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Wetterexperte verhöhnt Klimaleugner: „Das ist eine glatte Lüge!“

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Von: Franziska Vystrcil

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„Im Sommer ist es immer heiß“ - über solche Kommentare ärgert sich Meteorologe Dominik Jung. Denn der aktuelle Sommer ist alles andere als normal, wie Wetteraufzeichnungen beweisen.

Stuttgart - Seit Monaten herrscht Extremwetter in Deutschland. Eine Hitzewelle jagt die nächste. Für den Start in den August staunen selbst Meteorologen nicht schlecht. „Unfassbare Wetterkarten“ zeigen, dass es auch in den ersten zwei Augustwochen unerträglich heiß wird. Viele nehmen die prekäre Situation jedoch nicht ernst, tun sie als „normales“ Wetter ab. „Es muss nicht gewarnt werden, denn der Sommer ist eine natürliche Begebenheit“, heißt es etwa in einem Kommentar zu einem BW24-Wetterartikel. „Wow, Hitze im Sommer... wenn‘s dann im Winter auch noch Kälte gibt, sollten wir uns echt mal ums Klima Sorgen machen“, meint eine andere Userin sarkastisch.

Solche Kommentare findet Dominik Jung, Diplom-Meteorologe bei wetter.net, allerdings alles andere als lustig - und rechnet mit den Leugnern des Klimawandels ab.

Meteorologe ärgert sich über besserwisserische Kommentare zum Klimawandel

Vor allem die Kommentare, dass solche Temperaturen im Sommer normal seien, bringen den Wetterexperten in Wallung. „Das ist eine glatte Lüge!“, betitelt er sein Video und bezieht sich dabei auf die Aussagen der Klimaleugner, das aktuelle Wetter in Deutschland sei völlig normal. Für all seine „Freunde“, wie Dominik Jung in seinem neuesten Wettervideo ironisch sagt, habe er eine Temperaturkarte mitgebracht. „Die Freunde, die gerne kommentieren, das hat es doch alles früher schon gegeben, früher war es genauso warm gewesen im Sommer.“ Das Diagramm zeigt einen deutlichen Anstieg der Durchschnittstemperaturen seit 1880 bis heute. Und der aktuelle Sommer? „Der ist ein bisschen weit oben zu finden, im Bereich der fünf wärmsten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen“, sagt Dominik Jung.

„All diese Aussagen, in den 60er und 70er Jahren sei es genauso warm gewesen, die kann man anhand dieser Grafik überhaupt nicht nachvollziehen“, sagt der Meteorologe weiter. Und ruft die Leugner des Klimawandels auf: „Ihr könnt ja gerne mal eure Grafiken posten, die mir oder uns zeigen, dass der aktuelle Sommer völlig normal ist. Ich freue mich über eure Daten“, stichelt Dominik Jung.

Nicht nur der Diplom-Meteorologe, auch viele seiner Kollegen warnen seit geraumer Zeit davor, dass die aktuelle Wetterlage in Deutschland mehr als besorgniserregend ist. So wurde bereits vor den Folgen des Klimawandels in Form von Hitzewellen gewarnt. „Wir sind viel, viel zu langsam“, sagte auch Meteorologe Sven Plöger über die Klimaschutzmaßnahmen.

Waldbrände, Dürren, ausgetrocknete Flüsse und Seen: Folgen der Hitze unbestreitbar

Wie extrem die Temperaturen und Wetterbedingungen aktuell sind, wird vor allem in Südwesteuropa sichtbar. In den beliebten Urlaubsländern der Deutschen herrscht das extremste Wetter seit 1.200 Jahren. Portugal, Spanien und Frankreich trocknen zunehmend aus, Waldbrände gehören mittlerweile zur Tagesordnung. Letztere könnten auch vermehrt Deutschland drohen. Im Süden Brandenburgs ist die Lage mittlerweile wieder stabil (Stand: 3. August 2022), in der Sächsischen Schweiz kommen jedoch immer weitere Brandherde hinzu. Seit elf Tagen kämpfen die Einsatzkräfte dort gegen die Flammen.

Meteorologe Dominik Jung in einem Wettervideo vom 2. August 2022
Wetterexperte Dominik Jung wehrt sich gegen Kommentare von Klimaleugnern, die behaupten, das aktuelle Wetter sei „normal“. © Fotomontage BW24/Screenshot/YouTube wetter.net

Entspannen wird sich die Lage dort in nächster Zeit nicht, blickt man auf die aktuellen Vorhersagen. Denn schon wieder macht sich eine „Hitzezunge“ von Nordafrika über Spanien und Frankreich auf den Weg nach Deutschland. „Der Hitzepeak 3.0 steht vor der Tür“, sagt Wetterexperte Dominik Jung. Am Mittwoch (3. August) wird es dann richtig heiß. Selbst im sonst so kühlen Norden werden 29 Grad erreicht. In der Mitte Deutschlands erreichen die Spitzenwerte 34 Grad, im Süden steigen sie auf bis zu 37 Grad an.

Nächste Sahara-Hitze im Anmarsch - „nicht wirklich gewöhnlich für die aktuelle Jahreszeit“

Bei solchen Temperaturen fühlt man sich wie in einem „Freiluftbackofen“. Am Donnerstag (4. August) wird es nochmal eine Spur extremer, es soll der heißeste Tag der Woche werden. „Wir erwarten auch im Norden Temperaturen um 36 Grad, im Osten bis zu 38 Grad. An der Nordseeküste 30 bis 32 Grad“, sagt Dominik Jung. Die größte Hitze soll allerdings im Südwesten mit 40 Grad erreicht werden. Zum Donnerstagabend ziehen dann die ersten Schauer und Gewitter auf. „Die breiten sich zum Freitag aus - aber immer nur punktuell gibt es einzelne Regenschauer. Es ist also wieder einmal nicht der große, flächendeckende Landregen.“

Zum Samstag (6. August) werden die Temperaturen bei 20 bis 28 Grad wieder erträglicher. Am Sonntag (7. August) steigen die Werte allerdings schon wieder an. Bis zum 18. August soll es weiter trocken bleiben. Laut Ensemble-Vorhersage bleiben die Niederschlagssignale beinahe gänzlich aus.

WochentagTemperaturen in Grad Celsius
Freitag (5. August)22 bis 37 Grad
Samstag (6. August)20 bis 28 Grad
Sonntag (7. August)24 bis 31 Grad

(Quelle: wetter.net)

„Die Temperaturen sind nicht wirklich gewöhnlich für die aktuelle Jahreszeit und für den Sommer in Deutschland“, macht Dominik Jung abermals deutlich.

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