werden immer mehr

Ein Tornado hinterließ in Großheide in Ostfriesland eine Schneise der Verwüstung.
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Ein Tornado (rechts, Symbolbild) hinterließ in Großheide in Ostfriesland eine Schneise der Verwüstung.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Gehören extreme Wetterphänomene in Deutschland bald zu unserem Alltag? Gefühlt werden immer häufiger auch hierzulande Tornados gesichtet. Zuletzt wurde ein Dorf in Ostfriesland beinahe völlig zerstört.

Stuttgart/Ostfriesland - Dieses Jahr scheint das Wetter in Deutschland besonders verrückt zu spielen. Starkregen sorgte vielerorts für Überschwemmungen mit katastrophalen Folgen. Im August erreichte eine Gluthitze mit 35 Grad Deutschland und brachte Trockenheit und beinahe unerträgliche Temperaturen. Diese Woche könnte man hingegen meinen, der Herbst hätte längst begonnen. Mit Sommer hat das regnerische und kalte Wetter nichts mehr zu tun.

Während bei uns die Temperaturen Achterbahn fahren, herrschen anderorts schlimme Waldbrände. Griechenland, Italien und die Türkei sind besonders betroffen. Auch schon im Juni trieb eine weltweite Hitzewelle die Temperaturen auf bis zu 50 Grad hoch. Vor allem im Westen der USA und in Kanada nahm die Hitze extrem gefährliche Ausmaße an.

Auch das Wetter in Deutschland wird mit jedem Jahr extremer. Meteorologen warnen schon lange: auch hierzulande werden Wetterphänomene, wie man sie hierzulande etwa nur aus den USA kennt, künftig keine Seltenheit mehr sein. Zum Beispiel Tornados kommen immer häufiger in Deutschland vor. Schon jetzt werden etwa 40 bis 50 davon im Jahr registriert. Anfang August fegte ein Tornado über den Bodensee, richtete aber keinen Schaden an. Anders war das am Montag, 16. August, in Ostfriesland: Hier verwüstete ein Tornado eine ganze Gemeinde.

Wetter: „Katastrophaler Tornado“ verwüstet Gemeinde in Deutschland - Häuser teilweise unbewohnbar

In der Gemeinde Großheide in Ostfriesland wurden durch den Tornado Dächer abgedeckt, Dachstühle weggerissen, Bäume knickten um und Autos wurden zerstört. Ein harter Schlag für die Gemeinde, denn der Wirbelsturm hat einen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe angerichtet, berichtet euronews.com. Verletzt wurde zum Glück niemand. „Laut der Tornado-Liste Deutschland war der Tornado dort auch nicht der einzige, der am Montag in Deutschland unterwegs war“, sagt Adrienne Jeske, Meteorologin bei wetter.net. Bereits gestern sei der nächste gesichtet worden, so die Wetterexpertin weiter.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) geht bei dem Tornado im Landkreis Aurich von Windgeschwindigkeiten von 180 bis 250 Kilometern pro Stunde aus, also einem mittelschweren Tornado der Stufe F2 auf der sogenannten Fujita-Skala. Zum Vergleich: Der schlimmste Tornado der Welt hatte die Stufe fünf, mit Geschwindigkeiten um 500 Kilometer pro Stunde.

Großheide war am Montag nicht das einzige Dorf, das im Landkreis Aurich in Ostfriesland von dem Tornado heimgesucht wurde. Nach Angaben der Feuerwehr sind im Landkreis mindestens 50 Gebäude zerstört worden, fünf davon sind wegen schwerer Schäden unbewohnbar. Die Einsatzkräfte sprachen von „blankem Chaos“, so die taz.

Wetter in Deutschland: „Katastrophaler Tornado“ verwüstet Gemeinde - künftig immer mehr Wirbelstürme?

Doch wie bildet sich überhaupt ein Tornado? Voraussetzung für die Entstehung eines Tornados sind Temperaturgegensätze, eine örtliche Gewitterzelle und Winde, die mit der Höhe auch ihre Richtung ändern. Ein Tornado oder auch Windhose genannt ist ein kleinräumiger Luftwirbel mit annähernd senkrechter Drehachse. Dieser Luftwirbel löst starken Wind aus und entsteht, sobald eine Wolke anfängt, zu rotieren.

In Mitteleuropa sind solch extreme Luftmassenunterschiede, wie sie zur Entstehung eines Tornados benötigt werden, eher selten. Deswegen treten auch in Deutschland deutlich weniger Tornados auf als zum Beispiel in den USA. Durchschnittlich 1.200 Tornados werden dort jedes Jahr registriert. Laut der Tornadoliste Deutschland gab es hierzulande 2021 bisher 22 bestätigte, acht plausible und weitere 149 Verdachtsfälle von Tornados. Insgesamt kommt man so auf 179 mögliche Wirbelstürme allein in diesem Jahr.

Wissenschaftler und Meteorologen sind uneins darüber, ob es künftig durch den Klimawandel häufiger Tornados geben wird. Ein Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und der Entstehung von Tornados konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Die Zahl der Tornados schwankte in den letzten Jahren auf und ab. Ein Anstieg kann statistisch nicht nachgewiesen werden. Fakt ist jedoch: Die Entstehung eines Tornados ist abhängig von den vorherrschenden Wetterlagen. Die Stürme brauchen feuchtwarme Luft am Boden und trocken kalte Luft in der Höhe. Ob diese Voraussetzungen künftig durch den Klimawandel vermehrt gegeben sind, bleibt abzuwarten.

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