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„Der Po zieht blank“: Dramatische Wetter-Lage in Deutschland und Europa

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Von: Franziska Vystrcil

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Das Wetter in Deutschland und Europa war in der jüngsten Vergangenheit vor allem viel zu heiß und zu trocken. Die ersten Auswirkungen davon gibt es schon jetzt.

Stuttgart - Die Frühlings- und Sommermonate fielen beim Wetter in Deutschland bisher extrem aus. Zuletzt brach der Juni 2022 Rekorde: Der erste Sommermonat war deutlich zu heiß, zu sonnig und viel zu trocken. „Nachdem der Frühling in Deutschland deutlich zu trocken ausgefallen ist, endete nun auch der Juni mit einem Regendefizit von 40 Prozent“, sagt Dominik Jung, Diplom-Meteorologe bei wetter.net.

Auch für die kommenden Monate ist in den Langzeitprognosen nur wenig Niederschlag in Sicht. Die Lage spitzt sich nicht nur in Deutschland zu. Andere Teile Europas haben ebenfalls unter der Dürre und Trockenheit zu leiden. Die ersten Auswirkungen: Waldbrände und sinkende Pegelstände von Flüssen und Seen. Besonders hart hat es bislang Italien getroffen. Die Trockenheit ist so immens, dass der Fluss Po kaum noch Wasser führt. „Der Po in Norditalien zieht blank“, sagt der Wetterexperte. Die Aussichten sehen nicht gut aus.

Extremes Wetter in Deutschland und Europa: Fehlender Regen verschärft die Trockenheit

Gerade erst sind wir in den Juli gestartet, schon erreicht uns der nächste Wärmeberg. Ein Azorenhoch sorgt Anfang Juli für Sommertemperaturen und viel Sonnenschein. Durch das Sommerhoch verschärft sich die Trockenheit noch weiter. Zwar sorgten am 1. Juli Gewitter und Regenschauer für Abkühlung, doch diese hält sich nur kurz. Seit dem 2. Juli schießen die Temperaturen wieder in die Höhe, 13 bis 15 Sonnenstunden waren am ersten Juliwochenende drin.

Und es geht heiß und trocken weiter. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass hoher Luftdruck nach Deutschland kommt, schätzt Dominik Jung die Wetterlage ein. Meist soll es freundlich bleiben, in Süddeutschland sind jedoch einzelne Schauer und Gewitter möglich, da immer wieder ein Tiefdruckgebiet „hereinschwappt“, wie der Meteorologe erklärt. Auch an den Küsten sind einzelne Regengüsse möglich.

WochentagTemperaturen in Grad Celsius
Dienstag (5. Juli)24 bis 31 Grad
Mittwoch (6. Juli)23 bis 29 Grad

(Quelle: wetter.net)

Die Trockenheit geht demnach in den meisten Teilen Deutschlands weiter. Auch Europa muss sich auf eine weitere Dürreperiode gefasst machen. Denn das Azorenhoch rückt Europa zum 7. Juli immer mehr auf die Pelle. Die Prognosen für die Niederschlagsmengen machen nur wenig Hoffnung auf eine Milderung der Trockenheit. So sollen etwa bis Mitte Juli in Deutschland im Schnitt nur 10 bis 15 Liter Regen pro Quadratmeter fallen. Lediglich in den Alpen könnte es etwas nasser werden. „Ansonsten bleibt es im gesamten Mittelmeerraum trocken“, lautet Dominik Jungs Prognose. Von Spanien über Italien und bis nach Griechenland bleibt der große Landregen aus. Das hat schlimme Folgen für die Natur.

Italien ächzt unter Dürre - „Größte Trockenheit seit mehr als 70 Jahren“

Dominik Jung warnte schon zuvor: Das Wetter der kommenden Monate hat schlimme Folgen. In Norditalien hat sich die Situation mittlerweile so sehr zugespitzt, dass der Fluss Po beinahe kein Wasser mehr führt. Seine Nebenarme führen überhaupt keins mehr. „Es ist die größte Trockenheit seit mindestens 70 Jahren in Italien“, erklärt Dominik Jung die prekäre Lage. Nicht nur der ausbleibende Regen, auch der wenige Schnee im Winter hat zur aktuellen Austrocknung des Po geführt. Es konnte nur wenig Schnee abtauen, das den Fluss gespeist hätte.

Auch die Mitte sowie der Süden Italiens haben mit den Folgen der Trockenheit der vergangenen Monate zu kämpfen. Waldbrände halten die Einsatzkräfte dort auf Trab.

Dürre in Italien
Ein junges Paar liegt am ausgetrockneten Flussbett des Po. Norditalien erlebt derzeit die größte Trockenheit seit mindestens 70 Jahren. © Luca Bruno/dpa

Ganz so dramatisch wie in Italien ist es bei uns in Deutschland zum Glück nicht - oder besser gesagt noch nicht. Der Rhein führt derzeit bei Worms noch einen Wasserstand von knapp einem Meter. Die Regenfälle vom Donnerstag (30. Juni) und Freitag (1. Juli) entspannten die Lage in Deutschland zunächst etwas und auch die Waldbrandgefahr nahm hierzulande zwischenzeitlich ab. Da es allerdings seit Samstag (3. Juli) bereits wieder heiß wurde und auch in den nächsten Tagen kein Regen fallen soll, steigt die Gefahr aktuell wieder an.

Ein Problem besteht trotz der Niederschläge immer noch: Der Regen zieht meist nicht tief genug in die Erdschichten ein. „Es ist durchaus eine außergewöhnliche Dürre in Deutschland zu finden“, sagt Dominik Jung. Mit Blick auf die Ensemble-Vorhersage zeigt sich: Die Temperaturen bleiben im „Normalbereich“, eine Hitzewelle droht uns bis Mitte Juli wohl nicht. Aber: „Viel Niederschlag ist überhaupt nicht in Sicht. Wahrscheinlich wird die erste Monatshälfte vom Juli auch sehr niederschlagsarm ausfallen“, sagt der Meteorologe.

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